US-Künstler hebelt Gesichtserkennung aus

Der US-Künstler Adam Harvey startet eine Kampfansage gegen Massenüberwachung. Sein jüngstes Werk macht Gesichtserkennung nutzlos, statt einem Gesicht erkennt der Algorithmus fälschlicherweise hunderte – wie macht er das?

„HyperFace“ – nützlich, aber allenfalls Moderne Kunst

Meine Fotos gehören mir – das nimmt Adam Harvey ziemlich genau. Schließlich ist sein Google-Profilbild verpixelt, unbrauchbar. Doch wieso? Steht es um sein Aussehen etwa so schlecht, dass er es zum Wohle aller tut? Nein, die Aktion ist nämlich Teil einer Kampfansage des New Yorkers gegen Massenüberwachung: Er habe davon gehört, „Menschen symbolisch in Besitz nehmen“ durch Gesichtserkennung. Das habe sein Künstlergeschäft komplett umgekrempelt – jetzt arbeitet er als Künstler daran, die Massen an Aufnahmen von Menschen zu behindern. Für sein jüngstes Kunstwerk „HyperFace“ hat er ausgewertet, wonach Algorithmen zur Gesichtserkennung suchen.


Laut Harvey sind inzwischen Computer dem Menschen in Gesichtserkennung überlegen – bei einer Trefferquote von über 98 Prozent. Den Menschen gelang eine unveränderliche Maximalleistung von lediglich 97,5 Prozent. Nach einer Schätzung des Futuristen Anders Sandberg, werde es bis 2050 Staaten möglich sein für nur 0,1 Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts, jeden Bürger lückenlos zu überwachen. Der blanke Horror für Harvey, für ihn gilt es, dies zu verhindern. Kreativität beweist der Datenschützer auch in weiteren Kunstwerken, die in Form von Frisuren, Make-ups oder beschichtete Kleidung Wärmebildkameras zu schaffen machen. Die Produkte lassen sich käuflich erwerben, wobei Harvey anmerkt, einen identischen Schutz biete eine Rettungsdecke – wobei Rettungsdecken modisch sicherlich nicht der letzte Schrei sind…

Vor lauter Gesichtern das Gesicht nicht mehr sehen

Videoüberwachte Plätze meiden ist für ihn die falsche Strategie, stattdessen setzt er auf quasi passiven Widerstand, denn Computer verarbeiten zwar Massen an Daten, doch nur wenige Bildpixel werden analysiert – das spart Rechenleistung und Speicherkapazität. Nach einem Testdurchlauf mit einem Algorithmus für Gesichtserkennung (Haarcascade von OpenCV) kam es so zur Verwirrung, dass das echte Gesicht nicht erkannt wurde. Mit dem HyperFace-Muster können T-Shirts bedruckt werden oder Gebäude versehen werden. Der Künstler weißt jedoch darauf hin, es handele sich lediglich um eine Machbarkeitsstudie. Er will gar nicht erst mit Optimalschtutz vor Überwachung werben.

 

Quellen: Technology Review, Foto: Adam Harvey

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