Lauschangriff vom Glockenturm: Frauenkirche für Spionage missbraucht

Article by · 21. März 2018 ·

München. In alten Kathedralen schlummern viele Mysterien, wie der Teufelstritt in der Frauenkirche. Das Geheimnis, das jetzt offenbar im nördlichen Glockenturm entdeckt wurde, ist allerdings garantiert Menschenwerk. Mittlerweile brach die katholische Kirche diesbezüglich ihr Schweigen, anfangs wollte man sich dazu nicht öffentlich äußern. Deswegen solle man sich doch besser direkt an den BND wenden, der die Fragesteller seinerseits an mehrere andere Stellen wie die Bundesregierung verwies, um die Anfrage endgültig abzublocken.

Laut dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ existiert im Nordturm der Münchner Frauenkirche seit vielen Jahrzehnten eine Abhör-Anlage des Bundesnachrichtendienstes (BND). Auf Nachfrage befänden sich dort sogar „diverse technische Einrichtungen von verschiedenen Organisationen“, hieß es.

Die BILD-Zeitung hat beim BND nachgefragt: eine Mauer des Schweigens! Einer der Redaktion bekannter Experte für Abhör-Technik, der über ein Jahrzehnt lang mit deutschen Sicherheitsbehörden zusammenarbeitete, meinte dazu: „Die Frauenkirche ist ein idealer Ort für solche Anlagen, wie sie die Amerikaner, der Mossad und der BND nach dem Krieg an vielen Orten in Deutschland verbaut haben.

Möglich sei der Einsatz im nördlichen Glockenturm von zwei unterschiedlichen Techniken: Zum einen Richtmikrofone, um Gespräche in der Umgebung des Doms zu belauschen, etwa an einem Brunnen oder in einem nahen Café. Zum anderen wurden so genannte IMSI-Catcher als Einsatzmöglichkeit genannt. Das sind Geräte, die Funksystemen vortäuschen, der nächste Sendemast zu sein. Damit können alle Handy-Gespräche innerhalb mehrerer einhundert Quadratmeter (also innerhalb der Funkzelle) abgehört werden. Weitere Informationen zum Thema Handy-Spionage sind hier verfügbar.

Der Experte weiter: „Der Glockenturm ist deshalb interessant, weil dort Strom für Licht existiert und vermutlich eine Leitung, die der Uhr das Signal gibt und gleichzeitig als Datenleitung genutzt werden kann.“ Die Größe solcher Anlagen: etwa die mehrerer übereinander gestapelter Umzugskisten. Laut dem „Spiegel“ ließen die Geheimdienste auch das Kirchenpersonal bespitzeln, so hatte der BND angeblich V-Leute im Büro des evangelischen Landesbischofs in München und beim Malteserorden.

Glockenturm: Katholische Kirche bricht ihr Schweigen

Die katholische Kirche äußerte sich nach Auftreten massiver Kritik und gab zu, dass es im Nordturm in der Höhe von etwa 100 Metern Verstärkerantennen für den Funk geben soll, den der BND angeblich schon nicht mehr aktiv benutzt. Die Verstärker wurden angeblich für die Kommunikation zwischen den Agenten eingesetzt. Allerdings wurde auch bekannt, dass offenbar ein weiterer Geheimdienst seine Hardware im Nordturm deponieren durfte. Der Zweck der Anlagen wurde bislang nicht aufgeklärt. Die katholische Kirche ließ verlauten, man stehe in Gesprächen mit dem BND die Anlage zu demontieren, sofern es sich dabei um Abhörtechnik handelt. Das hat die Organisation offenbar nicht davon abgehalten, langfristig mehreren Geheimdiensten einen vertraglich vereinbarten Zugang zu ihrem Gebäude zu gewährleisten. Konkrete Aussagen über den Inhalt der Verträge konnte man in der dortigen Verwaltung bisher nicht machen. Dafür liegen nach eigener Aussage „gegenwärtig keine Unterlagen vor, die eine qualifizierte Aussage darüber zulassen, seit wann diese Einrichtung existiert und welchem Zweck sie dient“. Wie praktisch.

 

Quelle Beitragsbild, thx! (CC0 1.0)

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3 Comments

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    TeeB


    Neben ist ja jedes Jahr die Sicherheitskonferenz. Da gibt es bestimmt interessante Gespräche, bei denen sich das Lauschen lohnt ;-)

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    Anonymous


    Ich denke das das noch Relikte aus alten Zeiten sind die heutzutage wirklich nicht mehr genutzt werden.
    Wenn eine zu observierende Person dort im Umkreis wohnt wäre das nützlich, aber Monate oder Jahrelang aufs geratewohl Leute abhören ohne konkreten Nutzen? Jemand muss das ja auch auswerten, ist das den Aufwand wert? Wohl nur wenn man weiß das sich dort jemand trifft oder konkret eine verdächtigte Person aufhält.

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      mauzi


      Vielleicht können sie ja Reider im Rathaus abhören.. Oder Söder im Beichtstuhl.. :D :D

      Im Ernst:
      Man kann diese Abhör-Anlage des BND ( und anderen Geheimdiensten ) locker sehen oder auch nicht..
      Für „ mich“ steht „gerade“ in einer Kirche …Menschen abzuhören in Widerspruch zu dem was uns die Kirche weismachen möchte.
      Kirche sollte ein geschützter Raum sein. Es gibt das Beichtgeheimnis.. Kirchenasyl.. und weiß der Papst, was nicht noch alles.
      Wenn man der Kirche schon nicht mehr vertrauen kann, wem dann?


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