Wie mühevoll ist es, von Leipzig aus anonym einen polnischen BTC-Automaten zu nutzen? Dafür mussten wir quasi mitten in der Nacht losfahren.
Wenn jemand eine Reise tut, kann er viel erzählen. Das stimmt auch. Doch so hatte sich unser Sourcremesauce seinen Aufenthalt sicher nicht vorgestellt. Um es vorweg zu nehmen: Sein Weg zum BTC-Automaten war lang und steinig.
Frühstart, Kaffee und McDonald’s
Nicht nur muss man morgens um 3:30 Uhr aufstehen, um die erste S-Bahn um 4 Uhr nach Görlitz zu bekommen, um an einem Bitomat-Automaten, wenn alles gut geht, anonym und ohne MiCA-Abfuck und sonstige KYC-Prozeduren Cryptos kaufen zu können.
Auf dem Weg dorthin halte ich also bei einem McDonald’s. Dessen Mitarbeiter hat das Kassensystem nicht verstanden und versuchte mich als dumm hinzustellen. Ich wollte doch nur einen Latte Macchiato aus der Siebträgermaschine und einen Muffin haben. Dass ich ihm in Englisch sein eigentlich idiotensicheres Kassensystem erklären musste, was er trotzdem nicht kapiert hat, ist ein anderes Thema. Warum ich überhaupt zu McDonald’s gehe? Nennt es Gewohnheit aus meinen Zeiten in Texas oder Geiz, das ist euch überlassen. Aber 5,89 € für einen guten Latte Macchiato to go und einen wirklich leckeren Erdbeer-Käsekuchen-Muffin finde ich mehr als fair. Dazu kommt: Ein guter Kaffee am Morgen lässt mich meine Mitmenschen etwas besser aushalten.
DB-WLAN, DNS und ein Captive Portal
Zu meiner Freude hat die S-Bahn diesmal sogar ein funktionierendes WLAN. Dafür muss man allerdings erst seinen DNS umbiegen, um auf das Captive Portal von Hotsplots zu gelangen. Da ich einen eigenen Technitium-DNS-Server betreibe, der in Tailscale eingebunden ist, finde ich es nervig, solche Einstellungen ändern zu müssen, nur damit der Anbieter mir vorschreiben kann, welchen DNS ich nutze. Ich habe das also nur temporär geändert und mich ins gratis DB-Wifi eingeloggt, extra mit randomisierter MAC-Adresse, um bei Bedarf das Datenlimit zurücksetzen zu können. Canvas Blocker und Co. sind auch aktiviert, um die Geräteidentifizierung zu verhindern. Natürlich könnte ich auch mein Pixel mit Graphene OS als WLAN-Repeater nutzen. Aber warum sollte ich das tun, wenn es auch angenehmer geht?
Der Witz ist: Da die Landingpage auf dem Repeater im Zug liegt, kann man sie nach Auswahl der eigenen DNS nicht mehr aufrufen, um aktuelle Fahrplaninformationen zu erhalten. Warum man das nicht über ein zentral ansprechbares Backend der Deutschen Bahn gelöst hat, ist mir unklar. Jeder von uns weiß, wie inkompetent die Bahn ist. Darüber muss man nicht mehr sinnlos philosophieren.
Plan B beim Mobilfunk
Ich bin am Ende trotzdem mit dem Pixel zu Aldi Talk gewechselt, da in Richtung „Tal der Ahnungslosen”, also nach Dresden, das O2-Netz gefühlt immer noch besser ist als das der Telekom oder von Vodafone. So konnte ich für euch wenigstens noch den Mullvad-Artikel ausarbeiten, ohne ständig kein Netz zu haben.
Selbst im Zug, in den ich Richtung Görlitz umgestiegen bin, zeigt sich das gleiche WLAN-Drama: Tailscale DNS aus, um den DNS vom WLAN notgedrungen zu benutzen. Zum Glück kam diesmal gleich die Meldung, dass das Captive Portal erkannt wurde, sodass ich mich im WLAN anmelden konnte. Zumindest weisen sie direkt darauf hin, dass sie zensieren und angeblich nur jugendgefährdende Seiten sperren. Das System verhält sich hier wenigstens ordentlich und weist darauf hin, was sie eigentlich auch bei der Deutschen Bahn in ihrem Captive Portal machen sollten.
Die lange Anfahrt zum BTC-Automaten: Kontrolle und Zugalltag
Wenn sich der Schaffner morgens schon aufregt, weil er das Deutschlandticket bei den Reisenden kontrolliert und mich bei meiner Kontrolle verzweifelt und suchend anschaut, um Bestätigung oder Autorität zu finden, weil der Sitznachbar gegenüber zwar seinen Ausweis zweimal gezeigt hat, aber nicht sein gültiges Ticket, dann läuft doch etwas falsch in diesem Land. Nur weil ich durch meine Armeezeit eine natürliche Autorität ausstrahle, bin ich doch nicht der Kummerkasten für einen überforderten Schaffner – so nett er auch zu mir gewesen sein mag.
