Nintendo verschickt DMCA-Meldungen gegen Switch-Emulatoren auf GitHub. Zahlreiche Projekte sind davon betroffen.
Mit massenhaft verschickten DMCA-Meldungen an GitHub startet Nintendo offenbar die nächste große Offensive gegen Switch-Emulatoren. In der Folge könnten zahlreiche Repositories in den kommenden Tagen verschwinden. Betroffen sind nahezu alle öffentlich zugänglichen Projekte und Yuzu-Forks auf der Plattform. Wer jedoch glaubt, das Thema sei damit erledigt, unterschätzt die Widerstandskraft der Szene. Statt aufzugeben, setzen sie auf Dezentralisierung und weichen auf alternative Plattformen und eigene Serverstrukturen aus.
Kaum ein Jahr nach dem spektakulären Aus für Yuzu und Ryujinx startet Nintendo einen neuen Schlag gegen Switch-Emulatoren. Allerdings trifft es aktuell nicht nur einzelne Projekte, sondern vielmehr nahezu sämtliche öffentlich zugänglichen Nintendo-Switch-Emulatoren und deren Forks auf GitHub. Mit dieser Maßnahme verschärft Nintendo den Kurs gegenüber Entwicklern von Switch-Emulatoren. GitHub steht damit erneut im Zentrum eines juristischen Schlagabtauschs zwischen Milliardenkonzern und Open-Source-Community.
Nintendo DMCA gegen Switch-Emulatoren: Fast alle GitHub-Repositories betroffen
Mehrere internationale Medien berichten übereinstimmend, dass Nintendo eine neue Welle von DMCA-Takedown-Notices eingeleitet hat. Laut Android Authority wurden unter anderem Eden, Citron, Kenji-NX und MeloNX ins Visier genommen. Auch ältere oder bereits eingestellte Projekte wie Sudachi oder Skyline sollen entsprechende Mitteilungen erhalten haben.
Notebookcheck spricht von „mass DMCA notices“, die gezielt auf GitHub-Repositories abzielen. Auch auf X (ehemals Twitter) berichteten Accounts wie @Nintendeal und @Pirat_Nation, dass „alle öffentlich verfügbaren Switch-Emulatoren und Yuzu-Forks“ betroffen seien.
Zum Zeitpunkt der Berichte waren viele Repositories noch online. Erfahrungsgemäß kann sich das jedoch schnell ändern, sobald GitHub die Hinweise prüft und umsetzt.
Rückblick: Yuzu, 2,4 Millionen Dollar und kein Grundsatzurteil
Dass Nintendo DMCA gegen Switch-Emulatoren einsetzt, ist nicht neu. 2024 verklagte das Unternehmen die Betreiberfirma des populären Emulators Yuzu. Der Rechtsstreit endete in einem Vergleich. Die Betreiberfirma Tropic Haze LLC zahlte 2,4 Millionen US-Dollar und stellte das Projekt zudem ein, einschließlich der Abschaltung sämtlicher Infrastruktur.
Ein gerichtliches Grundsatzurteil zur Legalität von Emulatoren blieb hier jedoch aus. Damit prägt diese juristische Grauzone bis heute die aktuelle Situation.
Auch im Juli 2024 hatte Nintendo mehrere Yuzu-Forks von GitHub entfernen lassen. Ein Großteil der betroffenen Projekte waren direkte oder indirekte Forks von Yuzu. Technisch bedeutet das, dass sie auf dem zuletzt veröffentlichten Stand des Yuzu-Repositories aufsetzten, inklusive zentraler Emulator-Komponenten wie Kernel-Emulation, GPU-Backend, Dateisystem-Handling und Implementierungen zur Verarbeitung verschlüsselter Switch-Inhalte. Zwar wurden einzelne Module weiterentwickelt oder ersetzt, die grundlegende Architektur und Teile der Codebasis blieben jedoch identisch oder eng verwandt.
Aus juristischer Sicht argumentierte Nintendo daher, dass diese Forks funktional auf derselben technischen Grundlage beruhen wie Yuzu und damit denselben Vorwurf der Umgehung technischer Schutzmaßnahmen erfüllen könnten und somit unter §1201 des DMCA fallen würden. Diese Vorschrift verbietet nicht nur die eigentliche Umgehung von Schutzmaßnahmen, sondern auch die Verbreitung von Technologien, die primär dazu bestimmt sind, solche Schutzmechanismen zu umgehen. Entscheidend ist dabei nicht, ob urheberrechtlich geschützte Inhalte direkt mitgeliefert werden, sondern ob die Software funktional darauf ausgelegt ist, kryptografische Sicherungen zu überwinden. Hier setzt Nintendos Argumentation an.
