Level-5
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Bildquelle: ChatGPT

Level-5 warnt alle Piraten: „Wir werden weiterhin genau hinschauen“

Die Spieleschmiede Level-5 hat kürzlich eine Ankündigung veröffentlicht, die aufgrund ihrer Schärfe selbst Nintendo stolz machen würde.

Der japanische Spieleentwickler Level-5 hat eine deutliche Warnung an die Szene veröffentlicht. In einem offiziellen Statement kündigte das Studio rechtliche Schritte gegen die unerlaubte Verbreitung seiner Spiele an. Der Tonfall erinnert dabei stark an Nintendo selbst — inklusive möglicher Account-Sperren und DMCA-Takedowns.

Das Unternehmen wurde schon im Jahr 1998 gegründet. Bekannt ist Level-5 unter anderem für Spielereihen wie Professor Layton, Fantasy Life, Yo-kai Watch oder Inazuma Eleven. Man arbeitet häufig mit anderen großen Unternehmen zusammen, so etwa mit Nintendo, Sony oder Bandai Namco. Für Aufmerksamkeit sorgte beispielsweise die Zusammenarbeit mit dem berühmten Anime-Studio Studio Ghibli. Besonders rund um aktuelle Switch-Releases scheint man nun verstärkt gegen Piraterie und Modding-Aktivitäten vorgehen zu wollen.

Level-5 will einschreiten

In der Mitteilung spricht das Unternehmen von einer „ernsthaften Problematik“, die man zuletzt in diversen Online-Communities beobachtet habe. Gemeint sind offenbar illegale Kopien, Modifikationen und die Verbreitung eigener Spiele über einschlägige Plattformen.

Man wolle derartige Aktivitäten weiterhin genau beobachten. Außerdem kündigt der Publisher an, „notwendige rechtliche Maßnahmen“ gegen Urheberrechtsverletzungen einzuleiten. Dazu gehören in großen Foren und sozialen Netzwerken Aktivitäten wie Anträge auf Content-Entfernungen und Account-Sperren.

Interessant ist dabei die Formulierung, dass bereits das Modifizieren oder Bearbeiten der Spiele ohne Genehmigung als Copyright-Verstoß gewertet werden könne — unabhängig vom eigentlichen Zweck. Man hat es also auf die Modder abgesehen.

Pirat, Papagei

Switch-Szene erneut unter Druck

Welche konkreten Titel betroffen sind, verrät Level-5 bislang nicht. In der Szene geht man jedoch davon aus, dass insbesondere aktuelle Nintendo-Switch-Veröffentlichungen gemeint sind. Gerade auf modifizierten Konsolen kursieren regelmäßig vorab geleakte Dumps neuer Releases.

Nintendo selbst verfolgt seit Jahren eine besonders aggressive Anti-Piraterie-Strategie. Zuletzt traf es mehrfach Betreiber von ROM-Portalen, Modchip-Händler, Hersteller von Emulatoren, Sportler und sogar einzelne Nutzer. Dass nun auch Third-Party-Studios wie Level-5 öffentlich nachziehen, dürfte vielen in der Switch-Homebrew-Szene nicht gefallen.

Die Grenzen zwischen Modding, Fan-Patches, also der Veränderung von bestehenden Spielen und Backups und der klassischen Warez-Verbreitung verschwimmen in der Praxis häufig. Juristisch bleibt die Lage allerdings eindeutig. Die Veränderung und Verbreitung urheberrechtlich geschützter Spiele ohne Zustimmung des Rechteinhabers ist illegal.

Eine modifizierte Switch mit traurigem Gesicht und Ziegel-Symbol – Sinnbild für die neue EULA-Politik von Nintendo.

Große Releases von Level-5 stehen bevor

Der Zeitpunkt der Warnung kommt kaum überraschend. Level-5 bereitet aktuell mehrere wichtige Veröffentlichungen vor. Im Rahmen der „Vision 2026“-Präsentation kündigte das Studio zuletzt neue Inhalte und Termine für kommende Spiele an. Dazu gehört Professor Layton and The New World of Steam für die Switch und Switch 2 nebst Inazuma Eleven: Victory Road und weitere Projekte.

Gerade kurz vor großen Releases steigt traditionell auch die Zahl geleakter Versionen und früher Dumps in einschlägigen Telegram-Gruppen, Warez-Boards und Torrent-Portalen.

Die Szene kennt solche Drohungen bereits

Ob die Warnung tatsächlich zu größeren juristischen Maßnahmen führt, bleibt abzuwarten. Viele Publisher veröffentlichen ähnliche Statements vor allem zur Abschreckung. Allerdings zeigt Nintendo seit Jahren, dass sie dazu bereits sind, ihre Ankündigungen auch konsequent umzusetzen.

Für die Warez- und Switch-Szene dürfte die Botschaft jedenfalls angekommen sein: Level-5 schaut inzwischen offenbar deutlich genauer hin als früher. Ob das etwas ändern wird, ist aber zweifelhaft. Die Release Groups sind solche Drohgebärden schon seit langer Zeit gewohnt. Zumindest auf die Betreiber von Facebook, Reddit & Co. dürfte aufgrund der zusätzlichen Löschaufforderungen künftig mehr Arbeit zukommen.

Lars Sobiraj

Über

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Früher brachte Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmerinnen und Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert. In seiner Freizeit geht er am liebsten mit seinem Hund spazieren.