Von Einem der auszog, ganz allein ein Buch zu veröffentlichen

Der Autor Thomas Elbel verfasste kürzlich einen Gastbeitrag für dieses Blog. In seinem offenen Brief wendet er sich an alle Schwarzkopierer von E-Books.

Thomas Elbel

Der in Berlin lebende Autor und Rechtswissenschaftler Thomas Elbel verfasste kürzlich einen Gastbeitrag für dieses Blog. Sein Brief richtet sich direkt an alle Schwarzkopierer, die sich immer wieder für lau mit E-Books eindecken. Hier berichtet Thomas Elbel von seinen Schwierigkeiten, mit den selbst herausgegebenen aber DRM-freien Werken irgendwie Geld zu verdienen.


Guten Tag.

Ich bin Thomas Elbel. 45 Jahre alt. Seit vier Jahren verheiratet mit einer Psychologin. Nach zehn Jahren Berufstätigkeit in verschiedenen juristischen Berufen jetzt seit drei Jahren Hochschulprofessor für öffentliches Recht. Seit zwei Jahren Vater eines Jungen. Darüber hinaus bin ich auch Schriftsteller. Zwei meiner Bücher sind im Piper Verlag erschienen. Ein Drittes habe ich über die Amazon-Plattformen Kindle Select Publishing und Createspace selbst veröffentlicht. Das macht mich zu einem so genannten „Hybridautor“, da ich sowohl die „große“ Verlagswelt als auch das Selbstpublizieren aus erster Hand kenne.

Meine Berührung mit Piraterie als politischem Thema kam durch die mittlerweile legendäre Wutrede des Element-of-Crime-Frontmanns und Autorenkollegen Sven Regener zustande. Und zwar um den Zeitpunkt der Veröffentlichung meines ersten Buches herum, das recht zügig auf allen einschlägigen Piraterieseiten zu finden war. Ich konnte Svens Ausbruch nicht nur inhaltlich sondern vor allem auch emotional gut nachvollziehen.

Andererseits habe ich selbst Erfahrungen als Pirat. Anfang des Jahrtausends habe ich selbst Plattformen wie Napster und Bearshare genutzt, um meinen ersten kleinen MP3-Player (erinnert sich noch jemand an den Diamond Rio?!) zu betanken. Meist handelte es sich um Musikstücke, die bereits Teil meiner umfangreichen CD-Sammlung waren, aber ich habe damals auch vor anderem nicht Halt gemacht.

Schließlich aber ließ iTunes derartige Impulse bei mir erlöschen. Meine eigenen Erfahrungen als Opfer von Piraterie haben mich dazu gebracht, mein damaliges, unreflektiertes Handeln neu zu bewerten. Für mich ist im Nachhinein klar: Es war Unrecht. Heute bezahle ich alle meine Musik, Filme und eBooks. Wenn ich ein Format nicht so kaufen kann, wie ich es will, wenn es also z.B. zu teuer ist, warte ich.

Meine Frau, die Psychologin, nennt die Fähigkeit auf Gewünschtes zu warten, fachterminologisch „Belohnungsaufschub“. Aus psychologischer Sicht ein wichtiger Bestandteil des menschlichen Reifungsprozesses hin zur Erwachsenheit. Die Argumentation mancher aktueller Pirateriebefürworter, die „Content-Industrie“ solle sich halt nicht wundern, wenn Fernsehserien, die in Deutschland mit Verzögerung erschienen, sofort piratiert würden, erinnert mich an meine eigenen kindlichen Forderungen an meine Mutter, die Weihnachtsgeschenke doch vielleicht schon ein paar Tage vor Heiligabend auszupacken. Verständlich, aber nicht wirklich erwachsen, oder?

Thomas Elbel erschreckt über Kommentare

Ich schreibe Euch hier, weil mich die Reaktionen auf Lars Artikel zu illegalen eBook-Seiten im Nachgang der TorBoox-Affäre, einigermaßen erschreckt haben. Viele Nutzer von Piraterieseiten, so scheint mir, haben wenig Kenntnis von den Mühen und insbesondere den Kosten der Veröffentlichung eines Buches. Das ist allerdings für mich nichts Neues. Ich renne gegen dieses Unverständnis bereits seit geraumer Zeit, teils wissenschaftlich, teils journalistisch immer wieder an. Aber die Kommentare zu Lars Artikel haben in mir den Wunsch geweckt, noch mal vertieft in die Materie einzusteigen, in der Hoffnung bei dem einen oder anderen vielleicht einen Prozess des Nachsinnens in Gang zu setzen. Denn anders geht es meines Erachtens nicht.

