Das Pariser Justizgericht geht lückenlos mit Sperranordnungen gegen die grassierende Sport-Piraterie vor. Diesmal ohne LaLiga als Kläger.
Das Pariser Justizgericht hat kürzlich in einer Reihe paralleler Entscheidungen ein regelrechtes Maßnahmenpaket gegen die europäische Sport-Piraterie angeordnet. Betroffen sind nicht nur klassische Internetprovider, sondern erstmals gleichzeitig auch DNS-Resolver, CDN-Dienste und mehrere große VPN-Anbieter. Man will den Sportfans offenkundig nach Möglichkeit jede Option nehmen, weiterhin irgendwelche illegalen Online-Angebote zu nutzen.
Blockade der Sport-Piraterie auf allen Ebenen der Infrastruktur
Insgesamt müssen die Anbieter 35 bekannte Streaming-Domains sperren, darunter Schwergewichte wie librefutboltv.su mit einem Millionenpublikum sowie bekannte Plattformen wie Daddylive, Rojadirecta und yallashooot. Über das Urteil berichtete kürzlich der P2P-Blog TorrentFreak.
Die Besonderheit: Die Anordnungen richten sich gegen die gesamte technische Lieferkette. Neben 19 französischen ISPs (u. a. Orange, SFR, Free, Bouygues) sind auch Google, Cloudflare und Quad9 als DNS-Anbieter betroffen. Zudem müssen VPN-Dienste* wie ProtonVPN, CyberGhost und ExpressVPN den Zugriff auf die Piraten-Portale blockieren.
Cloudflare trifft es besonders hart: Das Unternehmen soll Sperren nicht nur im DNS, sondern auch über CDN, Reverse Proxy und den WARP-Dienst umsetzen. Cloudflare WARP ist eine Software, die auf dem WireGuard-Protokoll basiert. Sie leitet den gesamten Internetverkehr eines Geräts über Cloudflares Infrastruktur, um die Privatsphäre, Sicherheit und Performance des Nutzers zu verbessern. Man wird sehen, ob sich der US-Konzern die tiefe Eingriffe bieten lässt oder versuchen wird, dagegen juristisch vorzugehen.
LaLiga durfte nicht klagen – beIN Sports übernahm
Überraschend ist die juristische Ausgangslage: Die spanische Fußballliga LaLiga selbst scheiterte mit ihren Anträgen. Das Gericht stellte klar, dass nach französischem Recht (Art. L. 333-10 Sportgesetz) nur bestimmte Akteure das Recht haben, eine Klage einzureichen. Darunter Rechteinhaber und nationale Ligen mit staatlicher Delegation. Diese Voraussetzung erfüllt LaLiga als ausländische Organisation nicht.
Entscheidend war daher das Eingreifen des französischen Pay-TV-Sportsenders beIN Sports France. Das Unternehmen besitzt die exklusiven Übertragungsrechte der LaLiga-Spiele in Frankreich. Als Lizenznehmer konnte beIN konkrete wirtschaftliche Schäden nachweisen und erhielt deswegen die gewünschten Sperranordnungen.
Dynamische Sperren zunächst bis Sommer 2026
Die Maßnahmen gelten zunächst bis zum 21. Juni 2026 und sind dynamisch ausgestaltet. Neue Domains können nachträglich ergänzt werden, sofern die französische Regulierungsbehörde ARCOM zustimmt. Damit soll verhindert werden, dass Betreiber einfach auf neue Domains ausweichen. Gemeint ist das übliche Katz-und-Maus-Spiel im Piraterie-Ökosystem. Die dynamische Sperr-Anordnung kann auch Klone betreffen. Bei den großen illegalen Portalen gibt es davon im Internet jede Menge.
Juristische und technische Signalwirkung der Sperren
Mehrere betroffene Unternehmen argumentierten, die Maßnahmen stünden im Konflikt mit EU-Recht, insbesondere der E-Commerce-Richtlinie. Das Gericht folgte dieser Argumentation jedoch nicht. Die Entscheidungen markieren einen deutlichen Strategiewechsel: Statt einzelne Zugangspunkte zu blockieren, wendet man sich mit den Anordnungen nun an das gesamte Ökosystem. Für Rechteinhaber bedeutet das eine deutlich effektivere Durchsetzung – für Nutzer hingegen schrumpfen dadurch die Umgehungsmöglichkeiten erheblich.
Fazit
Die Pariser Urteile setzen einen neuen Standard im Kampf gegen Live-Sport-Piraterie. Besonders bemerkenswert ist die gleichzeitige Einbindung von Internet-Anbietern, CDN- und DNS-Diensten sowie VPN-Anbietern in einem einzigen Maßnahmenpaket. Dass dieser Ansatz Schule macht und auch in anderen EU-Staaten Anwendung findet, dürfte wohl nur eine Frage der Zeit sein.
Wer das Urteil umgehen will, muss einen frei konfigurierbaren DNS-Resolver wie Technitium DNS nutzen. Damit kann man beim Surfen recht einfach auf nicht blockierende, kleinere Resolver ausweichen, um die Sperranordnung für sich außer Kraft zu setzen.
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