Nintendos juristische Argumentation: Umgehung technischer Schutzmaßnahmen
Aktuell beruft sich Nintendo erneut auf den Digital Millennium Copyright Act (DMCA), insbesondere Section 1201. Switch-Spiele sind durch kryptografische Schlüssel und zusätzliche Sicherungsebenen geschützt. Emulatoren selbst enthalten in der Regel weder Spiele-ROMs noch die für die Entschlüsselung notwendigen kryptografischen Schlüsseldateien wie die „prod.keys“. Um verschlüsselte Switch-Spiele auf einem PC oder einem anderen Gerät starten zu können, müssen Nutzer diese Schlüssel sowie Teile der Firmware aus einer eigenen, entsprechend modifizierten Konsole auslesen und in den Emulator einbinden. Während eine modifizierte Switch das Abspielen auf der Originalhardware ermöglicht, schafft der Emulator erst die technische Grundlage, die Spiele außerhalb des Nintendo-Ökosystems auszuführen.
Nintendo knüpft hier an und vertritt die Auffassung, dass schon die bloße technische Eignung zur Umgehung von Schutzmaßnahmen einen Verstoß gegen Anti-Umgehungsbestimmungen darstellen könne.
Interessant ist dabei eine Aussage von Nintendos Patent-Anwalt Koji Nishiura auf der Tokyo eSports Festa 2025. Dort erklärte er, Emulatoren seien „an sich nicht unmittelbar illegal“. Problematisch werde es, wenn Kopierschutzmechanismen deaktiviert oder Urheberrechte verletzt würden.
Fraglich bleibt also weiterhin, ob schon die theoretische Umgehungsmöglichkeit genügt oder erst eine konkrete Rechtsverletzung den Ausschlag gibt.
GitHub als strategisches Ziel
Dass Nintendo DMCA gegen Switch-Emulatoren gezielt auf GitHub konzentriert, ist strategisch nachvollziehbar. GitHub ist die wichtigste Plattform für Open-Source-Projekte weltweit. Hier laufen Entwicklung, Versionskontrolle und Community-Arbeit zusammen.
Wer Projekte auf GitHub als zentrale Plattform abschneidet, erschwert nicht nur die Sichtbarkeit neuer Releases, sondern auch die Zusammenarbeit der Entwickler untereinander sowie den einfachen und vertrauenswürdigen Download für Nutzer. Wie es scheint, waren jedoch einzelne Entwickler bereits auf ein solches Szenario vorbereitet. Aktive Emulatoren wie Citron oder Eden sollen ihre Repositories bereits gespiegelt und auf private Server oder alternative Plattformen ausgelagert haben. Selbst wenn die GitHub-Seiten verschwinden sollten, dürfte die Entwicklung daher nicht abrupt enden.
Ausweichbewegung mit Schattenseiten
Mit dem Verschwinden offizieller GitHub-Seiten geht zugleich ein problematisches Vakuum einher. GitHub bot bisher ein hohes Maß an Transparenz, da der Quellcode öffentlich einsehbar war, Änderungen über Commit-Historien nachvollzogen werden konnten und Issue-Tracker sowie die Community selbst zur Qualitätskontrolle beitrugen.
Wandern Projekte nun auf weniger sichtbare Plattformen oder in halbprivate Strukturen ab, steigt auch für Endnutzer das Risiko. Erfahrungsgemäß tauchen in solchen Phasen rasch gefälschte Installer auf, die mit Malware, Trojanern oder Crypto-Minern versehen sind. Nintendo verfolgt zwar das Ziel, Piraterie einzudämmen, eine Verdrängung aus etablierten Plattformen könnte die Szene allerdings in intransparentere und schwerer kontrollierbare Bereiche abdrängen.
Zwischen Game Preservation und Piraterie-Vorwurf
Der Konflikt ist dabei keineswegs neu. Kritiker sehen in Nintendos hartem Kurs eine Gefahr für die langfristige Archivierung digitaler Spiele. Ihrer Ansicht nach sind Emulatoren häufig der einzige Weg, ältere Software weiterhin spielbar zu halten. Insbesondere dann, wenn die ursprüngliche Hardware nicht mehr produziert oder offiziell unterstützt wird.
Nintendo hingegen argumentiert, Emulatoren würden Piraterie in kolossalem Ausmaß ermöglichen und sowohl dem Unternehmen selbst als auch Drittentwicklern erheblichen wirtschaftlichen Schaden zufügen. Als Beleg werden immer wieder Fälle angeführt, in denen Switch-Titel bereits vor ihrem offiziellen Verkaufsstart illegal im Umlauf waren. Zwischen diesen Positionen bewegt sich die Debatte bis heute ohne eine eindeutige juristische Leitentscheidung. Was bleibt, ist ein anhaltender Grundsatzkonflikt zwischen Konzernmacht, Urheberrecht und einer technisch versierten Open-Source-Szene, deren Projekte sich nicht so leicht abschalten lassen.
Mit der Aktion Nintendo DMCA gegen Switch-Emulatoren ist die Bühne für den nächsten Auftritt bereitet, der letzte Akt hingegen wird sicher noch lange auf sich warten lassen.


















