In Europa verschärft man die Regulierung, doch der Monero bleibt stabil. Im Gegensatz zu vielen Coins steigt sein Wert weiter und weiter.
Die anonyme Kryptowährung Monero notiert aktuell bei fast 430 Euro, mit entsprechenden Schwankungen nach oben und unten. Das zeigen die Daten von CoinMarketCap und CoinGecko. Der Bitcoin wirkt daneben träge, fast wie ein Stillstand mit kurzen Ausschlägen. Er mutet an wie ein Markt, der auf einen Impuls wartet. Wer die Kurse online vergleichen will, landet zwangsläufig ebenfalls bei CoinMarketCap oder CoinGecko.
Der Monero (XMR) bewegt sich langsam aber sicher nach oben
Wenn der Markt wirklich Fahrt aufnimmt, bewegen sich meist mehrere Coins. Derzeit ist es vor allem der Monero, der anzieht. Die Zone um 450 US-Dollar war über längere Zeit gedeckelt. Dort endeten die Aufwärtsbewegungen des XMR über Wochen hinweg. Aktuell zeigt sich ein anderes Bild. Rückläufe gehen nur kurz unter dieses Niveau und werden sofort wieder hochgekauft. Das ist kein „Chartlesen“. Das ist Kaufdruck. Punkt.
Das hat Gewicht und spiegelt sich in einer aktuellen Marktkapitalisierung von rund 8,4 Milliarden US Dollar wider, wie CoinMarketCap zeigt. Sie steigt und fällt nicht. Grundlage ist eine einfache Berechnung aus Kurs multipliziert mit der Umlaufmenge der Kryptowährung. Und genau hier ist Monero besonders. Die Umlaufmenge wächst weiter, da die Blockbelohnung seit dem Jahr 2022 nicht auf null sinkt. Die Monero-Community bezeichnet dieses Modell als Tail Emission.
Steigt die Umlaufmenge leicht, während die Marktkapitalisierung deutlich zunimmt, ist das selten ein Rechentrick. Dann ist ein realer Kapitalzufluss erkennbar, der die Bewegung nach oben stützt.
Während der Monero stabil ist, wackelt Zcash
Anfang Januar kam es bei Zcash zu einem offenen Bruch. Das Entwicklerteam der Electric Coin Company trat geschlossen zurück, ausgelöst durch einen Streit über Kontrolle und Ausrichtung des Projekts. CoinDesk berichtete darüber. Solche Situationen lösen meist zwei Reflexe aus. Zum einen ziehen sich einige Anleger vollständig zurück, zum anderen bleiben sie im Bereich der Privatsphäre und wechseln den Coin. Der Monero dürfte davon profitieren, weil er in diesem Bereich seit Jahren als stabiler und verlässlicher Kandidat gilt.
Zcash ist damit keineswegs abgeschrieben. Aber ein interner Machtkampf ist genau das, was Kryptowährungen nicht vertragen. Das frisst Vertrauen. Und ohne Vertrauen wird jede Rally zur Wette auf den nächsten Streit.
Europa verschärft die Regulierung – Monero fällt aus dem Raster
Mit MiCA macht die EU Kryptowährungen zu einem regulierten Finanzprodukt. Betroffen sind nicht die Protokolle selbst, sondern die Unternehmen darum herum, wie Online-Börsen, Broker, Verwahrer, Anbieter. Offiziell heißt das Regelwerk Markets in Crypto-Assets Regulation und entspricht der Verordnung (EU) 2023/1114.
Wer solche Dienste anbietet, unterliegt Pflichten und ist zur Weitergabe von Daten verpflichtet. Das zieht Know your customer-Systeme (KYC), Nachweise, Prozesse sowie umfangreiche Dokumentation nach sich. Die deutsche BaFin beschreibt das nüchtern, die EU-Aufsichtsbehörde ESMA ebenso.
Hinzu kommt das neue EU-Geldwäschepaket. Die Travel Rule verlangt, dass Transfers über Dienstleister wieder mit Namensschild laufen. Die entsprechende Verordnung (EU) 2023/1113 ist bereits beschlossen.
Relevant für den Monero ist zudem jedoch ein weiterer Punkt. Die AML-Verordnung im Kampf gegen Geldwäsche und Terror untersagt Dienstleistern künftig anonyme Krypto-Konten und Angebote, die Transfers gezielt verschleiern. Diese ist gültig ab 10. Juli 2027 (Verordnung (EU) 2024/1624).
Mehr Transparenz ist hier das erklärte Ziel. Privatsphäre rutscht politisch in die Kategorie „unerwünscht“. Genau dort entsteht eine Nachfrage nach Coins, die nicht jedes Detail dauerhaft als öffentliches Logbuch führen.
Der Monero bleibt – die Nutzung wird unbequemer
Wie rasch solche Vorgaben umgesetzt werden, ließ sich bei Kraken beobachten. Für Kunden im Europäischen Wirtschaftsraum hat man den Handel und Einzahlungen für XMR am 31. Oktober 2024 eingestellt. Abhebungen waren nur noch bis Ende Dezember möglich.
Das bedeutet kein Ende, sondern eine zusätzliche Einschränkung. Und davon hat Europa derzeit reichlich im Angebot.
