Italienische Ermittler stoppen IPTV-Piraterie-Ring basierend auf der CINEMAGOAL-App. Schaden für Netflix, Sky & DAZN: 300 Millionen Euro.
Italiens Finanzpolizei Guardia di Finanza hat einen groß angelegten IPTV-Piraterie-Ring zerschlagen. Der Dienst soll laut der Behörde Schäden in Höhe von rund 300 Millionen Euro verursacht haben. Betroffen waren unter anderem die legalen Anbieter Sky, DAZN, Netflix, Disney+ und Spotify.
Im Mittelpunkt der Ermittlungen stand eine bislang kaum bekannte Technologie rund um die Anwendung „CINEMAGOAL“. Die IPTV-Software verband die Geräte der Nutzer mit ausländischen Servern, um kostenpflichtige Streaming-Inhalte illegal zu entschlüsseln und weiterzugeben.
Zugangsdaten alle drei Minuten erneuert
Nach Angaben der Ermittler liefen auf italienischem Boden rund um die Uhr virtuelle Maschinen, die Zugriffscodes aus legalen Abonnements abgriffen und im Drei-Minuten-Takt erneuerten. Die verwendeten Accounts seien unter falschen Identitäten registriert worden. Über den Bust berichtete am heutigen Freitag die Nachrichtenagentur Reuters.
Besonders brisant: Das System umging die Sicherheitsmechanismen der legalen Streaming-Anbieter vollständig. Zudem mussten die Nutzer keine feste IP-Adresse verwenden, wodurch sich die illegale Nutzung deutlich schwerer nachverfolgen ließ. Die Betreiber boten ihre illegalen IPTV-Abos für Preise zwischen 40 und 130 Euro pro Jahr an. Der Zugriff auf die legalen Anbieter zusammen wäre natürlich weitaus teurer gewesen.
Server in mehreren Ländern beschlagnahmt
Die Staatsanwaltschaft Bologna koordinierte die Aktion gemeinsam mit Eurojust. Dabei beschlagnahmten die Behörden mehrere ausländische Server mit Entschlüsselungsdaten sowie den Quellcode der Anwendung. Parallel fanden Einsätze in Frankreich und Deutschland statt.
Zusätzlich stießen die Ermittler auf klassische IPTV-Setups mit sogenannten „Pezzotto“-Boxen, die in Italien seit Jahren verbreitet sind.
IPTV-Piraterie-Ring: 1.000 Nutzer identifiziert
Der Fall zeigt erneut, wie professionell organisierte IPTV-Netzwerke inzwischen arbeiten. Statt einfacher Restreams setzen die Betreiber zunehmend auf komplexe Infrastrukturen mit automatisierter Account-Verwaltung, virtuellen Maschinen und international verteilten Servern.
Die Nutzer müssen mit hochpreisigen Briefen rechnen, in der Vergangenheit wurden pro Abonnement zivilrechtliche Schadenersatzforderungen von 1.000 Euro pro Person fällig. Nach Angaben der Guardia di Finanza hat man bereits rund 1.000 Nutzer identifiziert. Ihnen drohen nach Medienangaben Geldstrafen von bis zu 5.000 Euro.


















