Das EU-Batteriegesetz schreibt vor, dass ab dem 18. 02.2027 alle neu verkauften E-Reader mit leicht entnehmbaren Akkus ausgestattet sind.
E-Reader-Hersteller werden Hunderte Millionen Euro für die Neugestaltung ihrer Produkte ausgeben müssen, um dem EU-Batteriegesetz (Verordnung (EU) 2023/1542) zu entsprechen. Die Batterien müssen so gestaltet sein, dass Verbraucher sie mit wenigen Handgriffen und ohne Spezialwerkzeug austauschen können. Die großen Akteure der E-Reader-Branche, Amazon und Kobo, haben sich auf diese Änderung schon vorbereitet. Alle anderen werden entweder viel Geld in die Hand nehmen müssen, was sie nicht haben. Oder sie müssen ihr Geschäft entweder innerhalb der EU oder komplett aufgeben. Die gut gemeinte Vorschrift wird erhebliche Auswirkungen auf den Markt haben. Von der jetzigen Vielfalt der Geräte wird nicht viel übrig bleiben.
Was schreibt das EU-Batteriegesetz vor?
Am 18. Februar 2027 kommt der Batteriepass. Gleichzeitigt schreibt die EU vor, dass dann alle in Europa verkauften Smartphones, E-Reader und Tablet-PCs über vom Nutzer austauschbare Akkus verfügen müssen. Die Hersteller müssen die Geräte so konstruieren, dass man die Akkus mit einfachen, handelsüblichen Werkzeugen problemlos entfernen und austauschen kann. Das soll gelingen können, ohne dass man über spezielle technische Kenntnisse verfügt. Das Ablösen von Klebstoffen durch Hitze ist natürlich nicht gemeint. Doch viele E-Reader, die in der EU verkauft werden, haben ein versiegeltes Akku, so wie viele Smartphones auch. Das wird ab Frühjahr nächsten Jahres bei Neugeräten aber nicht mehr möglich sein.
E-Books & Co. noch immer eine Nische
Hörspiele, Hörbücher und selbst E-Books sind hierzulande weiterhin eine Nische. In der EU haben gerade mal 9,5 % der Internetnutzer in letzter Zeit E-Books oder Hörbücher gekauft. Das europäische Marktvolumen schätzt man auf etwa 10,16 Milliarden US-Dollar. Es wächst jährlich um immerhin 7,1 %. Großbritannien hält mit 50,8 % den größten regionalen Marktanteil, gefolgt von Deutschland und Dänemark.

Europäer mögen Sideloading & offene E-Book-Formate
Während Amazons Kindle-Produktreihe einen großen Teil des Marktes dominiert, zeigen europäische Verbraucher im Vergleich zum nordamerikanischen Markt eine stärkere Vorliebe für ePub-kompatible, auf das Sideloading ausgerichtete Alternativen, die offene Formate erlauben. Ein Beispiel dafür ist das PocketBook*.
Der Austausch von Akkus wird eine ziemliche Hürde darstellen. Die Hersteller müssen diese entweder selbst verkaufen oder Partnerschaften mit Drittanbietern wie iFixit eingehen. Außerdem müssen sie ihre technische Dokumentationen veröffentlichen, Kundendienstmitarbeiter schulen und bestehende Hilfedateien überarbeiten, um Verweise auf Informationen darüber einzufügen, wo man Akkus erwerben und wie man sie mit einfachsten Mitteln austauschen kann. Weil die Reparierbarkeit bald eine gesetzliche Voraussetzung ist, veröffentlichte iFixit einen Test, der beschreibt, wie gut man verschiedene E-Reader öffnen und reparieren kann. Um es kurz zu machen: Die Geräte der großen Hersteller kommen dabei nicht durchweg gut weg.
Sind die E-Reader-Hersteller auf das EU-Batteriegesetz vorbereitet?
