La Liga gegen Cloudflare
La Liga gegen Cloudflare
Bildquelle: Sora ChatGPT

La Liga gegen Cloudflare: Kampf gegen Piraterie oder digitale Zensur?

Der Fußballverband La Liga gegen Cloudflare. Wenn in Spanien der Ball rollt, läuft im Hintergrund der Kampf um die Kontrolle des Internets.

Die spanische Fußballliga La Liga liefert sich seit Monaten eine harte Auseinandersetzung mit dem US-Unternehmen Cloudflare. Der Vorwurf: Der Dienstleister schütze und ermögliche in großem Stil die illegale Verbreitung von Live-Fußballübertragungen. Cloudflare wiederum spricht von rechtswidrigen Massen­sperren und digitaler Zensur, die der einflussreiche Verband fordert.

50 Analysten gegen Online-Piraterie

An jedem Spieltag setzt La Liga nach eigenen Angaben rund 50 speziell geschulte Analysten ein. Davon berichtet abcnews auf ihrer Webseite. Sie durchforsten Webseiten, soziale Netzwerke, IPTV-Angebote und Streaming-Portale nach illegalen Übertragungen der obersten spanischen Fußball-Vereine. Wenn sie etwas Verdächtiges finden, melden sie die Inhalte und verlangen die Abschaltung der Webseiten. Die Forderungen gelten auch für Infrastruktur-Anbieter wie Cloudflare. Das Unternehmen betreibt eines der weltweit größten Content-Delivery-Netzwerke (CDN) im Kampf gegen DDoS. Man wickelt Schätzungen zufolge rund 20 % des globalen Internetverkehrs ab. Genau an dem Punkt sieht der Verband La Liga den Kern des Problems.

La Liga gegen Cloudflare: Der Konzern profitiert von der Piraterie

Liga-Präsident Javier Tebas erhebt schwere Vorwürfe. Cloudflare wisse genau, dass ein erheblicher Teil der Live-Sportpiraterie über ihre eigene Infrastruktur läuft. Man unternehme aber zu wenig gegen die Piraten. In Spanien würden trotz tausender Hinweise und gerichtlicher Anordnungen weiterhin über 35 % der illegalen La-Liga-Streams über Cloudflare ausgeliefert. Für die Rechteinhaber besteht zudem das Problem, dass Cloudflare den Standort der Server kaschiert. Somit kann man die Streaming-Hoster nicht direkt ansprechen.

Für den spanischen Fußball-Verband steht viel Geld auf dem Spiel. Die nationalen TV-Rechte hat man kürzlich für mehr als sechs Milliarden Euro bis zur Saison 2031/32 verkauft. Online-Piraterie gefährde dieses Geschäftsmodell massiv, bemängelt man die Situation. Tebas spricht von Cloudflare als ein Unternehmen, das seine wirtschaftlichen Interessen über Recht, Fairness und die Zukunft des Profifußballs stelle. Der US-Konzern missbrauche dabei die eigenen Kunden als „digitalen Schutzschild“ zum Schutz organisierter Piraterie-Netzwerke.

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Cloudflare: Overblocking und Einschüchterung

Cloudflare weist die Vorwürfe (wenig überraschend) entschieden zurück. Das Unternehmen bezeichnet sich selbst als Verfechter eines freien und offenen Internets und wirft La Liga vor, mit unverhältnismäßigen Sperrmaßnahmen zu arbeiten. Laut Cloudflare müsse man während der Spiele den Zugang zu zehntausenden vollkommen legalen Webseiten in Spanien unterbrechen. Das ist der Fall, weil sie technisch über dieselbe Infrastruktur laufen wie die mutmaßlich illegalen Streams. Der Dienstleister bezeichnet dies als klassisches Overblocking. Aus Sicht von Cloudflare versucht La Liga, sich faktisch die Kontrolle darüber zu verschaffen, was spanische Nutzer während der Spiele im Internet sehen dürfen. Und natürlich auch, was nicht. Das Unternehmen spricht offen von gezielter Einschüchterung, unbelegten Vorwürfen und der gefährlichen Aushöhlung digitaler Grundrechte.

Cloudflare ruft seine spanischen Nutzer sogar dazu auf, unrechtmäßige Sperren zu dokumentieren und ihre Abgeordneten darüber zu informieren, um politischen Druck aufzubauen. Ob das gelingen wird?

Kooperation ja – aber nicht mit Cloudflare?

Der Fußballverband betont, dass andere große Plattformen wie Google, Amazon oder YouTube durchaus kooperieren würden. Cloudflare hingegen habe entsprechende Gespräche abgelehnt. Cloudflare sieht das anders und erklärt, man arbeite regelmäßig mit Rechteinhabern zusammen – nur eben nicht unter Zwang und ohne die Anwendung pauschaler Netzsperren.

Der Streit ist längst vor Gericht gelandet. Zwar konnte La Liga in Spanien bereits richterliche Erfolge erzielen, doch international stößt der Verband an Grenzen. Cloudflare geht gegen gerichtliche Anordnungen vor und will gerichtlich klären lassen, ob die Sperrmaßnahmen überhaupt rechtmäßig sind.

Cloudflare vs. LaLiga (Symbolbild).

Internationaler Konflikt mit politischen Folgen

Ähnliche Auseinandersetzungen gibt es auch in Italien, Frankreich, Deutschland und Japan. Während die italienische Liga offen gegen Cloudflare vorgeht, spricht die Deutsche Fußball Liga (DFL) von einem „regelmäßigen und intensiven Austausch“.

Brisant wird der Fall auf politischer Ebene. Cloudflare hat unlängst den US-Handelsbeauftragten (USTR) eingeschaltet und warnt vor digitalen Handelshemmnissen. Maßnahmen europäischer Staaten würden US-Technologieunternehmen benachteiligen und gegen internationale Handelsnormen verstoßen. Auch La Liga hat sich an die EU-Kommission und den USTR gewandt. Sie taten dies mit dem Vorwurf, Cloudflare sei weltweit der wichtigste Ermöglicher illegaler Sportübertragungen. Dass der Dienst zahlreiche Piraten als Kunden hat, darüber muss man wohl nicht diskutieren. Ein Blick auf unsere Listen reicht schon aus als Bestätigung.

Fazit: Pirateriebekämpfung auf Kosten der Netzfreiheit?

Der Konflikt zwischen La Liga und Cloudflare steht exemplarisch für ein Grundproblem der Pirateriebekämpfung: Wo endet die legitime Durchsetzung der Urheberrechte und wo beginnt digitale Zensur? Wessen Interessen sollten bevorzugt werden?

Massenhafte IP- und DNS-Sperren treffen regelmäßig auch unbeteiligte Dienste, Projekte und Nutzer. Der Kollateralschaden ist bekannt, wird aber von Rechteinhabern oft billigend in Kauf genommen. Der aktuelle Streit zeigt einmal mehr, wie schnell der Ruf nach Pirateriebekämpfung zur Gefahr für ein offenes und unreguliertes Internet werden kann. Ob Gerichte und Gesetzgeber künftig an diesem Punkt klare Grenzen ziehen, bleibt abzuwarten.

Lars Sobiraj

Über

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Früher brachte Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmerinnen und Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert. In seiner Freizeit geht er am liebsten mit seinem Hund spazieren.