Durch Cloudflare-IP-Sperren geriet auch Freedom.gov ins Visier der spanischen Anti-Piraterie-Maßnahmen.
Durch Cloudflare-IP-Sperren geriet auch Freedom.gov ins Visier der spanischen Anti-Piraterie-Maßnahmen.
Bildquelle: ChatGPT

LaLiga blockiert Freedom.gov – Spaniens Anti-Piraterie-Offensive trifft US-Regierungsportal

LaLiga blockiert tausende IPs gegen Piraterie in Spanien und trifft dabei Freedom.gov. Die VPN-Nutzung verzeichnet einen deutlichen Anstieg.

LaLiga blockiert Freedom.gov und sorgt damit für eine digitale Blamage. Während spanische Gerichte der Fußballliga weitreichende Befugnisse gegen Streaming-Piraterie einräumen, wird ausgerechnet ein US-Regierungsportal zur Umgehung von Zensurmaßnahmen gesperrt. Der Vorfall erweist sich als Kollateralschaden einer zunehmend entgrenzten IP-Blockade-Strategie.

LaLiga blockiert Freedom.gov – was steckt dahinter?

Am vergangenen Spielwochenende meldeten zahlreiche Nutzer in Spanien, dass Freedom.gov nicht erreichbar ist. Das Portal wird vom US-Außenministerium gemeinsam mit der Cybersecurity and Infrastructure Security Agency (CISA) betrieben und soll Bürgern helfen, Internetzensur zu umgehen.

Dass eben dieses Anti-Zensur-Projekt gesperrt wurde, offenbart die Widersprüchlichkeit der Blockadepraxis. Der Hintergrund ist allerdings ernst. LaLiga hat im Rahmen ihres juristischen Feldzugs gegen illegale Fußball-Streams erneut umfangreiche IP-Blockaden mit massiven Nebenwirkungen veranlasst.

Wie unter anderem TechRadar berichtet, war die Sperrung des US-Portals kein gezielter Akt. Vielmehr war sie die Folge pauschaler Maßnahmen gegen die Infrastruktur von Cloudflare. Die Fußballliga ließ IP-Adressen blockieren, hinter denen sie Piratenstreams vermutete. Da tausende legitime Webseiten diese Cloudflare-IP-Bereiche teilen, setzte sie damit auch Freedom.gov auf die Sperrliste. Auf diese Weise wird Freedom.gov indirekt durch Infrastruktur-Blocking mitgesperrt.

Dynamische Sperranordnungen: Fußballliga mit weitreichenden Eingriffsbefugnissen

Ermöglicht werden diese Sperrmaßnahmen durch sogenannte „dynamische gerichtliche Anordnungen“. Spanische Gerichte haben LaLiga ermächtigt, Internetprovidern während laufender Spiele Listen mit zu blockierenden IP-Adressen zu übermitteln, ohne dass für jede einzelne IP-Adresse ein neuer richterlicher Beschluss erforderlich ist.

Dieses Verfahren soll die Verbreitung illegaler Streams in Echtzeit unterbinden. Tatsächlich führt es jedoch dazu, dass große IP-Blöcke kurzfristig vom Netz genommen werden.

Laut David Peterson, General Manager bei Proton VPN, ordnet LaLiga nahezu jedes Wochenende die Sperrung von rund 3.000 IP-Adressen an. Auf der Plattform X sprach er von „massivem Kollateralschaden“, da viele dieser Adressen gemeinsam genutzt werden.

In der Folge sind nicht nur mutmaßliche Piratenseiten betroffen, sondern auch legitime Dienste, Apps und Behördenportale. Dass LaLiga Freedom.gov blockiert hat, ist das Resultat einer problematischen Regulierungspraxis.

Digitale Kettenreaktion: Im Kampf gegen Fußball-Streams gerät auch legitime Infrastruktur unter Druck.
Digitale Kettenreaktion: Im Kampf gegen Fußball-Streams gerät auch legitime Infrastruktur unter Druck.

