Polymarket ist eine krypto-basierte Vorhersagemarkt-Plattform. Dort konnte man auch auf die Verhaftung Maduros oder eine US-Invasion tippen.
Beim Polymarket können die Nutzer mit einer Kryptowährung auf das Eintreten bestimmter künftiger Ereignisse wetten. Meist läuft das mittels USDC auf Basis der Polygon-Blockchain. Das können beispielsweise politische Entscheidungen, wirtschaftliche Ereignisse oder militärische Aktionen sein. Die Nutzer kaufen dementsprechend „Ja“- oder „Nein“-Anteile, die den Marktpreis als implizite Wahrscheinlichkeit widerspiegeln sollen. Doch so schön das alles klingt, so selten geht die Geschichte für die Nutzer gut aus.
Wenn neue Accounts bei Polymarket abräumen: Zufall oder Insiderwissen?
Prognosemärkte sehen aus wie Krypto-Spielgeld mit Politikbezug. In der Praxis sind sie jedoch ein sehr gutes Instrument, um das Timing der Ereignisse zu ermitteln. Sie sind weniger ein wirkliches Politikbarometer. Die tatsächliche Wahrscheinlichkeit hat selten etwas damit gemeinsam. Wenn ein neuer Account auf einmal sehr früh komplett richtig liegt, ist das kein „der Markt regelt es“-Moment. Im Gegenteil, das stinkt nach Insiderwissen.
Ende Dezember tauchte ein neuer Account auf und begann sehr klein. Erst 96 Dollar als winziger Testballon, um zu sehen, ob es überhaupt so funktioniert, wie man es sich vorstellt. Danach wird mit immer mehr Kapital nachgekauft, je näher der Tag der Auflösung der Wette rückt. Am Ende steht eine Position im mittleren fünfstelligen Bereich, die schlagartig im Wert hochschießt, als die Meldung über Maduros Verhaftung öffentlich wird. Je nach Zeitpunkt der Positionsabrechnung liegt der Gewinn irgendwo zwischen 410.000 und 436.000 Dollar.
Die Käufe kamen in Wellen bis kurz vor Schluss. Das ist jedoch kein Beweis. Es ist jedoch genau das strategische Nachschießen, das man bei Insidertrades nicht zum ersten Mal sieht. Man füttert die Position bis zur letzten Sekunde mit Geld, um den maximalen Profit herausholen zu können. Von „nur“ Glück kann dabei keine Rede mehr sein.
Ein Konto, ein Datum – und alles steht im Kalender
Der Kernmarkt ist „Maduro muss bis zum 31. Januar weg“. Und dabei handelt es sich nicht nur um ein Bauchgefühl, sondern um echtes Volumen. Polymarket zeigt für das Gesamtpaket rund 56,6 Millionen Dollar. Der Januar-31-Ausgang allein liegt bei knapp 11 Millionen.
Das Ding ist außerdem nicht „offen“. Es ist finalisiert. „Outcome proposed: Yes“, dann „No dispute“, dann „Final outcome: Yes“. Im Regeltext steht auch, warum das in der Sache so glatt abläuft. „Removed from power” zählt dort ausdrücklich auch dann, wenn jemand verhaftet wird.
Nicht das Ereignis entscheidet, sondern die Auslegung von Polymarket
Bei Polymarket wird nicht die Realität gehandelt. Gegenstand der Wetten ist eine ganz bestimmte Formulierung. Das ist im Regeltext des „Invade Venezuela“-Markts festgelegt. „Yes” gibt es nur, wenn die USA eine Militäroffensive beginnen, die darauf abzielt, die Kontrolle über einen Teil Venezuelas zu erlangen. Keine Kontrolle, kein „Yes“. Egal, wie spektakulär der Einsatz war.
Und genau hier entstehen die Probleme der speziellen Art. Polymarket zahlt nicht. Nicht, weil nichts passiert wäre, sondern weil das Ereignis angeblich nicht den Regeln bzw. der Formulierung der Wette entspricht. Der Vorwurf ist simpel: Man verdreht die Worte so lange, bis am Ende jeder Treffer ein „Nein“ wird. Das ist der Moment, in dem Prognosemärkte aufhören, nur Märkte zu sein. Die Betreiber werden zu ihren eigenen Schiedsrichtern, die naturgemäß häufig zu ihrem eigenen Vorteil urteilen.
