Random House / Bertelsmann kündigt Adobe-DRM-Exit an

Article by · 18. August 2015 ·
Branchenkonsens, der digitale Tresor öffnet sich. Foto: ActuaLitté, thx! (CC BY-SA 2.0) Random House

Branchenkonsens, der digitale Tresor öffnet sich. Foto: ActuaLitté, thx! (CC BY-SA 2.0)

Nachdem sich Ende Juni der Bonnier-Konzern vom harten Adobe-DRM verabschiedet hat, zog einen Monat später Holtzbrinck nach. Auch die E-Books von Random House werden ab dem 1. Oktober mit Wasserzeichen ausgeliefert. Auf Adobe-DRM setzen von den Großen nur noch Suhrkamp und Diogenes, die ihre Strategie bestimmt überdenken werden. Auch der Druck auf Amazon dürfte wachsen.

Zugehörig zu Random House sind beispielsweise die Verlage Blanvalet, C. Bertelsmann, Goldmann, Heyne, Luchterhand, Page & Turner, um nur einige zu nennen. Die Bertelsmann-Tochter wechselt ab Oktober 2015 auf Soft-DRM, wie der Konzern heute in einer Pressemitteilung angekündigt hat:DRM hat sich als Marktstandard bei der Auslieferung von E-Book-Dateien etabliert. Bislang wurde der Zugriff mit Hilfe von „hartem“ Digital Rights Management (DRM) kontrolliert. Auch wenn diese Art des Kopierschutzes innerhalb der Plattformen einiger Anbieter gut funktioniert, gibt es auch Systeme und Situationen, die den Leser stark einschränken. Mit der Umstellung auf Soft-DRM können Leser E-Books noch einfacher auf allen Plattformen und Endgeräten lesen und ihre persönliche E-Book-Bibliothek verwalten.

Ausgeschlossen von der neuen Freiheit sind unabhängig vom Verlag alle Kindle-Nutzer. Wir haben erst kürzlich über die neuen technischen Handschellen des US-Konzerns berichtet und erläutert, wie man die Kunden mithilfe des neuen E-Book-Formats KFX dauerhaft an das eigene Unternehmen binden will.

 

Random House will Weg der E-Books zurückverfolgen lassen

schloss offen geschlossenDr. Frank Sambeth, CEO der Verlagsgruppe Random House, bezeichnet die Umstellung als einen „Branchenkonsens“. In der Pressemitteilung von Random House heißt es weiter: „Gleichzeitig wird auch durch Soft-DRM ein sinnvoller Schutz vor Missbrauch gewährleistet, da sich der Weg von E-Books mittels Markierungen wie z. B. digitalen Wasserzeichen zurückverfolgen lässt. Mit Hilfe solcher und weiterer Maßnahmen wird die Verlagsgruppe auch künftig die Werke ihrer Autorinnen und Autoren vor Missbrauch schützen und aktiv gegen Urheberrechtsverstöße vorgehen.“ Johannes Haupt von Lesen.net schenkt der Ankündigung Glauben, dass der Konzern tatsächlich die Wasserzeichen zur Verfolgung von Schwarzkopierern einsetzen wird. Random House sei ehedem sehr aktiv beim Kampf gegen E-Book-Piraten. Unterstützt werden sie dabei von der „berüchtigten Kanzlei Waldorf Frommer“, wie Haupt treffend anmerkt.

Auch vor Gericht dürfte es in absehbarer Zeit sehr spannend werden. Werden die Richter die Wasserzeichen als eindeutige Identifikation der ursprünglichen Quelle anerkennen? Kann der Käufer der E-Books zivil- oder sogar strafrechtlich haftbar gemacht werden, sollte eines der gekauften Werke plötzlich im Internet auftauchen? Wie lange wird man nach dem Verbreiter suchen, wenn die Quelle so einfach ausfindig gemacht werden kann? Stichwort Privatkopie: Welche Risiken werden mit der Weitergabe von E-Books an enge Freunde und Familienmitglieder verbunden sein? Doch derartige Risiken sind nicht neu. Die geht man schon seit Jahren bei der Weitergabe von Musikstücken ein, die man z.B. bei iTunes erworben hat.

Wasserzeichen: Wollen wir das personalisierte Produkt?

Der auf Piraterie spezialisierte Unternehmensberater Manuel Bonik von Lisheennageeha Consulting sieht die Entwicklung eher kritisch. Die Musikindustrie habe doch schon vor vielen Jahren bemerkt, dass der Einsatz von DRM-Maßnahmen wenig bis gar nichts bringt. Das betreffe auch das weiche DRM. Problematisch wird auch der Verleih von E-Books. Wenn sich jemand ein E-Book bei einer Bibliothek oder Onleihe ausleiht, um es in Umlauf zu bringen. Wer wird dann verklagt? Der Betreiber der Onleihe, oder im anderen Fall die Bibliothek?

callibre drm-warning Random HouseWenn, wie beinahe alle Branchenvertreter behaupten, DRM so sehr von Nachteil sein soll: Warum funktioniert das harte DRM dann ausgerechnet so gut bei Amazon? Bonik glaubt: „Weil Amazon die Geräte und den Service bieten und Skaleneffekte erzielen.“ Der Wahlberliner hinterfragt ferner: Wollen wir das eigentlich, das personalisierte Produkt, wo überall verschlüsselt unser Name drin steht? Ihn erinnert das beinahe an einen Waffenschein. Doch von Büchern geht keinerlei Gefahr aus, oder etwa doch?

Von den zusätzlichen Aufträgen der Kanzlei Waldorf Frommer einmal ganz abgesehen: Was werden die Wasserzeichen letztlich bringen? Können sie wirklich verhindern, dass die Online-Piraten den Verlagen und Autoren ihre Umsätze streitig machen? Man wird sehen. Noch ist kein Kraut gegen die Online-Piraterie gewachsen. Boniks Fazit lautet: „Statt für sowas Geld zu verschwenden, sollte man es lieber den Autoren geben.“ Tja, das zumindest steht schon mal fest. Das wird sicher nicht passieren, auch bei Random House nicht.

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