Piraterie: Die TOP 20 Shutdowns 2019

Die Online-Piraterie-Kriege haben im Laufe der Jahre viele Opfer gefordert, von File-Sharing-Anbietern bis hin zu Anti-Piraterie-Unternehmen, die unter ihren eigenen Streitigkeiten zusammengebrochen sind. Aber am offensichtlichsten sind vielleicht die vielen Piraten-Websites, -Plattformen und -Dienste, die aufgrund gehäufter Klagen, Drohungen oder Razzien der Strafverfolgungsbehörden untergegangen sind. Hier sind die Top 20 der Opfer dieses Jahres. Solange es Piraterie-Seiten und -dienste gibt, haben die Konzerne der Unterhaltungsindustrie alles gegeben, um sie zu schließen.


Heute werfen wir einen Blick auf die Top 20 der Shutdowns des Jahres 2019. Die überwältigende Mehrheit der Schließungen von Piraterie-Seiten und -diensten in den letzten 12 Monaten ging auf das Konto von MPA, GVU und Co., die im Auftrag der Unterhaltungsindustrie arbeiten.

Januar – Reddit’s /r/soccerstreams beißt ins Gras

Reddit’s /r/soccerstreams war einst ein Subreddit für rund 420.000 Abonnenten und andere. Der Subreddit ermöglichte unter anderem das Teilen von Links zu Live-Spielen, sodass Fußballfans die Spiele kostenlos anschauen konnten. Als Folge davon wurde das Forum (oder genauer gesagt Reddit selbst) mit DMCA-Beschwerden von Rechteinhabern überflutet, die die Entfernung von Links forderten. Die Admins von Reddit verloren schließlich die Geduld und informierten die Mods von /r/soccerstreams, damit sie entschiedene Maßnahmen ergreifen oder andernfalls die Schließung drohte.

Mai – One Step TV

Nach dem scheinbaren Start im Jahr 2018 wuchs der Piraten-IPTV-Dienst OneStepTV auf rund 600 TV-Kanäle und 20.000 VOD-Inhalte für 25 Dollar oder weniger pro Monat an. Während der Dienst anfangs Kunden anzog, ging es ab April 2019 bergab. Nach Schwierigkeiten bei der Zahlungsabwicklung stellte OneStepTV seine Geschäftstätigkeit schließlich aufgrund von Drohungen der Anwälte von Alliance of Creativity and Entertainment (ACE) ein.

Mai – Vader Streams

Was die IPTV-Anbieter betrifft, war Vaders eine der bekanntesten. Mit einem großen Kundenstamm und angeblich zuverlässigem Service löste sich Vaders Anfang Mai in Luft auf und hinterließ nur Gerüchte und Vermutungen. Im August wurde jedoch enthüllt, dass die Alliance for Creativity die Plattform schließen ließ, was den Betreibern von Vaders noch zusätzlich ein Vergleich von 10 Millionen Dollar bescherte.

Juni – Convert2MP3

Trotz der großen Popularität legaler Musik-Streaming-Dienste wie Spotify sind den großen Plattenfirmen sogenannte YouTube-Ripping-Seiten nach wie vor ein Dorn im Auge. Durch die Vereinfachung des Herunterladens von Musikstücken, sollen sowohl die Labels als auch YouTube durch diese Dienste Einnahmen verlieren. Mit Dutzenden von monatlichen Besuchern war Convert2MP3 eine der größten. Als Folge dessen, zog es die Aufmerksamkeit der Musikgruppen IFPI und BVMI auf sich, die die Plattform in Deutschland verklagten. Ein Gericht erließ eine einstweilige Verfügung gegen Convert2MP3, aber dann hat der Ripping-Dienst den Fall durch die Schließung beigelegt.

Juni – IPTV Bulgarien

Wie bei ähnlichen Operationen gegen andere illegale IPTV-Anbieter in Osteuropa hat man eine Operation im Juni in Bulgarien eher strafrechtlich als zivilrechtlich begründet. Unterstützt von der Europol-Koordinierungskoalition für die Bekämpfung der Kriminalität an geistigem Eigentum (IPC3) und der Allianz für audiovisuelle Medien (AAPA), hat man bei den Razzien, Berichten zufolge, ein IPTV-Piratendienst mit schätzungsweise 700.000 Abonnenten weltweit ausgeschaltet. Den Namen hat man nicht genannt und auch keine weitere Untersuchung veröffentlicht.

