Anwälte der englischen Fußball-Liga Premier League wollen die Identität der Betreiber von 21 verschiedenen Live-Streaming-Seiten enttarnen.
Die englische Premier League hat eine DMCA-Vorladung gegen Cloudflare erwirkt, um dem scheinbar ungebremsten Wachstum von Live-Sport-Streaming-Diensten Einhalt zu gebieten. In der beim Central District of California eingereichten Klage werden Dutzende rechtswidrige Domains genannt und Cloudflare aufgefordert, identifizierende Daten wie Kontoverläufe und physische Adressen herauszugeben. Der Hintergrund der Aktion ist offensichtlich. Als Englands höchste Fußball-Liga zieht die Premier League Hunderte Millionen Zuschauer aus aller Welt an.
DMCA-Vorladungen als beliebtes Mittel
Abgesehen von den sportlichen Interessen hat die Premier League auch ein großes Interesse am Verkauf von Übertragungsrechten. Diese Rechte generieren jährlich Einnahmen in Milliardenhöhe – eine unglaubliche Summe, die von keiner anderen Fußballliga erreicht wird. Doch andere Ligen sind nicht die größte Bedrohung für diese Übertragungserlöse. Stattdessen hat sich die Online-Piraterie zum größten Feind der Ersten Liga Englands entwickelt, da viele Fußballfans auf billigere Piraten-Streamingdienste zurückgreifen, um „das Spiel des Volkes” zu sehen. Da DMCA-Vorladungen einfach und preiswert sind, haben sie sich im Kampf gegen den digitalen Graubereich durchgesetzt.
Premier League aktiv bei der Bekämpfung der illegalen Konkurrenz
In den letzten Jahren hat die Premier League mehrere rechtliche Schritte unternommen, um das Problem der Piraterie anzugehen. Neben der Erlangung von Sperrverfügungen in mehreren Ländern war die Organisation die treibende Kraft mehrerer Gerichtsverfahren. Einige Urteile führten am Ende zu Freiheitsstrafen.
Cloudflare und die Piraterie – eine Liebesgeschichte
Während Englands höchster Fußballverband in der Regel das Gesetz auf seiner Seite hat, ist es für sie schwierig, ihre „Gegner” zu identifizieren. Die Betreiber von Live-Streaming-Seiten, -Apps und sonstigen -Diensten sind sich in der Regel der rechtlichen Risiken bewusst. Sie tun ihr Bestes und holen sich Hilfe, um anonym zu bleiben. Als Teil dieser Strategie nutzen sie Dienste, die von Cloudflare bereitgestellt werden, um ihren Serverstandort zu verschleiern. Rechteinhaber wie die Premier League können diese Barriere durch formelle Beschwerden überwinden, woraufhin Cloudflare die Hosting-Dienste identifiziert. Um zusätzliche Informationen zu erhalten, müssen die Rechteinhaber jedoch vor Gericht gehen.
Anfang dieses Monats unternahmen die Anwälte der Liga diesen nächsten Schritt. Sie beantragten bei einem kalifornischen Bundesgericht die Ausstellung einer DMCA-Vorladung. Der Antrag betrifft mehr als 20 unterschiedliche Live-Streaming-Portale, die alle Kunden von Cloudflare sind. Die Premier League hofft, über das Gericht die Personen identifizieren zu können, die mit diesen Domains in Verbindung stehen.
Premier League forderte im Vorfeld Maßnahmen
Bevor sie vor Gericht gingen, schickte die amerikanische Anwaltskanzlei der Premier League, Hagan Noll & Boyle, eine formelle Mitteilung an Cloudflare. Sie haben als Klienten neben bekannten Herstellern wie Sony Television, Kudelski und Nagra den Antipiraterie-Verband IBCAP. Dazu gesellen sich Sender wie die englische BBC oder der Satelliten-TV-Anbieter DISH.
Rechtsanwalt Timothy M. Frank forderte von Cloudflare im Schreiben die Entfernung oder Sperrung der betreffenden Portale, um fortgesetzte Rechtsverletzungen ihrer Werke zu verhindern. Zusätzlich zu den öffentlich zugänglichen Adressen der Websites wies man auch auf verschiedene „Backend-Links“ hin, die die illegalen Fußball-Streams tatsächlich ausstrahlen. Die rechtlichen Unterlagen zeigen nicht autorisierte Übertragungen verschiedener Spiele, darunter Brentford gegen Leeds United, Crystal Palace gegen Manchester City und Nottingham Forest gegen Tottenham Hotspur.
Erwähnt werden von der Premier League auch die ganzen Weiterleitungen, bevor die Zuschauer endgültig dort landen, wo die Live-Streams sichtbar sind. Einige Vertreter nutzen zudem eigene CDN-Links und m3u8-Widergabelisten, um die Live-Inhalte bereitzustellen. Diese sind häufig durch Token und Sitzungs-IDs vor der Nutzung unbefugter Seiten geschützt.
Muss Cloudflare die Betreiber identifizieren?
An der Weitergabe der Daten besteht kein Zweifel. Die Frage wird aber sein, ob ihnen die übermittelten Namen, Anschriften, IP-Adressen, Telefonnummern, E-Mail-Adressen, Zahlungsinformationen, Kontoaktualisierungen und Kontoverläufe etwas bringen werden. Auch in dem Punkt schützen sich die Piraten. Doch etwas unternehmen muss man, will man aktiv gegen die 21 Portale vorgehen. Nach Angaben der Kollegen von TorrentFreak, die die Vorladungen der Premier League verlinkt haben, betreffen sie folgende Domains:
– 247sport.org
– 4k-yalla-shoot.info (leitet weiter zu yallashootspro.com und 3arabsports.net)
– antenasport.org
– bingsport.site
– deporte-libre.click
– dooball345.com (leitet weiter zu dooball345s.com und dooball345x.com)
– goaldaddyth.com
– hesgoal.watch
– librefutboltv.su (Premier League)
– livesports088.com (leitet weiter zu keelalive52.com)
– ovogoaal.com
– pelotalibrevivo.net (leitet weiter zu pirlotvenvivo.club)
– rbtvplus17.help (leitet weiter zu fctv33.work und nplb6earneyhtycourage.sbs)
– ronaldo7.me (leitet weiter zu streameasthd.com)
– t4tv.click
– vachvoi.link
– wearechecking.online (Weiterleitung zu wac.rip)
– yallalshoot.com
– yalla4shoot.com
– yallla-shoot.com (Weiterleitung zu yallashoot-4k.com, yallashootlivehd.com, wuyh.online )
und last, but not least sportshd.app.
Man wird sehen, wie viele der Domains noch in ein paar Wochen genutzt werden, sobald die Premier League ihre Informationen erhalten und rechtliche Schritte eingeleitet hat.
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