Ich möchte vor allem von meiner Selbstpublikation erzählen, aber hier und da auch Vergleiche zu meinen Verlagspublikationen ziehen, wo ich diese als erhellend ansehe. Wie kam es überhaupt zu dem Entschluss ein Buch im Alleingang zu veröffentlichen, nachdem ich zuvor zwei Verlagsveröffentlichungen verbuchen durfte? Schlichte Antwort: Mein Drittling spielt auf dem Mars und gilt damit marketingmäßig als SciFi-Stoff. SciFi ist wiederum Männerliteratur. Da aber im Buchmarkt die goldene Faustregel regiert „Männer lesen nicht“, gilt SciFi hierzulande als schwer verkäufliche Nischenliteratur. Auf diesem Feld etablierte Autoren wie Andreas Eschbach sind da die Ausnahme, die die Regel bestätigt. Auf dem englischsprachigen Markt sieht es anders aus, aber der ist nun mal zehnfach so groß wie der Deutsche.

Buch spielt nur Herstellungskosten ein

Mein erstes Buch Asylon hat seit Erscheinen im Sommer 2011 etwa 5.000 Stück verkauft. Solide, aber vermutlich reicht das gerade mal aus, um die Herstellungskosten (zu denen ich später noch detaillierter kommen werde) wieder einzuspielen.

Bitte beachten: In Deutschland bleiben nach Abzug des – bei Papierbüchern ermäßigten – Mehrwertsteuersatzes 50% des Nettobuchpreises im Handel hängen. Von der anderen Hälfte bezahlt der Verlag den Autorenvorschuss (mittlerer vierstelliger Betrag), das Lektorat (meist extern), das Coverdesign (ebenfalls extern), den Druck einschließlich Materialkosten und die internen Leistungen Korrektorat, Layout, Marketing (Kataloge, Messen, Aktionen, Vertreterflotte etc.) sowie den Overhead. Verlage legen es darauf an, Autoren langfristig zu Marken aufzubauen. Echte Gewinne werden erst ab Buch drei oder vier erwartet, wenn der Autor sich am Markt etabliert hat. Bis dahin werden Bücher aus den Gewinnen der Handvoll Bestseller des jeweiligen Verlagsbereiches querfinanziert. In nicht wenigen Fällen scheitert diese Strategie. Der Autor vermag es nicht, seine Verkäufe von Veröffentlichung zu Veröffentlichung zu steigern und man trennt sich wohl oder übel wieder. Diese Risiken müssen Verlage in ihre Gesamtkalkulation einbringen.

Leider verkaufte sich mein zweites Buch (veröffentlich April 2013) eher schwächer als das erste. D.h. die Vormerkungen der Buchhandlungen – die übrigens in der Regel vor Fertigstellung des Manuskripts vorgenommen werden und daher meist nur auf dem Kurzbeschreibungstext aus dem Verlagskatalog basieren – waren mau. Wenn das Buch aber nicht in den Handlungen steht, verringert sich die Chance auf Laufkundschaft. Das zweite Buch wird dann eben vornehmlich von Lesern gekauft, denen das erste so gut gefallen hat, dass sie sich auch nach anderthalb Jahren noch an meinen Namen erinnern und bei der Buchhandlung nachhaken. Ein kleiner Teufelskreis. Dies und das schwierige Genre haben Piper bewogen, meinen Drittling abzulehnen und um ein etwas weniger SciFi-lastiges zu bitten.

Welche Möglichkeiten ergeben sich?

Für mich ergaben sich nun folgende Alternativen: Entweder ich lasse den Drittling auf absehbare Zeit in der Schublade oder ich veröffentliche ihn selbst. Ich habe mich für Letzteres entschieden und ein großes Abenteuer begann.

Asylon-Cover-thomas-elbelIch möchte hier nicht all zu viel zum Schreibprozess selbst sagen (der in diesem Fall ja auch schon hinter mir lag). Es gibt dazu schon so viel Interessantes von anderen Kollegen zu lesen. Ich kann jedenfalls versichern, dass ich anders als Kim Schmitz bei seinem jüngsten Selbstversuch als Komponist, bei dem Schreiben meiner Bücher nicht weinen musste. Verzweiflungsanfälle gibt es allerdings mit schöner Regelmäßigkeit. Folgende kurze Anmerkung sei mir indes gestattet. Um für das Amt des Professors in Frage zu kommen, musste ich promovieren.

