Discord
Discord
Bildquelle: leeuphold @Sora

Discord schränkt alle Accounts ein, bis Altersnachweis erfolgt ist

Wer bis März diesen Jahres bei Discord keinen Ausweis- oder Gesichtsscan vorlegt, muss mit teils herben Einschnitten des Accounts rechnen.

Discord hat für März diesen Jahres eine neue Standard-Einstellung für Teenager angekündigt. Wer bis dahin den Altersüberprüfungsprozesses nicht vollzogen hat, der eine Gesichtserkennung oder die Vorlage eines Ausweises umfassen kann, wird fortan als Teenager eingestuft und auch so behandelt. Die sicherheitsorientierte Maßnahme soll dem Jugendschutz dienen. Sie wird aber auch zahlreiche Nutzer verschrecken.

Discord will die Identifikation aller Nutzer erzwingen

Wer sich weigert, seine Identität überprüfen zu lassen, kann ab März nicht mehr auf NSFW-Kanäle mit Inhalten für Erwachsene zugreifen. Alle Server mit expliziten Inhalten sind dann automatisch gesperrt. Auch einzelne Kanäle innerhalb der normalen Server bleiben in dem Fall unsichtbar. Selbst wenn der Admin des Servers die Person manuell freischalten will, blockiert Discord den Zugriff mit technischen Mitteln. Dagegen kann niemand etwas unternehmen, außer die Betreibergesellschaft von Discord selbst.

Doch mal ganz ehrlich: Wer will für die Teilnahme an einem Gaming- oder sonstigen Chat derartig krasse Forderungen erfüllen? Wer hat schon Lust, einem US-Unternehmen seinen Gesichts- oder Ausweisscan zu übermitteln, weil es in den USA keinen gesetzlichen Datenschutz gibt? Wohl kaum jemand, der auch nur ansatzweise Wert auf Datenschutz oder die Wahrung der eigenen Privatsphäre im Internet legt. Was wäre, wenn es eines „schönen Tages“ gelingt, mehr als nur den Kundendienst von Discord zu hacken? Wenn Hacker die Scans verkaufen oder verschenken, müssen die Betroffenen befürchten, dass Kriminelle ihren Namen für illegale Zwecke missbrauchen.

Discord & Kids
Kinder, Kinder! Discord künftig als Überwachungsinstrument?

Gemeldete Beiträge werden schneller sanktioniert

Einige Server verlangen mangels Überprüfung zudem eine Verifizierung für bestimmte Rollen, spezielle Events, Sprachkanäle mit Altersbeschränkung und Diskussionen über Themen, die man als sensibel markiert hat. Auf iOS-Geräten handelt Discord seit jeher besonders strikt. Die geteilten Inhalte sind dort noch stärker eingeschränkt. Ohne Altersverifizierung ist der Zugriff mittels iOS praktisch vollständig blockiert. Doch das ist noch immer nicht alles. Meldet jemand den Beitrag eines nicht überprüften Nutzers, wird Discord schneller reagieren. In dem Fall muss man mit einer zeitnahen Löschung des bemängelten Beitrages und weiterer Einschränkungen des eigenen Accounts rechnen, sollte Discord der Meldung zustimmen.

Discord befährt unruhige Gewässer

Das Team von Bitdefender vertritt die Ansicht, der Betreiber von Discord würde sich bereits in unruhigen Gewässern befinden. Das Unternehmen verteidigt sich bereits gegen mehrere Klagen, die in direktem Zusammenhang mit seinen minderjährigen Nutzern stehen.

Der Generalstaatsanwalt von New Jersey verklagte Discord mit der Begründung, das Unternehmen habe gegen das Verbraucherschutzgesetz des Bundesstaates verstoßen, indem es sich als „sicherer Ort” vermarktete, ohne wirksame Sicherheitsmaßnahmen zu ergreifen. Eltern in Kentucky und Louisiana haben ebenfalls sowohl Roblox als auch Discord verklagt. Sie behaupten, dass deren Sicherheitsinstrumente nicht verhindern konnten, dass ihre Kinder von Sexualstraftätern angesprochen wurden. Auch in Texas steht eine mögliche Klage aus. Die Anwaltskanzlei Anapol Weiss argumentiert, dass sogar das grundsätzliche Konzept der Firma zum Schutz der Minderjährigen mangelhaft sei. Offenbar sah sich Discord in Anbetracht der vielen Klagen dazu gezwungen, beim Schutz von Minderjährigen aktiv zu werden.

Lars Sobiraj

Über

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Früher brachte Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmerinnen und Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert. In seiner Freizeit geht er am liebsten mit seinem Hund spazieren.