DNS läuft, arbeiten geht leidlich, wenn die Leute nicht so egoistisch und blind wären und mir nicht dauernd den Geekom X14 Pro rammen würden. Das ist keine Militärhardware, die man ohne Fallschirm aus einem Flugzeug aus 10 km Höhe werfen kann und die dann immer noch funktioniert. Ich merke aber inzwischen auch, dass das Display, so gut es von der Auflösung her ist, einfach richtig grausam spiegelt. Ich kann beim Schreiben meine Hände über die Tastatur huschen sehen, da ich blind schreibe und nur dabei auf den Monitor schaue, was ich schreibe. Boah, ist das ätzend!
Mal schauen, wo man eine passende Folie für das Gerät herkriegt. Wenn der Sitznachbar gegenüber mit offenen Augen schnarcht und einen wie ein treudoof unschuldiger Lemming anschaut, würde sich auch jeder, der keine Waffen mag, das Stand-Your-Ground-Law in Deutschland wünschen. Und sei es nur, um auf dem Sitzplatz für vier Personen, auf dem er sitzt, trotz ANC-Kopfhörern, die auf Maximum laufen, endlich seine Ruhe zu haben.
Das Ziel in Sicht
Das Ticket bis nach Görlitz wurde kontrolliert. Und das Abenteuer, sich vielleicht doch anonym und risikofrei Cryptos beim BTC-Automaten kaufen zu können, geht weiter. Da der Chart jetzt sehr stabil aussieht und sich an einem sehr markanten Punkt befindet, wäre es sinnvoll, jetzt zu kaufen, um davon zu profitieren, wenn er in Zukunft wieder steigen sollte.
Endlich in Zgorzelec angekommen! Ich durfte sogar direkt mit dem Zug auf die polnische Seite von Görlitz weiterfahren. Dafür musste ich mir kein separates Ticket kaufen.
Ankunft in Polen
Man merkt die gefühlten -16 Grad direkt nach dem Aussteigen wirklich. Ich bin kurz ins Bahnhofshaus gegangen, um den Weg zum ATM zu planen und mich noch einmal durchzuwärmen. Der Weg dorthin war dank Organic Map, das OSM benutzt, sehr gut dargestellt. Von daher habe ich problemlos den Weg gefunden.
Fort Knox mit Ostblock-Kulisse
Von außen hat das Gebäude den typischen Ostblockcharme einer ehemaligen Fleischerei mit Verkaufstheke. Was es früher einmal gewesen ist, bevor dort ein wie Fort Knox abgesicherter BTC-Automat aufgestellt wurde, ist leider nicht mehr zu erkennen.
Eintreten kann man, ist aber erst einmal überrumpelt von den Sicherheitsmaßnahmen. Wenn die Eingangstür noch geöffnet ist, kommt man aufgrund des magnetischen Schutzmechanismus nicht in den Raum mit dem Automaten. Dieser ist mit einem massiven Metallgitter abgesichert.
Dass man Automaten derart strikt absichert, war mir neu. Für mich war das auch etwas befremdlich. Ich bin es aus den USA gewohnt, dass sie nicht besonders schwer gesichert sind. Ich kenne es aus Las Vegas, dass sie sich unscheinbar neben den regulären Bankautomaten eingereiht haben.
Kauf am BTC-Automaten
Da ich es aus den USA kenne war, dass ich zuerst alle Daten eingebe, wohin das Geld soll, also welche Währung etc., habe ich es für das System dieses Automaten hier genau falsch herum gemacht. Der Automat wollte die Scheine zuerst haben. Dabei hat sich das Gerät von Bitomat als extrem zickiges Biest entpuppt. Der BTC-Automat wollte die Scheine mit dem Wert des Geldscheins links unten und nicht spiegelverkehrt haben. Es war für mich doch ein kleines Experiment, das Gerät mit den dafür eigens reservierten Scheinen zu bestücken.
Nachdem er endlich die 250 € erhalten hatte, habe ich das System auf Deutsch umgestellt. Glücklicherweise gab es diese Option rechts in der Leiste. Danach habe ich in der Leiste am oberen Rand durch die Cryptoleiste gescrollt, meine Adresse markiert und dem Automaten präsentiert. Das hatte ich zuvor in meinem Cake-Wallet in meinem Litecoin-Wallet erstellt. Der Automat hat es sofort akzeptiert. Die Wallet-Adresse muss vollständig überprüft und bestätigt werden, damit das Geld an diese Adresse gesendet werden kann. Man erhält sogar eine Quittung über den Tausch, und zwar in polnischen Złoty und Euro.
Wartezeit, Gebühren und Limits
Danach begann für mich das Geduldsspiel. Ich bin es gewohnt, dass eine Transaktion sehr zeitnah im Wallet dargestellt wird, aber noch nicht in einem Block verewigt ist. Es waren mühsame, nervenaufreibende 15 Minuten, die ich im Automatenraum verbracht hatte. Ich war schon kurz davor, den Support anzurufen, bis das Geld abzüglich der Tauschprozente in meinem Cake-Wallet auftauchte. 15 € Gebühren bei 250 € sind per se nicht wenig, aber knapp 4 % sind fair, wenn man bedenkt, welche horrenden Gebühren einige Online-Anbieter für das Wechseln verlangen.