Cloudflare im Visier der Liga

Im Zentrum des Konflikts steht Cloudflare. Viele Streaming-Portale nutzen das Content Delivery Network (CDN), um ihre eigentliche Server-Infrastruktur zu verschleiern. LaLiga wirft Cloudflare seit längerem vor, nicht konsequent genug gegen Urheberrechtsverletzungen vorzugehen. Statt einzelner Seiten ließ die Liga nun ganze IP-Adressbereiche blockieren, die mit Cloudflare verbunden sind.

An diesem Punkt zeigt sich das Kernproblem. Cloudflare hostet nicht nur dubiose Streaming-Seiten, sondern auch Behördenportale, Banken, Entwicklerplattformen und Unternehmen. Wer Cloudflare-IP-Ranges sperrt, legt faktisch Teile des Internets lahm.

Dass dabei ein US-Regierungsangebot offline geht, verdeutlicht die Tragweite der Maßnahmen. Wenn eine europäische Sportliga de facto den Zugang zu einem Portal der US-Regierung unterbindet, bekommt das Thema zudem eine geopolitische Note.

VPN-Boom als Reaktion auf Sperrmaßnahmen

Die massiven Sperrmaßnahmen bleiben dabei nicht ohne Folgen. Parallel zu den jüngsten Blockaden verzeichnete Proton VPN laut eigenen Angaben einen Anstieg der kostenlosen Anmeldungen in Spanien um rund 2.500 Prozent. Der zeitliche Zusammenhang liegt nahe. Je mehr IP-Adressen gesperrt werden, desto mehr Nutzer greifen zu VPN-Diensten, um die Beschränkungen zu umgehen.

Ein VPN verschlüsselt den Datenverkehr und weist dem Nutzer über einen Server des Anbieters eine neue IP-Adresse zu. Damit lassen sich ISP-Sperren technisch relativ einfach umgehen. Ironischerweise verstärken die harten Anti-Piraterie-Maßnahmen damit genau jene Werkzeuge, die eine Kontrolle eigentlich erschweren.

Eigentor mit Overblocking-Folgen

Der Fall LaLiga blockiert Freedom.gov zeigt, wie problematisch Infrastruktur-Sperren sind. Werden nicht einzelne URLs oder klar definierte Domains blockiert, sondern ganze IP-Bereiche oder technische Dienstleister, kann es zu Overblocking kommen. Dynamic-DNS-Anbieter, Cloudflare-Kunden oder kleinere Webprojekte können ebenso betroffen sein wie große Plattformen. Kritiker warnen seit Jahren davor, zentrale Netz-Infrastruktur als Instrument der Rechtsdurchsetzung zu nutzen.

Wenn Urheberrechtsdurchsetzung auf Netzwerkebene stattfindet, verschwimmen die Grenzen zwischen legitimer Rechtsdurchsetzung und faktischer Netz-Zensur. Die Anti-Piraterie-Offensive der spanischen Liga entwickelt sich damit zu einem Experiment mit unklaren Nebenwirkungen für Netzneutralität und digitale Grundrechte.

LaLiga wollte Streaming-Piraterie bekämpfen. Herausgekommen ist eine Debatte über Infrastruktur-Zensur, die Einflussnahme privater Akteure auf Internetzugänge sowie ein massiver Schub für VPN-Anbieter. Manchmal schießt man im Kampf gegen Piraterie nicht ins gegnerische Tor, sondern ins eigene.

Über

Antonia ist bereits seit Januar 2016 Autorin bei der Tarnkappe. Eingestiegen ist sie zunächst mit Buch-Rezensionen. Inzwischen schreibt sie bevorzugt über juristische Themen, wie P2P-Fälle, sie greift aber auch andere Netzthemen, wie Cybercrime, auf. Ihre Interessen beziehen sich hauptsächlich auf Literatur.