Juli / August – eBook.bike

Rechtliche Schritte gegen Websites, die sich mit E-Books beschäftigen, sind relativ selten. Schon aus diesem Grund ist die Klage des Autors John Van Stry gegen den ehemaligen Piratenpartei-Chef Travis McCrea einer der ungewöhnlichsten Fälle des Jahres. Eine kurze Zusammenfassung des Falles ist, dass jemand Van Strys Bücher auf McCreas E-Book-Download-Plattform eBook.bike hochgeladen hat. Van Stry genügte es nicht was McCrea gegen die Piraterie auf seiner Plattform unternahm. Aus unbekannten Gründen wurde eBook.bike im Juli oder August scheinbar freiwillig geschlossen. Der Fall, der auf TorrentFreak ausführlich dokumentiert ist, ist nicht nur noch immer im Gange, sondern auch einer der ungewöhnlichsten Prozesse, über den berichtet wurde. Wie er enden wird, steht zur Debatte, aber wenn das Ziel die Abschaltung von eBook.bike war, hat man den Sieg schon vor Monaten erreicht.

September und noch aktuell – Manga Rock

Angesichts der Konzentration auf berühmte große Seiten wie The Pirate Bay oder RARBG, mag Manga Rock wie ein unbedeutender Spieler gewirkt haben. Nach Angaben von MUSO war die sogenannte ‚Scanlation‘-Seite sogar noch beliebter als The Pirate Bay. Der Untergang der Plattform ist in mehrfacher Hinsicht ungewöhnlich, nicht zuletzt, weil die Betreiber der Plattform angekündigt haben,  dass Piraterie schädigend ist. Nun arbeiten sie an einer legalen Plattform, da die noch funktionierende Seite Manga Rock ausläuft.

September – Xtream Codes und andere IPTV-Spieler

Die riesige Polizeiaktion, die sich im September über Italien, die Niederlande, Frankreich und Bulgarien ausbreitete, hat Spuren in der IPTV-Gemeinde hinterlassen. Mehr als zwei Dutzend Menschen hat man verhaftet und mindestens 180 Server beschlagnahmt. Das war zwar nicht das einzige Ziel, aber Xtream Codes, die Software/System, das von den angeblich 5.000 IPTV-Diensten und ihren 50 Millionen Kunden genutzt wird, stellte man ein. Sie hinterließen weite Teile der IPTV-Szene im Chaos. Seitdem hat man wenig von der Operation gehört, aber es scheint, dass viele Anbieter alternative Lösungen gefunden haben und nun wieder im Geschäft sind.

September – Coto-Filme

Während browserbasierte Websites und Dienste bei Piraten weiterhin beliebt sind, sind Apps für Android und iOS eine bequeme Option für diejenigen, die umkompliziert streamen wollen. Dies bleibt natürlich nicht unbemerkt von Unterhaltungsindustrie, die im Laufe der Jahre mehrere davon ins Visier genommen haben, um den Trend aufzuhalten. Anfang September hat der iOS-App-Store TweakBox von Drittanbietern mehrere Filmpiraterie-Apps als Reaktion auf den rechtlichen Druck entfernt. Nach dieser Nachricht beschlossen die Leute hinter der CotoMovies App, den Dienst einzustellen. Wie sich später herausstellte, haben die Macher der Filme Hellboy und Angel Has Fallen die Schließung erzwungen. Der Betreiber von CotoMovies entschuldigte sich, goss dann aber Öl ins Feuer, indem er erklärte, dass er die Nutzerdaten aushändigen würde, damit die Filmgesellschaften Urheberrecht in Anspruch nehmen können.

Oktober – Share-Online.biz

Als Deutschlands größte File-Hosting-Seite mit sechs bis zehn Millionen Nutzern war Share-Online.biz im Visier der Fahnder. Im Jahr 2017 reichte die Anti-Piraterie-Gruppe GVU Strafanzeige gegen die Plattform ein. Zwei Jahre später hat man die Plattform nach Polizeirazzien in Deutschland, Frankreich und den Niederlanden geschlossen. Berichten zufolge ermittelte man gegen drei Verdächtige.

Oktober – Piraten-CDNs

Moonwalk wurde 2013 gegründet und fungierte als Backend für die Streaming-Seiten. Bereits im Februar hat man TorrentFreak darüber informiert, dass das Unternehmen mehr als 33.000 Filme und TV-Sendungen für Website-Betreiber anbietet, die Moonwalk-Inhalte und -Werbung in ihre eigenen Websites einbinden. In Russland soll Moonwalk etwa 80% der Piraten-Streaming-Plattformen bedient haben, aber im Oktober war es vorbei. BREIN, die MPA und die Alliance for Creativity and Entertainment schlossen sich zusammen und sorgten für die Schließung des Dienstes. Im selben Monat schließen mehrere andere Piraterie-CDNs.