Meine Promotion, die mit 450 Seiten in etwa den Umfang meiner Romane aufwies, war einem recht spröden, techniklastigen Thema aus dem Bereich des Telekommunikationsdatenschutzes gewidmet und ich habe über sechs Jahre daran geschrieben. Romane schreibe ich zwar schneller (eine gängige Zahl, die man von Autoren immer wieder hört, ist ein Ausstoß von 5 bis 10 Manuskriptseiten [30 Zeilen à 60 Anschläge mit Leerzeichen] pro Arbeitstag, aber von den intellektuellen Anforderungen her liegt das Erdenken einer fiktiven Handlung, die in sich konsistent und logisch ist, nach meinem Empfinden weit über jeder wissenschaftlichen Arbeit. Das ist meiner Ansicht nach in dem eher chaotischen Prozess des Erschaffens begründet. In einer wissenschaftlichen Arbeit ist mir die Hypothese zugleich der rote Faden. Beim Schreiben eines Romans gibt es diesen roten Faden nicht. Ich erfinde ihn selbst und noch schlimmer: Er verändert sich laufend durch den Schreibprozess.

In meinen verlagsfrei veröffentlichten Drittling stecken nach meiner Schätzung basierend auf wirtschaftsüblichen Arbeitszeiten ca. 150 Manntage, wenn ich auch noch die mitunter recht umfangreichen Recherchen und die mehrfache Selbstkorrektur (ich selbst habe das Buch wahrscheinlich ein halbes Dutzend Mal gelesen) einrechne. Der erste Leser meines Buches war mein literarischer Agent Bastian Schlück. Viele Leser zweifeln die Notwendigkeit der Invertragnahme eines Agenten an. Ich halte sie für unabdingbar. Der Agent ist im Allgemeinen derjenige, der einem die Tür zur Verlagswelt aufstößt.

Da Verlage unter dem allgemeinen Preisdruck mehr und mehr zu Kulturökonomisierungsmaschinen mutieren, ist dort kaum noch Zeit zur Sichtung der Dutzenden von Manuskripten, die dort Woche für Woche typischerweise eingehen. Ein Agent übernimmt vor diesem Hintergrund die Funktion eines Vorfilters, der dem Autor hilft seinen Stoff bis zur Angebotsreife zu entwickeln. Dann nutzt er seine in langen Jahren gewachsenen Kontakte in die Verlagswelt um den Stoff unterzubringen. In den Vertragsverhandlungen vertritt er die Interessen des urheberrechtlich unbedarften Autors. Dafür erhält er von allen Vorschüssen und Tantiemen des Autors die branchenüblichen 15% plus Mehrwertsteuer. Da es Bastian allerdings leider aus den oben angeführten Gründen nicht gelang, meinen Drittling unterzubringen, verdient er daran auch nichts, denn das Honorar eines Agenten ist erfolgsbezogen.

Entwürfe des neuen Buches überarbeitet

Bastian hat das ganze Buch ebenfalls gelesen und kritisiert. Danach hatte das Buch noch vier so genannte Betaleser, teils mit eigenem literarischen Hintergrund. Ihre Kritik führte zu mehreren Überarbeitungen.

Als ich mich im Sommer 2013 entschloss, das Buch selbst zu veröffentlichen, habe ich mir zuallererst überlegt, was für ein Cover ich will. Es erschien mir weise, den bescheidenen Rückenwind, den meine beiden Verlagsveröffentlichungen bereits erzeugt hatte, mitzunehmen und mich optisch an deren Design zu orientieren. Der Piper Verlag hat mir freundlicherweise erlaubt, auf Ihre Grafikagentur zurückzugreifen. Da damit das Grunddesign des Covers bereits stand, konnte mir die Agentur für die Erstellung von drei Varianten und das Finetuning der von mir gewählten Variante einen absoluten Sonderpreis von 300 Euro plus Mehrwertsteuer machen. Als später noch eine Coverrückseite für die Papierversion benötigt wurde, fielen dafür weitere 100 Euro netto an.

