Illegales IPTV-Netzwerk zerschlagen: Behörden gehen global gegen Streaming-Piraterie vor.
Illegales IPTV-Netzwerk zerschlagen: Behörden gehen global gegen Streaming-Piraterie vor.
Bildquelle: ChatGPT

Illegales IPTV-Netzwerk zerschlagen: Operation Switch Off trifft Millionen Nutzer weltweit

Operation Switch Off zerschlägt ein illegales IPTV-Netzwerk. Millionen Nutzer betroffen, Plattformen wie IPTVItalia und DarkTV offline.

Razzien in 14 Ländern, 31 Verdächtige und nach Angaben von ACE über 125.000 gesperrte Nutzerzugänge zeigen, wie massiv die Operation Switch Off ein illegales IPTV-Netzwerk zerschlagen hat und damit den IPTV-Untergrund trifft. Der Schlag verdeutlicht, dass die Behörden zunehmend bereit sind, auch international mit voller Konsequenz gegen IPTV-Piraterie vorzugehen. ACE und DAZN feiern den Erfolg, während sich der Druck auf die IPTV-Szene merklich erhöht.

Der Feldzug gegen IPTV-Piraterie gewinnt global an Tempo. Mit der großangelegten Operation Switch Off haben Strafverfolgungsbehörden in Italien und zahlreichen weiteren Ländern ein IPTV-Netzwerk zerschlagen, das im industriellen Maßstab agiert haben soll. Laut Alliance for Creativity and Entertainment (ACE) soll es Millionen Nutzer weltweit versorgt haben, darunter Pay-TV, Premium-Streaming Pay-TV, Premium-Streaming und vor allem Sportübertragungen.

Die Aktion richtete sich gegen illegale Streaming-Dienste, die unautorisierte Pay-TV- und On-Demand-Inhalte an Millionen Kunden verkauft haben sollen, ein Geschäft, das laut Ermittlern monatlich Millionen Euro einbrachte. Die ACE, eine der führenden Anti-Piraterie-Allianzen weltweit, spricht von einem wichtigen Signal gegen großangelegte IPTV-Piraterie.

Offizielle Polizeiangaben: Cybercrime, Geldwäsche und Kryptowährungen

Die italienischen Behörden bezeichnen die Operation Switch Off nicht nur als Anti-Piraterie-Einsatz, sondern als Maßnahme gegen Cybercrime. Laut der italienischen Polizia di Stato richtete sich die Operation damit nicht nur gegen Urheberrechtsverstöße, als vielmehr gegen ein transnational organisiertes Cybercrime-Netzwerk.

Den 31 Beschuldigten werden unter anderem Computerbetrug, Geldwäsche und illegaler Zugriff auf IT-Systeme vorgeworfen. Die Ermittler zerschlugen eine Infrastruktur, die Millionen Nutzer mit illegalen IPTV-Angeboten versorgte, darunter Inhalte von Sky, DAZN, Netflix, Amazon Prime und Disney+. Zudem wurde die Aktivität von rund 1.000 italienischen Wiederverkäufern unterbunden. Die Polizei spricht von über 100.000 gesperrten Nutzerzugängen, ACE nennt sogar mehr als 125.000, während weltweit Millionen weitere Endnutzer betroffen gewesen sein sollen.

Die Polizei betont außerdem, dass die Täter auf fortgeschrittene Verschleierung setzten, darunter Scheinfirmen, Strohmänner und Krypto-Transaktionen, um die Herkunft der illegalen Einnahmen zu verschleiern.

Razzien in 14 Ländern: Internationale Operation mit massiver Reichweite

Die Operation wurde von der Staatsanwaltschaft Catania sowie der italienischen Post- und Cybercrime-Polizei geleitet. Internationale Koordination erfolgte über Eurojust, unterstützt von Europol und Interpol.

Die Dimension der Operation ist beachtlich. Insgesamt kam es zu 29 Razzien in elf italienischen Städten, begleitet von Ermittlungsmaßnahmen in 14 Ländern weltweit, darunter Spanien, Rumänien, Großbritannien, Kanada, Indien, Südkorea und die Vereinigten Arabischen Emirate. Über hundert Beamte der italienischen Postpolizei durchsuchten dabei in Zusammenarbeit mit Polizeikräften aus Großbritannien, Spanien, Rumänien und dem Kosovo insgesamt 31 Verdächtige sowie 14 Objekte im Ausland. Der Einsatz verdeutlicht, dass hier IPTV-Piraterie als professionell organisierter Schwarzmarkt operierte.

