Wegen massiven Urheberrechtsverletzungen verlangt das indische Ministerium MIB die Entfernung von über 3.100 Telegram-Kanälen.
Das indische Ministerium für Information und Rundfunk (MIB) hat die Betreibergesellschaft von Telegram gemäß dem Information Technology Act (IT Act) aus dem Jahr 2000 kontaktiert. Man fordert das Unternehmen auf, Raubkopien von Filmen und Streaming-Diensten zu entfernen. Die Maßnahme folgt den Beschwerden von Rechteinhabern der OTT-Plattform oder von Amazon und der Disney-Tochter JioHotstar. Dazu kam die Identifizierung von 3.142 Telegram-Kanälen durch Regierungsmitarbeiter.
MIB-Mechanismus für Beschwerden wegen Online-Piraterie
Im November 2023 veröffentlichte das Ministerium eine Mitteilung, in der es Beauftragte innerhalb des Ministeriums und dessen Abteilung Central Board of Film Certification (CBFC) ernannte. Diese sollen Beschwerden über Online-Piraterie von Filmen und Serien bearbeiten.
Im Rahmen des vorgestellten Systems können Urheberrechtsinhaber Details zu rechtsverletzenden URLs einreichen, woraufhin die Beamten die Beschwerde überprüfen und Zwischenhändler anweisen können, den Zugriff auf die Inhalte innerhalb einer bestimmten Frist zu sperren. Laut einer Medienanfrage des indischen Newsportals MediaNama haben die Rechteinhaber den Mechanismus nur in einem sehr begrenztem Umfang genutzt. Bis Juli 2025 gingen dort nur neun Beschwerden ein.
Dynamische+ Verfügungen und Gerichtsbeschlüsse
Indische Gerichte begannen im Jahr 2019 mit der Anpassung ihres Vorgehens gegen Piraterie, als der Oberste Gerichtshof von Delhi dynamische Verfügungen einführte, um dem raschen Wiederauftauchen von Piraterie-Websites entgegenzuwirken. Sobald ein Gericht eine betrügerische Website blockiert, auf der Raubkopien von Filmen oder Serien verfügbar gemacht werden, ermöglicht eine dynamische Verfügung dem Urheberrechtsinhaber, sämtliche Spiegel-, Weiterleitungs- oder Proxy-Domains zu identifizieren und die Behörden aufzufordern, diese zu blockieren, ohne eine neue Klage einzureichen.
Auf dieser Grundlage erweiterte man den rechtlichen Rahmen im August 2023 erheblich. Dies geschah, als der High Court von Delhi die Dynamic+-Unterlassungsverfügung einführte. Daran beteiligten sich die großen Filmstudios, wie Netflix, Disney, Warner Bros., Paramount und Universal. Im Gegensatz zu früheren Anordnungen ermöglicht eine Dynamic+-Unterlassungsverfügung den Rechteinhabern, sowohl bestehende als auch zukünftige urheberrechtlich geschützte Werke zu schützen, indem sie ihnen das Recht einräumt, Websperren zu beantragen, wenn auch zukünftiges geistiges Eigentum raubkopiert wird.
Nach diesen Entwicklungen begannen die Gerichte, Dynamic+-Verfügungen in mehreren Fällen anzuwenden, die Filme, Serien und Live-Sportübertragungen betrafen. Dies ermöglicht es den Rechteinhabern, Internetdienstanbieter (ISPs), Domain-Registrare (DNRs) und Regierungsbehörden nach erfolgter Verfügung zu benachrichtigen. Das erklärte Ziel ist es, neu entdeckte Piraterie-Domains nahezu in Echtzeit zu deaktivieren.
Telegram-Kanäle eine beliebte Quelle für Schwarzkopien
Der Messenger Telegram hat sich zu einer wichtigen Drehscheibe für Piraterie-Netzwerke entwickelt. Diese organisieren über viel genutzte Telegram-Kanäle Bibliotheken mit raubkopierten Filmen und Serien organisieren, die sie darüber verbreiten. Im Jahr 2022 erklärte die Asia Video Industry Association (AVIA), dass die Funktionen des Messengers für Piraterie-Netzwerke sehr interessant macht. Für schwere Straftäter ist Telegram seit der Verhaftung des CEO bei Paris nicht mehr so attraktiv.
Beispielsweise ermöglicht Telegram den Nutzern, Dateien mit einer Größe von bis zu 2 GB zu teilen. Damit kann man problemlos Serien-Episoden und Spielfilme in voller Länge verbreiten. Kanäle können bis zu 200.000 Mitglieder haben und unterstützen die Anonymität der Nutzer. Dadurch können die Piraten Raubkopien ohne zeitlichen Verlust und ohne viel Aufwand an ein großes Publikum verteilen. Die Transfers laufen außerdem mit einer hohen Geschwindigkeit, was den Dienst zusätzlich attraktiv gestaltet.
Die Mitarbeiter vom Ministerium für Information und Rundfunk (MIB) hoffen offenbar, dass sie mithilfe der Meldung die Piraterie besser kontrollieren können. Ob dies der Fall sein wird, bleibt vorerst abzuwarten. Man darf zumindest ernsthaft bezweifeln, dass Telegram die Sperranordnungen des MIB in Echtzeit umsetzen wird.




