Dabei geht es nicht um ein paar Peanuts. Für den Stichtag 31. Januar steht der aktuelle Ausgang bei rund 4 Prozent, aber auf diesem einen Ergebnis liegen 6,7 Millionen Dollar Volumen. Und die Plattform bleibt bei der Auslegung des Regeltextes stur. Ohne „establish control” kein Treffer. Wohlgemerkt militärisch, denn politisch kann man das in der aktuellen Situation vor Ort sehr wohl sagen.
Der Nachbarmarkt „Maduro in U.S. custody by January 31” zeigt, wie klinisch und steril es wird, sobald solche Summen im Spiel sind. Die Bedingungen sind so präzise, dass die Frage „Wer hält ihn fest?” bereits im Regeltext enthalten ist. Und ja, der Markt war zwischendurch auch umstritten. Man hat die Online-Wette nach ausführlicher abschließender Prüfung am Ende trotzdem mit „Yes“ beendet.
Die Versuchung heißt nicht Krypto, es sind präzise Vorhersagen
Bei Aktien heißt das sofort: Insiderwissen. In der Politik ist es eine typische Grauzone, weil die Online-Plattform ihre eigenen Regeln hat und der Staat seine eigenen. Und beides passt selten gut zusammen. Der Anreiz bleibt trotzdem bestehen. Wer früher Bescheid weiß, gewinnt das Ding. Wer näher an der Quelle sitzt und bessere Informationen hat, kann noch mehr gewinnen.
Dass in Washington jetzt direkt über Verbote geredet wird, ist keine Frage der Moral. Es ist der Versuch der Schadensbegrenzung und Gesichtswahrung. Ritchie Torres will Vorhersage-Märkte für Regierungsangestellte verbieten, da jede auffällige Wette sofort wie ein Handel mit Insiderinformationen aussieht.
Die Regulierung von Polymarket ist kein neues Problem
Regulatorisch ist das alles nicht wirklich neu. Die US-amerikanische Regulierungsbehörde CFTC hatte Polymarket bereits 2022 per Order geschlossen. Das Unternehmen wurde zu einer Strafe von 1,4 Millionen Dollar verurteilt und dazu verpflichtet, unzulässige Märkte abzuwickeln und das Angebot in dieser Form einzustellen.
Spannend ist die Rückkehr von Polymarket als Online-Plattform, insbesondere in den USA. Im Juli 2025 hat Polymarket den QCEX-Deal öffentlich gemacht. Später berichtete Reuters vom grünen Licht durch die CFTC im September 2025, damit Polymarket in den USA wieder legal starten konnte.
Während auf der Plattform noch gestritten wird, laufen daneben schon Normalisierung und Anerkennung. Polymarket wird gerade auf allen Ebenen salonfähig. Der Dow Jones integriert Polymarket-Daten in Echtzeit in Produkte von WSJ, Barron’s und MarketWatch. Die Prediction-Quoten dienen dabei als Datenmodul und potenzieller Kursindikator für Aktien und andere handelbare Werte.
Polymarket selbst ist längst schon beim nächsten Thema. Nach Venezuela stehen neue Märkte zu möglichen US-Schlägen gegen Kuba und Kolumbien als Wettoption zur Auswahl. Die Quoten sind niedrig, das Prinzip bleibt identisch. Es wird nicht weniger zynisch, aber es ist eben Business as usual.
Der Punkt ist nicht der Gewinn
Es geht nicht darum, dass jemand einen sechsstelligen Betrag als Profit einstreichen konnte. Der Punkt ist, wie wenig dafür nötig war. Man brauche dafür nur ein neues Konto, ein Datum, ein paar gezielte Käufe. Und eine Plattform, die nicht nur auszahlt, sondern auch festlegt, was überhaupt zählt. Je präziser man die Regeln aufstellt wenn man so eine Wette startet, umso eher und einfacher kann man groß abkassieren. Was heutzutage noch relativ unpräzise und mit kleinen Summen geschieht, wird sich nach dem aktuellen Eklat sicherlich demnächst ändern.
In eigener Sache
Solange die Angelegenheit noch nicht geklärt war, haben wir vorsichtshalber auf eine Berichterstattung verzichtet. Die Angelegenheit war schlichtweg noch zu spekulativ. Jetzt da die Sachlage klar ist, ist auch endlich eine finale Einschätzung rund um die Wette im Besonderen und Polymarket im Allgemeinen möglich.






