Das ist immer noch besser, als sich vor der EU nackig zu machen durch den AML-Quatsch, die EU-Verordnung MiCa & Co. (Erklärung: Die Abkürzung AML steht für Anti-Money Laundering, also ein Gesetz zum Kampf gegen Geldwäsche. MiCa = Markets in Crypto-Assets. Das ist der Rechtsrahmen zur Regulierung von jeglichem Krypto-Vermögen innerhalb der EU.) Der Vorteil meiner Aktion besteht trotz der langen Fahrerei darin, dass ich mich bei diesem BTC-Automaten nicht mit einem offiziellen Dokument identifizieren muss. Mit den ganzen gesetzlichen Vorgaben der Europäischen Union habe ich somit nichts am Hut.
Wer will, kann auch mehr als erlaubt umtauschen
Bis zu 1.000 € und maximal 15.000 € pro Wallet wären an dem Automaten rechtlich möglich gewesen, ohne das KYC-System des Geräts zu triggern. Das ist eine sehr interessante Sache. Denn so kann man den rechtlichen Rahmen als Betreiber natürlich auch gestalten und entlang der gesetzlichen Vorgaben definieren. Wer mehr tauschen will, muss die Transaktion einfach gleich mehrfach nacheinander durchführen und je nach Umfang mehrere Wallet-Adressen nutzen.
Alles in allem war es eine sehr positive Erfahrung, wenngleich die Transaktion mit dem „Charme“ eines Gefängnisaufenthalts verbunden war. Man ist regelrecht eingesperrt. Ja, man kann es so sehen, dass man während der Transaktion gut abgesichert ist und nicht einfach beraubt werden kann, was ich grundsätzlich positiv finde. Dennoch kam bei mir leicht beklemmendes Gefühl hoch.
Die Rückreise vom Automat nach Hause
Die Rückreise gestaltete sich zum Glück wesentlich angenehmer als die Hinreise. Nach 40 Minuten Wartezeit im beheizten Bahnhofshaus ging es endlich in Richtung Heimat. Als artiger Deutscher bin ich natürlich auf der polnischen Seite direkt zur Schaffnerin des Zuges gegangen, die mich auf die deutsche Seite zurückfährt, um mir ein Ticket zu kaufen. Sie lächelte mich an, sagte okay. Dann kramte sie in ihrer Tasche und drückte mir ein genulltes Ticket für die Strecke in die Hand, welches ich natürlich dankend annahm.
In Görlitz genoss ich kurz die atemberaubende Eingangshalle des Bahnhofs und fuhr dann mit einem Zug Richtung Cottbus weiter. In den ODEG-Zügen verzichtet der WLAN-Anbieter komplett auf jegliche Zensur und zeigt einem auch direkt in einem Reiter, wie man wieder auf das Captive-Portal zugreifen kann, um aktuelle Fahrgastinformationen abzurufen, falls man diese benötigt. Das nenne ich kundenorientiert. Genauso wie der Kaffee für 1,50 €, der sogar frisch und gut war, in der privaten Regiobahn, die natürlich auch mit dem D-Ticket nutzbar war.
Die Regio-Züge in Cottbus waren für deutsche Verhältnisse das Nonplusultra und toppen unserer Meinung nach die „ach so tollen” ICEs. Jeder Vierer-Abteil hat funktionierende Steckdosen und natürlich auch wieder ordentliches WLAN von Hotplots, ohne dass das Captive Portal zickte, ohne Zensurwarnung und dergleichen. 5 MB im Down- und Upload haben gereicht, um auf der Rückfahrt weiter am Mullvad-Artikel für euch zu schreiben. Das Highlight der Tische ist, dass sie in der Mitte ein recht großes Feld haben, in dem man sein Smartphone induktiv laden kann. Ich weiß nicht, mit welchen Bürokraten sie bei der Zulassungsstelle des Zuges Geschäfte gemacht haben, aber das ist eine Sache, die mir sehr gut gefallen hat.
BTC-Automaten in Polen: mein Fazit
Ja, ich würde mir dort wieder Cryptos kaufen, solange es möglich ist. Aber nur, um anonym ein wenig Geld zu wechseln, ist die Strecke wirklich ein großes Unterfangen. Wenn man in der Nähe ist, kann man es machen, sonst ist es einfach zu weit. Für unsere Berliner Leser noch ein Tipp zum Schluss. In Frankfurt (Oder) auf der polnischen Seite gibt es vom selben Anbieter auch einen BTC-Automaten. Der ist sogar noch viel besser mit dem Zug, Auto etc. erreichbar. Auch damit kann man den EU-Regeln aktuell noch ein Schnippchen schlagen. Hoffentlich bleibt das noch länger so, wer weiß das schon!? Wer weitere Infos braucht, wird hier fündig. Spannend auch die interaktive Landkarte mit den eingetragenen BTC-Automaten. Der Anbieter Bitomat hat sich bisher nur getraut, ihre Geräte in Österreich, Süd- und Osteuropa aufzustellen.

























