Internet-Drosselung bei Filesharing: US-Provider droht seinen Kunden

Artikel von · 7. Januar 2018 ·

Der Internet-Service-Provider Armstrong Zoom droht seinen ca. eine Million Kunden im Nordosten der USA damit, dass die Geschwindigkeit ihres Internetanschlusses bei Urheberrechtsverletzungen, wie Filesharing, reduziert werden kann, berichtet Engadget. Auch IoT-Geräte, wie Thermostate, wären davon betroffen.

In der Regel versenden Copyright-Inhaber Benachrichtigungen an Provider, um Kontoinhaber darauf aufmerksam zu machen, dass jemand ihre Internetverbindung verwendet hat, um urheberrechtlich geschütztes Material herunterzuladen. Internetanbieter sind gesetzlich zwar nicht verpflichtet, die Mitteilungen an ihre Kunden weiterzuleiten, aber viele tun dies dennoch. Wenn man jedoch als Internet Service Provider (ISP) nach dieser Kenntnisnahme die Piraten dennoch an Bord behält, ohne etwas gegen sie zu unternehmen, kann auch der ISP für Urheberrechtsverletzungen haftbar gemacht werden. Es sind bereits Fälle bekannt geworden, in denen Gerichte entsprechend entschieden haben: So hat ein New Yorker Gericht den Versuch des Internet Providers „Windstream“, sich generell von jeglicher Verantwortung für Urheberrechtsverletzungen seiner Kunden loszusagen, abgewiesen. Zudem hat die Musikindustrie den ISP „Grande Communications” verklagt, weil das Unternehmen nichts gegen gewohnheitsmäßige Piraten unter seinen Kunden unternimmt. Auch in einem Verfahren von BMG gegen den Internetprovider Cox Communications hat das Gericht von Virgina, Cox Communications für schuldig befunden, Schadenersatz und die Rechtskosten zu zahlen, denn Cox hatte trotz wiederholter Meldung von Kunden, die BMG-Produkte über den Internetzugang von Cox im Netz verbreitet hatten, diese nicht von weiteren Urheberrechtsverletzungen abgehalten.

Nun zieht der Internet-Service-Provider Armstrong Zoom daraus wohl die Konsequenzen. In einem Warnbrief teilt er seinen Kunden mit, die Verbindung im Falle einer Urheberrechtsverletzung so weit runterzufahren, dass weder die Fernsteuerung eines Thermostats, noch die Funktion von Überwachungskameras mehr funktionieren. Lediglich das „Abrufen von E-Mails“ wäre weiterhin möglich. Kunden, die ihren kompletten Service wiederhergestellt haben wollen, um u.a. die Kontrolle über ihre Thermostate wiederzuerlangen, müssen einen Artikel über Urheberrechtsverletzungen lesen, Fragen dazu beantworten und dann eine Vereinbarung unterschreiben, dass sie informiert wurden. Wenn jedoch zu einem späteren Zeitpunkt weitere Beschwerden eintreffen, würde noch härter durchgegriffen: „… Wenn Armstrong nach dem Unterzeichnen der Bestätigung zusätzliche Benachrichtigungen erhalten hat, wird Ihr Zoom-Internetdienst beendet“, schreibt der Anbieter. Danach könne man erst nach Unterzeichnung einer eidesstattlichen Unterlassungserklärung und gegen eine Gebühr erneut in einen Vertrag einsteigen.

Der beunruhigende Aspekt daran ist, dass bei besonders kalten Wintern, wie sie in der Region üblich sind, ein Ausfall des Thermostats lebensbedrohliche Folgen für die betroffenen Menschen hätte. Es kann zu gefrorenen Rohren, Überschwemmungen, zum Tod von Haustieren und sogar Menschen führen. Engadget schreibt: „Bandbreitenbeschränkung für Kunden in den Bereichen, die Thermostate angeschlossen haben, könnte den Unterschied zwischen Krankheit und Gesundheit oder sogar Leben und Tod bedeuten.“ Das scheint eine extreme Strafe für jene zu sein, die nur mal schnell „Game of Thrones“ unautorisiert runtergeladen haben.

Die Folgen der Aufhebung der Netzneutralität in den USA werden somit nicht nur eine langsame Netflix-Verbindung sein, die das Online-Leben stören könnte. Die tatsächlichen Konsequenzen sind, wie man an diesem Beispiel sieht, viel weitreichender. Wenn, laut den neuen Regeln der Federal Communications Commission (FCC), Provider auch ohne Angabe von Gründen die Internet-Verbindung von Kunden gedrosselt werden darf, bedeutet das für alle vernetzten Geräte im Haushalt, wie Alarmanlagen, smarte Lautsprecher, Lichtsteuerung, Videoüberwachungskameras, Kühlschränke und alles, was eine Internet-Verbindung benötigt, dass keines davon mehr funktionieren würde. Engadget stellt in Frage, ob es einem Provider wirklich zustehen sollte, über solche weitreichenden Dinge zu entscheiden und daran zeigt sich erst die große Bedeutung der Netzneutralität.