Razzien gegen illegales IPTV: Behörden sichern Server, Hardware und Vertriebswege.
Razzien gegen illegales IPTV: Behörden sichern Server, Hardware und Vertriebswege.

Infrastruktur zerschlagen: Plattformen, Server und Telegram-Kanäle im Visier

Im Zuge der Operation wurde eine komplette illegale IPTV-Struktur demontiert. Dazu gehörten nicht nur technische Systeme, sondern auch Vertrieb und Zahlungswege.

Die Maßnahmen umfassten unter anderem die Beschlagnahmung illegaler IPTV-Plattformen wie IPTVItalia, migliorIPTV und DarkTV sowie die Entfernung der zugehörigen Webseiten und Telegram-basierten Vertriebskanäle. Zudem stellten die Behörden mehrere Server außerhalb Italiens sicher und unterbanden die Aktivitäten eines umfangreichen Reseller-Netzwerks. In Rumänien wurde laut Polizei eine bedeutende IPTV-Plattform identifiziert, die Inhalte über sechs Server verteilte, darunter auch Serverstandorte in einem afrikanischen Staat.

IPTV-Ring zerschlagen: DAZN und ACE feiern den Erfolg gegen Streaming-Piraterie

Sportrechteinhaber treiben den Kampf gegen IPTV-Piraterie massiv voran. Entsprechend äußerte sich auch DAZN. Ed McCarthy, Chief Operating Officer von DAZN, erklärte, illegale IPTV-Dienste würden nicht nur Rechteinhaber bestehlen, sondern auch Investitionen in Sport und Unterhaltung untergraben. Zudem setzten sie Nutzer Betrug und Cyberbedrohungen aus.

Auch Larissa Knapp von der Motion Picture Association betonte, wie entscheidend internationale Zusammenarbeit sei, um IPTV-Piraterie in dieser Größenordnung überhaupt bekämpfen zu können. Laut ACE-Mitteilung führte sie aus:

„Die ACE ist stolz darauf, die wichtige Arbeit globaler Strafverfolgungs- und Justizbehörden durch den Austausch von Informationen, technisches Fachwissen und die operative Zusammenarbeit seiner Mitglieder zu unterstützen. […] Dieser Fall bestätigt eine Realität, die ACE-Mitglieder weltweit beobachten: Wirksames Vorgehen gegen IPTV-Piraterie erfordert eine nachhaltige grenzüberschreitende Zusammenarbeit und den konsequenten Einsatz rechtlicher und operativer Instrumente, die dem Ausmaß des Schadens angemessen sind.“

Switch Off baut auf früheren Operationen auf

Die Ermittlungen liefen laut Polizei bereits seit rund einem Jahr. Auslöser waren Hinweise aus der vorherigen internationalen Operation Taken Down.

Die Behörden analysierten dabei nicht nur beschlagnahmte Geräte, sondern setzten auch auf Netzwerküberwachung und Flow-Analysen. Des Weiteren werteten sie Messenger-Kommunikation aus und nutzten Informationen aus offenen Quellen (OSINT). Zudem wurden Finanzströme nachverfolgt, insbesondere Transaktionen in Kryptowährungen. Das verdeutlicht, wie professionell und datengetrieben moderne Ermittlungen gegen illegale IPTV-Strukturen inzwischen ablaufen.

IPTV-Piraterie gerät weltweit stärker unter Beschuss

Operation Switch Off zeigt, dass die Behörden ein komplettes illegales IPTV-Netzwerk zerschlagen haben. Dabei haben sie nicht nur Plattformen vom Netz genommen, sondern auch Server sichergestellt und Reseller-Strukturen unterbunden. Zudem wurde der Vertrieb über Telegram-Kanäle und Finanzströme ins Visier genommen. Switch Off dürfte daher kaum der letzte Schlag gegen die IPTV-Szene gewesen sein.

Über

Antonia ist bereits seit Januar 2016 Autorin bei der Tarnkappe. Eingestiegen ist sie zunächst mit Buch-Rezensionen. Inzwischen schreibt sie bevorzugt über juristische Themen, wie P2P-Fälle, sie greift aber auch andere Netzthemen, wie Cybercrime, auf. Ihre Interessen beziehen sich hauptsächlich auf Literatur.