Der nächste Schritt war ein professionelles Lektorat des Buches. Die Aufgabe des Lektors ist eine stilistische und logische Kritik des Buches. Wir Autoren neigen dazu, nach monatelanger Beschäftigung mit dem eigenen Stoff dazu, den Wald nicht vor Bäumen zu sehen. Dann kann es sein, dass Nebenfigur A auf Seite 50 stirbt, um zwei Kapitel später wieder lustig durch die Handlung zu spazieren. Bei mir gab es mehrere Klopfer dieser Größenordnung, die weder meinem Agenten noch den vier Betalesern aufgefallen sind. Ich konnte für das Lektorat einen professionellen Verlagslektor mit Dr. phil. und Spezialisierung auf Fantasystoffe gewinnen, der auch schon für namhafte Häuser wie Piper und Lübbe tätig war. Seine Forderung bewegte sich mit 3 Euro netto pro Normseite am unteren Rand der üblichen Honorarforderung für ein Lektorat. Mein gut 450-seitiges Manuskript verursachte insoweit Kosten von 1.560,09 Euro brutto.

Der nächste Schritt war für mich das Korrektorat. Korrektorat bedeutet die Kontrolle bzw. Berichtigung des Textes in den Dimensionen Orthographie, Grammatik und Interpunktion. Zwar beinhaltet schon das Lektorat eine Grobkontrolle in dieser Hinsicht, sein Schwerpunkt liegt allerdings eben mehr im künstlerischen Bereich, so dass der Lektor naturgemäß einiges übersieht. Manche Leser sind diesbezüglich recht unempfindlich, aber vielen geht es so wie mir. Permanente Rechtsschreibfehler stören den Lesefluss und verhindern das „Eintauchen“ in das Buch. Ich habe mich daher sehr bewusst für ein Korrektorat entschieden. Anders als beim Lektorat erfolgt die Berechnung hier nach der Wortanzahl. Bei einem Preis von 1 Cent netto pro Wort, wurden für das Lektorat weitere 1.282,22 Euro brutto fällig.

Vom Entwurf zum fertigen Buch

Als nächstes war die Umwandlung von Worddateien in die im Readerbereich gängigen Formate epub und mobi fällig. Da ich zu diesem Zeitpunkt nicht wusste, ob ich das Abenteuer der Selbstveröffentlichung je erneut wagen würde, habe ich mich entschieden mich nicht selbst in die hierfür vorhandenen freien Softwares einzufuchsen, sondern einen bezahlten Service genutzt. Dies hatte den zusätzlichen Vorteil, dass ich mich auch nicht um das Layout kümmern musste, für welches bei den diversen Veröffentlichungsplattformen zum Teil recht detaillierte Vorgaben existieren. Die Umwandlung in die beiden eBookformate verursachte mir weitere Kosten in Höhe von 286,61 Euro brutto. Die zusätzliche Umwandlung in einen Rohling für eine Print-on-Demand Version weitere 241,20 Euro brutto.

Ich habe das Buch dann elektronisch bei Amazons Kindle Select Programm und als Printausgabe bei Amazons Createspace hochgeladen. Bei der elektronischen Version habe ich mich für DRM-Freiheit entschieden, da ich die Klagen der Leser über mangelnde Transferierbarkeit auf multiple Endgeräte zumindest im Ansatz nachvollziehen kann. Die Entscheidung für ein exklusives Einstellen bei Amazon habe ich lange begrübelt. Zwei Faktoren waren ausschlaggebend. Erstens ist Amazon nun einmal der Marktführer für digitale Bücher und das Einstellen wird einem wirklich sehr leicht gemacht. Zweitens das marktweit einmalige Angebot einer 70%igen Tantieme innerhalb eines Preisintervalls von 2,89 Euro bis 9,71 Euro (darunter und darüber sind es 35%). Die Bestellung zweier ISBNs (digitale und Papierausgabe müssen verschiedene ISBNs haben) kostete insgesamt 170 Euro brutto.

Marketing ist teuer

Nach dem Einstellen begann die Marketingphase. Auch hier habe ich einiges investiert. Zunächst einmal habe ich mir von einem professionellen Regisseur einen kleinen Trailer an der unteren Preisgrenze stricken lassen, den man jetzt bei Amazon und anderswo bewundern kann. Kostenpunkt: 636,65 brutto. Eine Werbeaktion mit Gewinnspiel (von mir gestifteter Hauptgewinn: ein Kindle Paperwhite) auf Deutschlands bekanntester Promoplattform für eBook-Deals verursachte weitere Kosten von 489 Euro brutto. Seit Erscheinen des Buches Ende Oktober läuft bis heute eine tägliche Werbeaktion auf meiner Facebookfanpage mit Kosten in Höhe von 10 Euro brutto pro Tag, also bis heute etwa 700 Euro. Die Aktion hat die Klicks auf die Amazonverkaufspage messbar erhöht. Als ich die Aktion aus experimentellen Gründen ein paar Tage aussetzte sanken die Verkäufe spürbar.

