Die neueste YouTube-Gängelei. Diverse mobile Browsern verstummen, sobald man ohne Premium-Abo ein Video im Hintergrund laufen lassen möchte.
Wer YouTube unterwegs im Browser nutzt, macht das oft nur wegen der Musik und nicht, um sich ein neues Video anzusehen. Ein langes Video, ein Podcast, ein Stream im Hintergrund. Starten, sperren, weiter hören. Das lief lange genug wie selbstverständlich, weswegen Google nun bei verschiedenen mobilen Browsern einen Riegel vorgeschoben hat. Die nächste YouTube-Gängelei ist im Gange, um die eigenen Kassen noch besser zu füllen.
Seit wenigen Tagen geht das nicht mehr. Der Sound vom Hintergrund-Player ist bei Brave und Co. plötzlich weg. Display aus, der Ton geht augenblicklich auf lautlos. Die Wiedergabe „stottert nicht mal“, uns zu warnen. Nein, die Probleme tauchen sofort auf. Mit der Tonausgabe ist direkt Schluss, sobald der Bildschirm aus ist oder man den Tab von YouTube verlässt. Dabei ist auffällig, dass bei einigen Nutzern sogar die Mediensteuerung auf dem Lockscreen nach ein paar Sekunden wieder verschwindet. Es bleibt also kein Bedienelement übrig, um das Video an dieser Stelle weiter abzuspielen.
Es betrifft genau die Browser, die die Leute dafür benutzen
Das ist kein Problem, das nur bei einem Browser auftritt, den ohnehin kaum jemand nutzt. Bekannt ist es nachweislich bei Samsung Internet, Vivaldi und Microsoft Edge. Und auch Brave ist davon betroffen. Manche haben sofort gemerkt, dass Google etwas im Hintergrund umgebaut hat. Andere Nutzer denken wiederum, dass der Fehler bei ihnen oder einer zerschossenen Konfiguration liegt. Aber nein, diesmal ist es nichts dergleichen.
Bei Brave kann man das sogar ganz gut sehen, weil sich die Beschwerden im Forum richtiggehend sammeln. Es geht nicht um exotische Sonderfälle mit speziellen Mods, gerooteten Smartphones mit zusätzlichen Magisk-Add-ons. Nein, das passiert bei allen Anwendern, die diese Browser nutzen. Das Video läuft zwar weiter, doch direkt ohne Ton. Wie üblich sind nicht alle gleich betroffen, die Umstellung geschieht in Wellen. Das handhabt Spotify genauso, wenn sie Nutzer aussperren. Fakt ist, irgendwann trifft es jeden.
YouTube-Gängelei: pure Absicht von Google
Der Punkt ist, dass es sich nicht um einen Bug handelt. Das Unternehmen hat mittlerweile bestätigt, dass man Nutzern mobiler Browser, die nicht bezahlen nicht mehr erlaubt, in Abwesenheit Videos mit Ton abzuspielen. Es geht ihnen darum, die Cashcow noch ein wenig mehr zu melken.
Der Wechsel auf die Desktop-Ansicht, auf einen anderen Tab oder Browser, das alles ist auf Dauer nutzlos. Den Akku bei der Nutzung von YouTube entladen zu lassen und den Stromverbrauch in den Einstellungen nicht zu optimieren, ist genauso aussichtslos. Das kann womöglich im Einzelfall mal kurz helfen, weil sich das Verhalten je nach Gerät und Version unterscheidet. Aber das ist keine nachhaltige Lösung. Wie gesagt, das neuartige Verhalten der mobilen Browser ist alles, aber kein Versehen.
Warum ausgerechnet der Background-Play?
Warum hat man den Background-Play ausgestellt? Die Hintergrundwiedergabe dürfte der Grund sein, weshalb sich die meisten User überhaupt Premium bei den horrenden Preisen holen. Werbung nervt viele, klar. Aber die Hintergrundwiedergabe ist das sinnvollste Feature von YouTube. Mit dem Smartphone in der Tasche und den Buds im Ohr gestaltet man den Weg zur Arbeit einigermaßen erträglich und kann seine Mitmenschen irgendwie aushalten. Doch wer das weiterhin tun möchte, den bittet man gnadenlos zur Kasse.
FOSS-Drittanbieter-Apps regeln wieder
Es ist fraglich, warum so viele dafür mobile Browser nutzen, statt eine der wenigen wirklich guten Drittanbieter-YouTube-Apps wie Pipepipe, NewPipe oder dem Klassiker YouTube Vanced. Es gibt doch genug Möglichkeiten, den Musikgenuss energiesparender zu realisieren, ohne Google gleichzeitig Geld in den Rachen zu werfen. Das gilt erst recht bei den Wucherpreisen, die sie von uns verlangen.
Fünf Euro im Monat für Werbefreiheit und den komfortablen Backgroundplay wären ja noch okay. Aber 12,99 € monatlich sind einfach nur noch Bauernfängerei. Aus meiner Erfahrung kann ich nur sagen: Pipepipe tut es auch. Es funktioniert dabei zuverlässig und stabil. Die App erledigt einfach ihren Job. Dass der Browser den Akku entleert, gehört damit der Vergangenheit an.
Die neueste YouTube-Gängelei: unser Fazit
Dass Google auf Teufel komm raus versucht, alles zu monetarisieren, ist per se nichts Neues. Dass sie so lange gebraucht haben, diese „Lücke“ zu schließen, aber schon. Keiner muss deshalb jetzt auf einmal ein Abo abschließen, da es genug zuverlässige Apps gibt, die das Abspielen im Hintergrund weiterhin ermöglichen. Ja, damit verstößt man gegen die ToS (Nutzungsbedingungen) von YT. Aber was wollen sie dagegen tun? Es riskieren, dass man den Account sperrt, weil man sich nicht mit Werbung berieseln lassen will?
Sollen sie das ruhig machen. In den Apps kann man auch ohne Login alle Kanal-Abonnements verwalten. Wenn es das sein sollte, was YouTube als Nächstes verbietet, um uns noch aggressiver zur Zahlung der Premium-Abos zu drängen. Ja, dann bitte! Man kann derartigen Zwängen immer ausweichen. Übrigens, was gerade noch auffällt: Das ursprüngliche Posting des entsprechenden Threads bei Reddit hat man schon wieder gelöscht, die Antworten sind aber immerhin noch alle da. Ein Schelm, der Böses dabei denkt…



