Häufig wird so argumentiert, als gäbe es nur zwei Zustände. Entweder vollständig regulierte Handelsplätze oder eine unmittelbar kriminelle Nutzung. Dabei blendet man aus, dass zwischen diesen Polen ein legitimer Bereich existiert, der außerhalb der Regulierung liegt, ohne automatisch illegal zu sein. Nicht jeder, der an seiner Privatsphäre interessiert ist, unterstützt deswegen automatisch Terrororganisationen oder will für Kriminelle Geld waschen.
Werkzeuge wie Mixer sind zunächst rein technische Mittel. Nicht mehr und nicht weniger. Auch der Wunsch nach Privatsphäre ist kein Schuldeingeständnis. Wer in einem Geschäft einen großen Geldschein in kleinere Beträge wechselt, gilt anschließend ebenfalls nicht als verdächtig, nur weil sich die Seriennummern ändern.
Entscheidend ist ein anderer Punkt. Sobald aus einem Werkzeug ein zentral betriebener Dienst wird, rückt er in den Fokus der Behörden. Dann geht es nicht mehr um das Prinzip der Privatsphäre, sondern um Betreiber, Infrastruktur, Geldflüsse und Zuständigkeiten. Besonders dort setzen Regulierer an, weil sich diese Ebene recht einfach kontrollieren lässt.
Dienste kann man schließen, Protokolle nicht
Dasselbe Muster zeigt sich international. Die US-Sanktionsbehörde OFAC setzte den Mixer Tornado Cash am 8. August 2022 offiziell wegen Geldwäsche auf die Sanktionsliste. Für US-Personen und Unternehmen wurde der Dienst damit faktisch tabu.
Ende 2025 schalteten Europol und Eurojust gemeinsam „Cryptomixer“ ab, inklusive Domain und den Servern. Europol ist die EU-Agentur, die Polizeibehörden über Ländergrenzen hinweg koordiniert und zusammenbringt. Eurojust ist die juristische Organisation, die Verfahren, Zuständigkeiten und Rechtshilfe zwischen Staaten organisiert, damit aus solchen Schlägen am Ende auch Anklagen werden.
Das löst jedoch nicht das Grundproblem. Es sorgt nur dafür, dass „Zugänge schwieriger“ werden. Damit ist das Thema der Datenschutz-Coins noch lange nicht erledigt. Als Protokoll (Blockchain etc.) kann man den Monero nicht wie einen Anbieter regulieren. Reguliert werden nur die Zugänge, nicht der Kern des Systems.
Es existieren zudem Brücken, die nicht an zentrale Online-Börsen gebunden sind. Monero verweist hier auf Atomic Swaps als Direkttausch ohne vertrauenswürdigen Mittelsmann. Entweder geht der Tausch für beide Seiten durch oder gar nicht. Dahinter steckt keine Magie und es ist auch kein Trick. Der Unterschied liegt in der Struktur. Wo kein zentraler Anbieter existiert, gibt es weniger Ansatzpunkte für Regulierung und staatliche Eingriffe. Es gibt keine Firma im Hintergrund, keinen verantwortlichen Betreiber, kein ladungsfähiges Impressum und keine zentrale Infrastruktur.
Der Tausch erfolgt direkt zwischen zwei Parteien und kommt entweder für beide zustande oder gar nicht. Genau das reduziert die Angriffsfläche. Nicht, weil das System unangreifbar wäre, sondern weil es weniger Hebel gibt, an denen irgendwelche Behörden ansetzen könnten.
Südamerika taucht auf – aber nicht als Statistik
Beim Monero erhältst du keine ansehnliche Länderkarte aus der Blockchain. Das ist der Sinn der Sache. Was bleibt, sind die Stellen, an denen das Umfeld selbst über die Nutzung spricht.
In einem Monero-CCS-Kontext wird Venezuela beispielsweise sehr konkret genannt. Es gibt XMR-Umrechnungskurse, Domains rund um „MoneroVenezuela“ und den Hinweis, dass der Monero dort seit Jahren empfohlen wird. Monero CCS (Locha Mesh).
Dazu passt, dass Lateinamerika generell stark im Kryptobereich vertreten ist. Laut Chainalysis belief sich der Zufluss von Juli 2023 bis Juni 2024 auf knapp 415 Milliarden US-Dollar.
Wer wissen will, wo Monero als Zahlungsmittel zumindest sichtbar gelistet wird, landet bei Projekten wie XMRBazaar. Dort taucht Lateinamerika als Region im Filter auf.
Moneros Vorsprung im aktuellen Marktumfeld
Das Newsportal CoinMarketCap stuft die aktuelle Situation als bullish (= optimistisch) ein und spekuliert über einen Lauf in Richtung Allzeithoch. Der Monero steigt jedoch nicht, weil gerade wieder irgendwo eine Krypto-Party stattfindet. Der Monero steigt, weil die Privatsphäre politisch zum Problem erklärt wird und der Markt gleichzeitig zeigt, dass eine alte Sperre plötzlich als Boden funktionieren kann. Sie kann halten. Das muss sie aber nicht. Aber die Bewegung im Chart ist da.



