Das Verschenken von Gratis eBooks und Papierexemplaren an Rezensenten und Teilnehmer an Leserunden auf Buchleseplattformen verursachte Kosten in Höhe von weiteren 200 Euro.

Mein Drittling profitiert mittelbar natürlich auch von der Website die ich für gut 1.000 Euro schon für meine Verlagsbücher einrichten ließ. Darüber hinaus sei nicht unerwähnt, dass ich als Autor auch viele Arbeitsstunden in die Kontaktpflege mit den Lesern (Buchbloggerinterviews, Twitteraccount, Website- und Facebooksitepflege, Buchmessebesuche) stecke. In meiner gesamten Karriere wurde ich bisher zu sechs Lesungen eingeladen. Einmal habe ich dafür ein Honorar von immerhin 300 Euro und einmal eines von 100 Euro erhalten. Bei den drei Lesungen, die ich auf Buchmessen gehalten habe, musste ich sogar meine Reisekosten selbst tragen.

Wenn ich die oben bezifferten direkten Kosten für Produktion und Marketing exklusiv kostenloser Leistungen aufaddiere, komme ich auf einen Betrag von 5.565,77 Euro brutto. Zum Vergleich: Das ist knapp das, was ich für jedes meiner Verlagsbücher als Vorschuss auf die Tantiemen erhalten habe (wovon dann allerdings das oben erwähnte Honorar meines Agenten abgezogen wurde). In diesem Betrag ist keinerlei Vergütung für meine eigene Arbeit miteingerechnet.

Ramschpreis bei Amazon

Ich verkaufe das Buch wie gesagt seit etwa Ende Oktober. Um das Buch bei Amazon möglichst hoch in die Rankings zu bringen, habe ich es zu Beginn ca. einen Monat lang und dann noch einmal im Dezember für eine Woche für nur 99 Cent brutto verkauft (Der Tantiemenanteil in diesem Segment beträgt 35% des Nettopreises bezogen auf den luxemburgischen Mehrwertsteuersatz von 3%) Erläuterung dazu: Laut einhelliger Meinung im Self Publisher Bereich ist das Vorhandensein eines Buches in den Amazonrankings derzeit der stärkste Marketingfaktor. Word-of-Mouth hat demgegenüber eine zu vernachlässigende Bedeutung. Jenseits solcher Sonderangebote kostet das Buch 4,49 Euro (Tantiemenanteil: 70%). Das eBook ist für Amazon Prime Kunden auch kostenlos ausleihbar. Ich erhalte für jede Leihe etwa 1,70 Euro. Verkäufe und Leihen bewegen sich regelmäßig in einem Verhältnis von 3:1.

Das Papierbuch kostet 12,95 Euro und bringt mir bei diesem Preis ca. 95 Cent pro Verkauf.

Megapolis-Cover-thomas-elbelLaut meiner Amazonabrechnungen habe ich bis Jahresbeginn mit der digitalen Ausgabe 1.928,91 Euro und mit der Papierausgabe 179,66 Euro verdient. Die Papierausgabe läuft erwartungsgemäß schlecht, da der wesentliche Marketingfaktor für Papierbücher die schlichte Sichtbarkeit im stationären Buchhandel ist, die bei Print-on-Demand Büchern nun mal nicht gegeben ist.

Umsätze brechen ein

Seit Jahresbeginn flauen die Verkäufe auf beiden Kanälen allmählich ab. In den letzten Tagen habe ich pro Tag etwa fünf eBooks und zwei Papierbücher verkauft sowie fünf eBooks verliehen, mit abnehmender Tendenz. Ich überlege daher, den Preis vorübergehend wieder auf 99 Cent und dann auf bleibende 3,99 Euro zu senken um das Buch wieder attraktiver zu machen. Positiv ist zu vermerken, dass die bis jetzt zwei Dutzend Rezensionen bei Amazon das Buch überwiegend gut beurteilen. Auch scheint es die Verkäufe meiner dümpelnden Verlagsbücher wieder ein bisschen anzukurbeln. Allerdings bin ich bei beiden Piper-Büchern noch weit von dem Punkt entfernt, wo ich über die gezahlten Vorschüsse hinaus Tantiemen verdienen würde.

