Texas klagt gegen Meta: Angeblich kann WhatsApp verschlüsselte Chats einsehen. Experten halten die Vorwürfe für fragwürdig.
Seit Monaten kursieren in den USA fragwürdige Vorwürfe gegen WhatsApp: Angeblich könne Meta trotz der Ende-zu-Ende-Verschlüsselung (von Signal) auf private Inhalte zugreifen. Nun hat der US-Bundesstaat Texas deswegen Klage gegen den Konzern eingereicht. Experten halten die Behauptungen jedoch weiterhin für kaum glaubwürdig.
Ken Paxton erhebt schwere Vorwürfe gegen Meta
Der texanische Generalstaatsanwalt Ken Paxton wirft Meta vor, Nutzer über die Sicherheit von WhatsApp zu täuschen. Die Behauptung: Mitarbeiter oder beauftragte Moderatoren könnten auf „praktisch alle“ Inhalte der angeblich geschützten Kommunikation zugreifen. Grundlage der Klage sind Aussagen eines Sonderermittlers des US-Handelsministeriums sowie Hinweise ehemaliger Mitarbeiter und eines Whistleblowers.
Konkrete technische Beweise liefert die Klageschrift allerdings nicht. Die entsprechenden Ermittlungen wurden bereits Ende April überraschend eingestellt. Laut Bloomberg sollen zwei Personen ausgesagt haben, bei Moderationstätigkeiten Zugriff auf WhatsApp-Inhalte gehabt zu haben.
Sicherheitsexperten zweifeln die Vorwürfe an
Renommierte IT-Sicherheitsforscher widersprechen den Anschuldigungen deutlich. Alex Stamos, ehemaliger Sicherheitschef von Meta, bezeichnete die Behauptungen bereits zuvor als „fast sicher falsch“. Eine funktionierende Hintertür in WhatsApp müsste tief in Android- oder iOS-Apps integriert sein. Die hätten Experten seiner Ansicht nach längst entdeckt.
Der bekannte Kryptografie-Experte Matthew Green gab der Angelegenheit den Titel „Viel Lärm um nichts.“ Green erklärte in einem ausführlichen Blogbeitrag, dass eine heimliche Umgehung der Ende-zu-Ende-Verschlüsselung praktisch nicht verborgen bleiben könne. Sicherheitsforscher weltweit analysieren den Code der Messenger regelmäßig. Eine eingebaute Hintertür würde dem Ruf von Meta massiv schaden und wäre ein ideales Angriffsziel für Cyberkriminelle.
Meldungen an Moderatoren sorgen wohl für Missverständnisse
Nach Einschätzung von Green beruhen die Vorwürfe vermutlich auf einem Missverständnis. Nutzer können Nachrichten aktiv an Meta melden, etwa bei Belästigung oder illegalen Inhalten. Diese gemeldeten Chats werden dann bewusst von den Nutzern im Klartext an die Moderatoren übermittelt. Das bedeutet jedoch nicht, dass WhatsApp generell verschlüsselte Inhalte entschlüsseln kann.
Meta setzt sich zur Wehr
Meta weist die Vorwürfe gegenüber den Medien kategorisch zurück und kündigte an, sich vor Gericht zu verteidigen. Die Klage wurde unter dem Aktenzeichen 26-0393 in Harrison County, Texas, eingereicht.
Politischer Hintergrund der Klage
Brisant ist auch der politische Kontext: Ken Paxton befindet sich derzeit mitten im Vorwahlkampf für einen Sitz im US-Senat. Bereits im Februar sorgte er mit einer Klage gegen den Routerhersteller TP-Link für Schlagzeilen. Damals behauptete er, Geräte des Unternehmens könnten der chinesischen Regierung Zugriff auf US-Haushalte ermöglichen.
Ob das neue Verfahren gegen Meta mehr Substanz besitzt, bleibt abzuwarten. Bislang sprechen die technische Fakten eher gegen die Behauptung, WhatsApp könne verschlüsselte Chats heimlich mitlesen.


















