Gefängnis
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Streameast: Betreiber müssen sich vor Gericht verantworten

Die beiden früheren Betreiber des Live-Sport-Streaming-Dienstes Streameast müssen sich bald vor einem Gericht in Ägypten verantworten.

Den beiden Männern wirft man die Leitung einer „transnationalen kriminellen Vereinigung“ hinter der illegalen Sport-Piraterie-Website Streameast vor, wie Strafverfolgungsbeamte des nordafrikanischen Landes mitteilten. Die ursprüngliche Strafanzeige erfolgte von der Alliance for Creativity and Entertainment (ACE).

Streameast verfügte über mehr als 120 Domains

Wir berichteten Anfang September, dass man die beiden Männer am Stadtrand von Kairo festnahm. Zuvor hatten die Behörden über ein Jahr lang gegen das Netzwerk von über 120 Domains mit jährlich 1,6 Milliarden Besuchern ermittelt. Dies war das größte Netzwerk, das jemals von den Behörden zerschlagen wurde. An der Operation waren 22 Beamte an zwei Standorten beteiligt.

Die Website, die Merkmale anderer – und nach wie vor aktiver – Streameast-Seiten kopierte, bot kostenlosen Zugang zu einer Vielzahl globaler Sportveranstaltungen an. Darunter Spiele der Premier League, der Champions League, der NFL, NBA und der MLB.

Streameast App

Streameast generierte Einnahmen in Höhe von 8,79 Millionen Euro

Bei den beiden ägyptischen Bürgern stellte man fest, dass sie über die Website Werbeeinnahmen in Höhe von umgerechnet etwa 8,79 Millionen Euro erzielt hatten. Dabei befanden sich etwa 520.000 Euro in verschiedenen Krypto-Wallets. Neben Dokumenten zu Briefkastenfirmen und Immobilien beschlagnahmte man die Laptops, die die Tatverdächtigen zum Betrieb ihrer Websites genutzt haben. Dazu kamen beschlagnahmte Smartphones, Kreditkarten mit einem Guthaben von etwa 109.000 Euro nebst Bargeld in unbekannter Höhe.

Die Verdächtigen hatte man am 25. August des Vorjahres inhaftiert. Am Montag veröffentlichte die ägyptische Generalstaatsanwaltschaft eine Erklärung, in der sie die Überstellung der zwei Angeklagten an ein Strafgericht anordnete. Man begründet dies mit der „Gründung und Leitung einer grenzüberschreitenden kriminellen Vereinigung, die sich auf die Piraterie von Sportübertragungen und die Verletzung von Rechten des geistigen Eigentums spezialisiert hat“.

Streameast, Sportarten

Angeklagte müssen sich auch wegen Crackstreams verantworten

Neben einem Klon von Streameast enthüllte die Erklärung auch, dass das Duo zudem eine Version von CrackStreams betrieben hat. Dies war ein weiterer rechtswidriger Live-Sport-Streaming-Dienst. Nach Angaben der ACE stammten die meisten Zuschauer der Streaming-Dienste aus den USA, Kanada oder Großbritannien. Nicht nur die Größe des Netzwerkes war entscheidend. Im Durchschnitt verfolgten jeden Monat 136 Millionen Menschen Sportübertragungen auf den Websites des Duos. Doch schon der heftige Widerstand der Betreiber gegen alle Unterlassungsaufforderungen machte den Dienst zu einem „Ziel von hoher Priorität“.

Streameast
Logo eines Streameast-Klons.

Die Ermittler folgten der Spur des Geldes

Beginn der Streameast-Ermittlungen waren Anfragen bei verschiedenen Anbietern, um die IP-Adressen der Betreiber ausfindig zu machen. Auf Basis der Information verfolgte man der Spur des Geldes. Diese führte die Ermittler zu einer Offshore-Briefkastenfirma in Dubai und einer im asiatischen Raum. Dort landeten die Einnahmen der beiden Tatverdächtigen. Teil des Netzwerkes waren über Hundert Domains und eine integrierte technische Infrastruktur, um die ursprünglich verschlüsselten Sportinhalte ohne Lizenz zu übertragen und so erhebliche finanzielle Erträge aus internationaler Werbung zu erzielt haben.

Inhaltlich geht es bei der Anklage natürlich wie üblich auch um Geldwäsche. Die Angeklagten haben versucht ihre Einnahmen zu verschleiern, indem man Immobilien kaufte, eine Scheinfirma im Ausland gründete und das Guthaben in Kryptowährungen nebst „grenzüberschreitenden Finanzplattformen“ deponierte.

ACE & MPA kämpfen gegen die Hydra

Schätzungen zufolge kostet Piraterie die Sportindustrie jährlich mehr als 23 Milliarden Euro. Doch aufgrund der Kosten der legalen Konkurrenz und der Bequemlichkeit illegaler Streaming-Seiten erfreut sie sich zunehmender Beliebtheit.

Ich mache mir keine Illusionen, dass ich die Marke Streameast vom Erdboden getilgt habe“, gab Larissa Knapp gegenüber The Athletic bekannt. Knapp von der Motion Picture Association (MPA) sagte dies direkt nach der ersten Abschaltung des Streameast-Netzwerks. „Wenn wir eine Seite abschalten, tauchen fünf weitere oder mehr auf, weil die Leute diese Marke kennen.

Lars Sobiraj

Über

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Früher brachte Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmerinnen und Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert. In seiner Freizeit geht er am liebsten mit seinem Hund spazieren.