Bildquelle: geralt, thx! (CC0 Public Domain)

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20 Kommentare

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    DerSkeptiker

    Konsequent handeln und sich nicht von seinem Provider gängeln lassen. Kündigen oder VPN benutzen! Punkt! Die Provider in den USA werten ja sogar schon das Surfverhalten aus. Daher ist aus Datenschutzgründen ist eine VPN Pflicht. Werden die geblockt, kündigen und neuen Provider suchen. An sich finde ich die Aktion echt suer, denn es zeigt doch wieder einmal wie behindert dieser IOT-Hype ist. Jeder Schwachsinn (Toaster, Kaffeemaschine, Kühlschrank, heizung, Lampen, etc.) soll vernetzt sein und ist dann abhängig vom Internet, ergo Internetprovider. Nicht mir mir! Ich bleibe oldschool. :D

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    Nicht-Anonym

    „Was bitte hat die Wärmeregelung einer Wohnung mit begangenen Copyright-Verletzungen zu tun?§

    @Lars: Der User Anonymous hat schon recht, das hat was miteinander zu tun, wenn es über ein und dieselbe Internetleitung geschieht. Soll sich der Downloader halt 2 Leitungen beschaffen: eine zum Downloaden, eine für die Heizung. Wenn ihm die eine gekappt wird, geht die zweite immer noch. Einfache Problemlösung.

    Er kann aber auch den Thermostaten von Hand regeln. Wie 95% der Menschheit.

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    Murksel

    Ob sich der Provider damit einen Gefallen tut?
    Er gibt auf diesem Wege zu das er die Inhalte seiner Nutzer überwacht.
    Ohne diese Überwachung wüsste er nicht was die so treiben.
    Das wird auch unbescholtene Kunden interessieren.
    Die Idealkombination wäre, das dank so einer smarten Wanze wie Alexa, Kenntnis von der Urheberechtsverletzung erlangt wird und auf der Grundlage die IoT-Geräte ausser Gefecht gesetzt werden.
    So wird selbst der Dümmste dazu gebracht sich mehr um seine IT-Sicherheit zu kümmern. Zusätzlich wird hier auf die harte Tour vermittelt was es bedeutet, wenn man keine Kontrolle über seine Technik hat und wie negativ sich das ganze Cloudgedöns auswirken kann.
    So gesehen, eigentlich gar nicht schlecht, das die so den Bogen überspannen.
    Das die Leute alle ehrlich werden glaubt doch niemand.
    Gesetzt den Fall sie würden erzwungenermaßen ehrlich, das die das Geld haben sich alles kaufen zu können kann man noch viel weniger annehmen.

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    Anonymous

    „Sorry, aber auf dem Niveau diskutiere ich nicht.“

    Aus zweierlei Gründen:
    1. Logik und Recht und Anstand sind einfach nicht Ding.

    2. Sonst würden dir deine filesharenden Freunde keine Spenden mehr zukommen lassen ….

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    Fckdemaiziere

    Leute, ladet noch was dat Zeug hält! Bald kommt diesen Drecks-Kapitalisten-Und-Geld-Geldgeilheits-hype auch zu uns. Füttert eure Festplatten mit dem besten Stoff und rüstet euch für die düstere Zukunft wenn selbst die drecks Politik die Drosselung unterstützen wird. Ich sage nur laden, damit ihr auch in der Zukunft ein menschliches Leben genießen könnt, und nicht komplett verarmen müsst nur weil man unterhalten werden will.

    Klar, Theater usw….generell wenn man unterhalten werden will, sollte man zahlen, ja, schon klar.
    Aber die Preise gehen gar nicht.
    Eine Staffel kostet bei GPlay und iTunes und Co um die 15 – 20 € und wer weiß ob einem die Serie gefallen wird..? Für Studenten schon mal gar nicht zu zahlen.
    Wenn es angemessene Preise für angemessene Altersklassen gebe, wäre das der erste Schritt in Richtung fairness.
    ABER NEIN!!! Wie soll sich der 20th Century Fox Chef dann seine 25 neuen Bugattis leisten die er sowieso einfach mal für ein Virales Video zerstören wollte? Sagt mir wie?!
    Nein. Bezahlbare Preise *lach*, sry, nicht in unserem Universum ;)

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    Anonymous

    „Das scheint eine extreme Strafe für jene zu sein, die nur mal schnell „Game of Thrones“ unautorisiert runtergeladen haben.“

    Extrem? Nein, nur endlich mal eine spürbare Auswirkung von Kriminalität in der digitalen Welt in der analogen Welt. Vielleicht fällt dann ja irgendwann mal der Groschen, daß digitale Kriminalität keine Kleinigkeit ist.

    Im übrigen können die Downloader ja ihre Thermostaten von Hand auf- und zudrehen, krepieren muss deswegen keiner. Und sich dabei überlegen, ob es auf die Dauer nicht doch kostengünstiger gewesen wäre, sich eine DVD zu kaufen.