Oktober – RapidVideo

RapidVideo war eine der populärsten File-Hosting-Seiten, aber wie viele seiner Konkurrenten hatte es Rivalen aus der Unterhaltungsindustrie. Unter dem Druck der MPA und ACE, während sie sich in Deutschland einer Klage von Warner Bros. und Netflix gegenübersah, warf RapidVideo das Handtuch und ließ Millionen von Nutzern zurück.

Oktober – Openload / Streamango / StreamCherry

Openload, das bereits Millionen von Nutzern bekannt ist, die rund 65 Millionen Zugriffe pro Monat generieren, geriet 2018 in die Schlagzeilen, als behauptet wurde, dass es mehr Verkehr als Hulu und HBO Go generiert. Zuvor von der USTR als berüchtigter Markt gebrandmarkt, hat Openload in diesem Jahr beschlossen, keine Uploader mehr zu bezahlen. Der Schritt war umstritten, aber nichts im Vergleich zu dem, was folgte. Ende Oktober, nach einer Art Vereinbarung mit der Alliance for Creativity and Entertainment, schloss Openload plötzlich, gab seine Domains auf und bezahlte eine große Summe. Zur gleichen Zeit verschwanden auch die Hosting-Sites Streamango, StreamCherry und VeryStream.

Oktober – Boom Media

Boom Media war einst einer der bekanntesten Anbieter im Bereich der IPTV-Reseller und bot Pakete von Anbietern wie Nitro, Epic, Beast, MFG und Vaders an. Im Oktober jedoch wurden sie verklagt von DISH Network. Boom Media schloss daraufhin, aber die Klage ist noch nicht vom Tisch.

Oktober – Cyberbunker

Cyberbunker galt bis Ende September noch als „Bulletproofed-Hoster“. Doch das änderte sich, als der Cyberbunker Ende September Besuch von der Spezialeinheit GSG9 bekam. Weitere Durchsuchungen gab es in Luxemburg, in den Niederlanden und in Polen. Sichergestellt hat man bei insgesamt 18 Durchsuchungen, die am Donnerstag verliefen, ca. 200 Server, schriftliche Unterlagen, zahlreiche Datenträger, Mobiltelefone sowie eine größere Summe Bargeld. Die Ermittler gehen davon aus, dass ca. 2.000 Server zu dem Cybernetzwerk gehörten.

November – Movie2free.com, Thailands größte Piratenseite

Mit Millionen von Aufrufen pro Tag war Movie2Free.com nicht nur in Südostasien sehr beliebt, sondern auch eine der größten Piraterie-Seiten im Internet. Das änderte sich jedoch Anfang November, als das thailändische Department of Special Investigation bestätigte, dass das Streaming-Portal nach einer Anfrage der Motion Picture Association geschlossen wurde.

November – Omniverse One World Television

Im Februar 2019 beauftragten mehrere große Hollywood-Studios ACE dazu, gegen den IPTV-Dienst Omniverse One World Television Klage einzureichen. Das Unternehmen verteidigte sich mit der Behauptung, es habe völlig legal gehandelt und über entsprechende Lizenzvereinbarungen verfügt. Am Ende setzte sich ACE jedoch durch. Neben einer gemeldeten Vergleichsvereinbarung über 50 Millionen Dollar stellte Omniverse den Dienst ein.

November – Gears Reloaded

Schließlich die seltsame Geschichte von YouTuber und dem Unternehmer Bill Omar Carrasquillo, auch bekannt als OMI IN A HELLCAT. Carrasquillo ist der bekennende Gründer des IPTV-Dienstes Gears Reloaded, ein Unternehmen, das er bis heute für völlig legal hält. Im November gab er bekannt, dass er von FBI und IRS durchsucht wurde. Ermittler nahmen alles als Teil einer Untersuchung wegen Urheberrechtsverletzung und Steuerhinterziehung mit. Trotz Zeugen und Carrasquillo selbst, der im Fernsehen auftrat, um über die Razzien zu sprechen, gibt es immer noch Gerüchte, dass er sich die ganze Sache ausgedacht hat. Inzwischen weigern sich die Behörden, irgendetwas zu bestätigen.

Tarnkappe.info

Beitragsbild von Sam McGhee auf Unsplash, thx!

Autor bei Tarnkappe

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