Bilanz

Ich habe ein Buch zu professionellen Bedingungen selbst verlegt. Bis jetzt habe ich dabei einen Verlust von 3.500 Euro gemacht. Ob ich den je wieder einspiele, steht in den Sternen. Selbst wenn das der Fall sein sollte, ist meine eigene Arbeitszeit beim Schreiben des Buches damit nicht im Mindesten vergütet. Wenn ich meine Bilanz auf meine zwei Verlagsbücher erweitere, war die Schriftstellerei für mich bis jetzt ziemlich genau ein Nullsummenspiel. Zwar hängt hiervon nicht – wie bei den meisten anderen Kollegen – die eigene Existenz ab, allerdings lässt angesichts dieser Entwicklung die Bereitschaft meiner Frau, den Arbeitsaufwand meines Nebenberufes zu akzeptieren, tendenziell langsam nach.

Vielleicht kann der geneigte Leser nach alledem verstehen, wie es sich für mich anfühlt, wenn mein selbstverlegtes, DRM-freies, teuer bezahltes Buch schon knapp eine Woche nach dem Einstellen bei Amazon auf den meisten regulären Piratenseiten vorhanden ist. Möglicherweise könnt Ihr meinen Ärger verstehen, wenn ich nach persönlicher Ansprache der Admins bzw. entsprechenden Postings dort nur in einem von zehn Fällen eine Antwort bekomme, geschweige denn einen Takedown erreichen kann. Vielleicht versteht Ihr, wie absurd es mir vorkommt, dass ich Lesen kann, dass Downloader a bis z dem Uploader 123 für die unbeschreibliche Mühe des Uploads digital auf die Schulter klopfen, während ich andernorts im Netz das Buch im Rahmen einer Verlosung für eine Leserunde gerade selbst verschenke und ansonsten für sagenhaft überteuerte 99 Cent verkaufe.
Piraten bezeichnen sich selbst gerne als kulturaffine Idealisten. Ich kann in alledem nicht viel Ideales erkennen.

Trotz alledem werde ich natürlich irgendwie immer weiterschreiben. Ich liebe das Schreiben. Mein Traum wäre mit dem Schreiben so viel verdienen zu können, dass ich in meinem derzeitigen Hauptberuf nur noch halbtags arbeiten muss und trotzdem meine Familie ernähren kann. Ich würde mich gerne weiter professionalisieren, vielleicht Seminare besuchen, Fachliteratur zum Schreiben lesen, mich mehr mit Kollegen austauschen, um meine Schreibe zu verbessern. Das alles geht aber nur, wenn Leser bereit sind, in mich zu investieren.

Danke für Eure Aufmerksamkeit.

Thomas Elbel


Update vom 27.1.2014 (Autor: Lars):

Die Diskussion hier im Kommentarbereich ist in vollen Zügen angelaufen, super!! Das ist genau das, was ich mir mit diesem Beitrag erhofft habe. Hoffentlich wird die Diskussion ab sofort konstruktiver geführt. Es bringt nichts, sich gegenseitig zu beschimpfen. Dass es bei diesem Thema viel Wut gibt, ist allzu verständlich. Wut gibt es auf allen Seiten. Aber mit Herabsetzungen oder Beleidigungen kommen wir keinen Schritt weiter.

Die Diskussion läuft auch woanders, der Verlauf ist nicht minder interessant. So auf meiner öffentlichen Seite bei Facebook und bei Google+ und bei Diaspora. Natürlich hat mich auch die Erwähnung des Beitrags bei rivva gefreut. Dort kann man ganz gut ablesen, welche Reaktionen es gestern bei Twitter und bei anderen Bloggern gab.

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Übersicht: Bezugsquellen und Preise

Asylon – Erscheinungsdatum 1.9.211 (Piper Verlag)
Taschenbuch (€ 9,95) und als e-Pub (€ 8,49)

Elysion – Erscheinungsdatum 12.3.2013 (Piper Verlag)
Taschenbuch (€ 9,99) und als e-Pub (€ 8,49)

Megapolis – Erscheinungsdatum 4.11.2013 (selbst verlegt)
Taschenbuch (€ 12,95) – und als Kindle-Edition (DRM-frei!) (€ 3,99)

 

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Tarnkappe.info

 

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Außerdem bringt Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, seit 2014 an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert.