Ein Untersuchungsgericht in Madrid hat Matthew Prince, den CEO von Cloudflare, aufgefordert, morgen persönlich vor Gericht zu erscheinen.
Das Untersuchungsgericht Nr. 50 in Madrid hat eine gemeinsame Klage von LaLiga und Movistar Plus+ zugelassen, in der das US-Technologieunternehmen wegen Verstößen gegen das Urheberrecht belangt werden soll. Die Kläger argumentieren, dass Cloudflare mehr als 100 formelle Aufforderungen ignoriert habe, Websites zu sperren, die unter Verwendung seiner Infrastruktur Livestreams von nicht autorisierten Fußballspielen streamen. Die gegnerische Partei will Matthew Prince deswegen vor Gericht befragen.
859 Millionen Euro Schaden?
Den mutmaßlichen wirtschaftlichen Schaden durch die unterlassenen Sperren beziffern die Kläger auf 859 Millionen Euro. Der Klage zufolge leitet das Content Delivery Network (CDN) einen erheblichen Teil der in Spanien aufgerufenen illegalen Streams über ihre Infrastruktur. Die Kläger behaupten, dass bis zu 38 % der im Inland konsumierten illegalen Inhalte auf dessen Dienste zurückgreifen. Zwar gibt das Unternehmen bei behördlichen Anfragen alles über ihre Kunden preis, was sie an Daten besitzen. Im Gegenzug können sie sich darauf verlassen, dass Cloudflare den Standort ihrer Server dafür verbirgt.
Matthew Prince in Madrid vorgeladen
Der Fall folgt auf verschärfte Maßnahmen zur Bekämpfung der Online-Piraterie. Im Dezember 2024 genehmigte ein Gericht in Barcelona dynamische Sperrverfügungen. Diese ermöglichen es Rechteinhabern und Internetdienstanbietern, rechtswidrige Domains in Echtzeit zu sperren. Das Ganze erinnert stark an das Piracy Shield im Nachbarland Italien. Da man gegen die anonymen Betreiber nur schwerlich etwas unternehmen kann, will man ihre Portale in Echtzeit sperren. Das gilt umso mehr, wenn gerade live das Spiel einer bekannten Fußballmannschaft etc. übertragen wird.
Das Shared-Hosting-Modell von Cloudflare hat die Durchsetzung jedoch erschwert. Das Unternehmen argumentiert, die Sperrung der Piraten-Seiten hätten den Zugang zu allen legalen Unternehmen, die die gleichen IP-Adressen benutzen, beeinträchtigen.
Rechtsdurchsetzung vs. Geschäftsmodell?
Die Klage enthält auch Vorwürfe wegen Drohungen und Behinderung der Justiz. Der Streit verdeutlicht die wachsenden Spannungen zwischen großen Technologieplattformen, die sich für Netzneutralität einsetzen. Auf der anderen Seite stehen die Sportverbände und Pay-TV oder Fernsehunternehmen, die von Matthew Prince & Co. zum Schutz ihres Geschäftsmodells strengere Durchsetzungsmaßnahmen fordern.


















