VPN Sperren
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Bildquelle: ChatGPT

Gericht in Spanien ordnet VPN-Sperren gegen Piraterie-Infrastruktur an

Spanisches Gericht ordnet VPN-Sperren wegen Piraterie an. Betroffen sind NordVPN und Proton VPN, mit dynamischen IP-Listen und Overblocking.

Der Streit um Piraterie Online-verlagert sich in Spanien von den Internet-Providern auf die VPN-Anbieter. Wie Reuters berichtet, hat ein Handelsgericht in Córdoba Eilanordnungen erlassen, die LaLiga durchsetzen will. Betroffen sind auch die Anbieter NordVPN und Proton VPN. Beide sollen den spanischen Kunden den Zugriff auf eine Infrastruktur blockieren, denen man 16 mutmaßliche Piraterie-Seiten zuordnet. Die Internetprovider hatten diese bereits in ihre Sperrlisten aufgenommen, jetzt sind offenbar die VPN-Sperren an der Reihe.

VPN-Sperren: Liste wächst ständig weiter

Der nationale Fußballverband LaLiga nennt dieses Verfahren „dynamisch erweiterte Sperren”. Damit ist keine feste Blockade-Liste gemeint, sondern eine Sperre, die man einfach im Livebetrieb stetig nach Belieben erweitern kann. Es können somit jederzeit IP-Adressen in unbekanntem Ausmaß dazukommen.

Das Ganze läuft direkt im Eilverfahren, ohne Prüfung und ohne dass die Möglichkeit besteht, die Gegenseite vorher ordnungsgemäß anzuhören. Der Beschluss kommt zuerst, ein möglicher Rechtsstreit erst danach. Laut LaLiga gibt es keine Möglichkeit, Rechtsmittel gegen die Anordnungen einzulegen, während LaLiga und der TV-Partner die angeblich entdeckten illegalen Streams technisch dokumentieren sollen.

Aus der Privatsphäre wird eine Sperrpflicht

VPNs werden hier nicht als neutrale Datenströme behandelt, sondern als technischer Vermittler, der bei Sperren mitziehen soll. Damit landet ein wichtiges Hilfsmittel, das viele aus Datenschutzgründen nutzen – natürlich auch, um ihr eigenes Routing zu verbessern –, in derselben verqueren Logik wie die klassische DNS-Provider-Sperre. IP-Sperren festzulegen, ist immer wie mit Kanonen auf Spatzen zu schießen: Es werden immer Unschuldige getroffen, egal wie gut die Begründungen für die VPN-Sperren auch sein mögen.

Spanien als Test für eine EU-weite Umsetzung?

Spanien ist ein gutes Testgebiet, um zu schauen, ob und wie sich so etwas rechtlich schnell und gut realisieren lässt. Der Anbieter Vercel beschreibt das Problem sehr gut. Gesperrt wird nicht eine Domain, sondern eine IP-Adresse oder am liebsten gleich ganze IP-Ranges, wenn es nach den Vorstellungen von LaLiga gehen würde. Dann sind legale Dienste, die sich die IP mit dem illegalen Stream eines Fußballspiels teilen, einfach auch nicht mehr erreichbar. Genau an dem Punkt steht auch der aktuelle Streit mit Cloudflare. CDNs bündeln viele Dienste auf wenigen Adressen. Wer dort einfach sperrt, sperrt unzählige legitime Nutzer auf einmal mit.

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Proton VPN war nicht eingeweiht

TechRadar schreibt, Proton VPN sei über das Verfahren nicht ordnungsgemäß informiert worden. Proton wirkt nicht wie ein eingeweihter Gegner. Der Beschluss liegt trotzdem vor, die Umsetzung soll erfolgen und die Reaktion wäre dann erst im Nachgang möglich. Ob die Sperre über DNS, IP-Filter oder Routing passiert, ist lediglich die technische Seite der VPN-Sperren. Mit diesem Vorgehen landen VPNs innerhalb der EU endgültig auf der Liste der Anbieter, die man ebenfalls zu Blockaden verpflichten will.

Frankreich war nur der Testlauf

Frankreich hat es vorgemacht. Der Fernsehanbieter Canal+ hat selbst kommuniziert, dass ein Gericht im Jahr 2025 mehrere große VPNs zur Sperrung verpflichtet hat. Zunächst versucht man, die Quelle des Streams anzugreifen. Danach alles, was den Zugriff darauf ermöglichen oder verhindern könnte. Spanien zieht nach und geht die gleichen Schritte wie Frankreich. Als Argument wird der Fußball genommen, um Infrastrukturen zu sperren, die für viele Menschen unerlässlich sind. Dadurch werden viele Existenzen zerstört, die mit Fußball nichts zu tun haben, aber davon abhängig sind, dass genau diese Infrastruktur reibungslos funktioniert.

VPN-Sperren mit Italien als Vorreiter

Das Land zeigt, wie schnell das zum Standardsystem wird. Mit dem Piracy Shield läuft das Live-Blocking im Takt, was die dortige Behörde AGCOM steuert. Das Verfahren ist juristisch gesehen fragwürdig und läuft ständig, nicht nur wegen eines Urteils oder Fußball-Spiels. Dabei trifft es regelmäßig die Falschen.

Gefährlich ist, wie schnell das zur Normalität werden kann

Heute sind es 16 Ziele. Morgen ist es eine dynamische Liste, die man nach und nach ergänzt, sobald ein neuer Mirror oder Anbieter auftaucht. Wenn das zur Standardmethode in Europa wird, fallen hunderte legale Dienste mit aus. Spanien hat bereits gezeigt, was „gezielt” in der Praxis bedeutet. Nämlich, dass viele Unbeteiligte offline gehen. Wenn VPN-Sperren zur Zensur eingesetzt werden, nur um die Geldgier einiger weniger Firmen zu befriedigen, gibt es für uns Nutzer am Ende kaum noch Möglichkeiten dem zu entkommen.