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      Was bitte hat die Wärmeregelung einer Wohnung mit begangenen Copyright-Verletzungen zu tun? Im Prinzip doch gar nichts! Von daher ist dieses Vorgehen auch nicht in Ordnung.

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        Anonymous

        DOCH, das Vorgehen IST in Ordnung. Der Kunde hat mit dem Provider einen Vertrag über eine Internetleitung, nicht über eine Versorgung der Wohnung.

        Der Internetprovider mahnt den Kunden ob einer Illegalität ab und droht ihm Konsequenzen an, nämlich geminderte Bandbreite.

        Der Kunde verstößt – ggf. erneut – dagegen und hat dann eben die Konsequenzen zu tragen, nämlich eben die geringe Bandbreite.

        Die Zwangsversorgung für die Regelung der Thermostate und anderes IOT Gedöns ist garantiert nicht explizit Bestandteil des abgeschlossenen Vertrages. Der Kunde kann die Thermostate von Hand regeln, das ist ja keine Unzumutbarkiet, sondern eine technische Spielerei.

        IOT gehört meines Wissens nach gesetzlichen Definitionen nicht zu den Grundrechten und der Grundversorgung.

        Der Kunde kann sich einen anderen Provider suchen, alternativ.

        Oder einfach keine Gesetzesverstöße mehr begehen.

        Wenn Du in Deutschland Deine Strom- und Wasserrechnung nicht bezahlst, also die Stadtwerke um ihre Kohle betrügst, stellen sie Dir auch Wasser, Strom und Heizung ab.

        Der US Provider läßt Dir immerhin noch ein Minimum, die bundesdeutschen Stadtwerke nicht.

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          Wenn einem wegen der fehlenden Bezahlung der Strom abgestellt wird, ist das okay. Aber das ist kein guter Vergleich. Ich kann auch nicht Äpfel mit Birnen in einen Topf werfen.

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            Anonymous

            Du hattest an Silvester wohl etwas zuviel Alkohol :/.

            Du willst also allen Ernstes sagen, daß ein Verstoß gegen das Copyright, in den meisten zivilisierten Ländern eine STRAFTAT nach geltendem STRAFRECHT, und darüber hinaus die Verletzung eines Nutzungskontraktes mit seinem Provider, weniger schlimm ist als eine unbezahlte Rechnung?!?

            DAS nenne ich mal Lobbyarbeit für illegales Filesharing. Kein Wunder, daß Dich die Behörden auf dem Kieker haben.

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            Sorry, aber auf dem Niveau diskutiere ich nicht.

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            Fragender

            Kannst Du mir mal den Unterschied erklären, warum das eine OK ist und das andere nicht? Ich stehe auf dem Schlauch.

            Rechnung nicht bezahlen = Betrug = kriminell. Findest Du OK, wenn Strafe droht.

            Illegales Filesharing = Betrug = kriminell. Findest Du nicht OK, wenn Strafe droht.

            Wo ist da die Gleichbehandlung für alle? Oder eben doch nicht? Ist Datenklau weniger kriminell als Stromklau?

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          Lars?! Warum antwortest du dem Provozierer Anonymous?! Das ist Derselbe, der ständig versucht hat in der Usenetdebatte zu provozieren und Angst zu schüren. Sieht man alleine schon an seiner punktuellen GROSSCHREIBUNG! Hat anscheinend sehr viel Zeit sich provokativen Unsinn auszudenken;-), er sollte aber mal seinen Schreibstil und seine Tastatur ändern, um nicht sofort identifiziert zu werden:-)
          In diesem Sinne, nicht ärgern lassen und vielen Dank für Deine Arbeit mit Tarnkappe!

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            Anonymous

            Dein Aluhut ist LÖCHRIG! Ich habe in der Usentdebatte KEIN EINZIGES Posting abgesetzt.

            ^^
            ^^
            ^^

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      von vorgestern

      stimmt total! genau! früher wurden auch keine videokasetten kopiert und wenn doch, gab es direkt hohe strafen im „analogen“ leben zu spüren. oder wie war das, du copyrightrassist?

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    Anonymous

    Der letzte Absatz hat mir die Augen bzgl der Netzneutralität geöffnet, bis her war es mir nicht bewusst, ich hatte meistens an Streamingdienste und kommerzielle sonstwas gedacht.. aber sowas. Die Folgen könnten noch tiefer sein? Hoffentlich wird das heirzulande und in ganz Europa nicht so umgesetzt.
    Dieses Beispiel könnte ein Weckruf für unsere Politiker sein.

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      michel

      „Dieses Beispiel könnte ein Weckruf für unsere Politiker sein.“

      ernsthaft?
      wie niedlich ;-)

      natürlich, logischerweise und selbstverständlich wird das ganze auch bei uns in kürze umgesetzt werden!
      wie kann man bloss so naiv sein?
      zitronefalter falten zitronen?
      volksvertreter…..

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        von vorgestern

        ihr seid beide niedlich, denn das ende der netzneutralität in der eu ist längst beschlossene sache


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