Einige Unternehmen haben sich bereits auf die bevorstehende EU-Änderung vorbereitet. Vor einem Jahr ging Rakuten Kobo eine Partnerschaft mit iFixit ein. Damit kann man Bildschirmreparaturen, den Austausch von Komponenten und vom Nutzer selbst austauschbare Akkus anbieten. Im Shop gibt es neben Akkus auch Ersatzdisplays und andere Bauteile. Für moderne Kobo-Geräte wie das Clara BW, Clara Color oder Libra Color verkauft Kobo Originalteile und Reparatursätze offiziell über iFixit.
Der reMarkable Paper Pure E-Reader* verzichtet auf das geklebte Gehäuse des Vorgängers. Man führte stattdessen ein reparaturfreundliches Design mit Schrauben und Einrastmechanismus ein. Das Gerät verfügt über einen 3.820-mAh-Akku, der physisch ausgetauscht werden kann, wenn die ursprüngliche Zelle an Leistung verliert, was die Lebensdauer des Geräts erheblich verlängert. Allerdings sind Ersatzakkus noch gar nicht im Handel erhältlich. Außerdem liegt der Kaufpreis (des Gerätes, nicht des Akkus!) weit über 400 Euro. Bei dem Preissegment müsste man doch eigentlich erwarten können, dass man den Akku problemlos austauschen kann, doch Pustekuchen!
Wird Amazon nur innerhalb der EU die Befestigung der Akkus ändern?
Amazon plant, in Kürze neue E-Reader auf den Markt zu bringen, die dem EU-Batteriegesetz entsprechen sollen. Beobachter fragen sich allerdings, ob diese Veränderung auf die EU begrenzt sein wird oder ob Amazon das Produktdesign weltweit ändern will. Geht es nur darum, den Vorschriften zu entsprechen? Oder führt man bald auch außerhalb der Europäischen Union Kindle E-Reader ein, die auch Laien erneuern können? In der kürzlich zurückgezogenen Firmware-Version 5.19.4 warnt Amazon zumindest eindringlich vor der Nutzung von Akkus, die sie nicht selbst hergestellt haben.
Kleine Anbieter stehen bald vor einem großen Problem
Kleinere Unternehmen befinden sich in einer schwierigen Lage. Es bleibt abzuwarten, wie sie auf das EU-Batteriegesetz reagieren werden. Die Geräte von Onyx Boox*, Meebook*, iFlytek*, Viwoods* etc. sind teilweise echt hochpreisig, doch noch nicht auf die neue Rechtslage vorbereitet. Das gleiche gilt für die Hardware von Bigme*, Poketbook*, Xteink, Mudita*, Minimal Phone, Durobo, iReaders, das Start-up-Unternehmen Musnap Neo 2, Tolino Dasung Link, Freewrite Typewriters, Kingjim Pomera (US-Markt) sowie die Reihe Montblanc Digital Paper. Nach Medienangaben haben die meisten Hersteller ihre Hardware noch gar nicht mit leicht herausnehmbaren Akkus ausgestattet.
Diese Unternehmen sind finanziell womöglich nicht in der Lage, bestehende Produkte so umzugestalten, dass die Rückwand leicht abnehmbar ist und man somit den Austausch des Energiespeichers selbst vornehmen kann. Diese Unternehmen verdienen ihr Geld mit dem Verkauf von Hardware. Sie bieten keine SAS-Dienste (Software-as-a-Service) gegen Bezahlung an. Ihre einzige Lösung besteht darin, neue Produkte zu entwickeln, was aber sowohl Zeit als auch Geld in Anspruch nimmt.
Problematik war mittelfristig vorhersehbar
Es ist ja nicht nur so, dass die Entwicklung, Herstellung und Einhaltung der behördlichen Vorschriften sehr viel Geld kosten wird. Es kommt auch noch die Verzögerung durch die Herstellung dazu. Bei einem durchschnittlichen E-Reader dauert es oft 4 bis 6 Monate von der Planungsphase über den Formenbau bis zur Massenproduktion. Wer jetzt erst anfängt mit der Planung, wird mit Sicherheit zu spät fertig sein. Diese Firmen könnten ab Einführung des Gesetzes wahrscheinlich nur noch sehr viel weniger Modelle oder gar keine E-Reader mehr innerhalb der EU verkaufen, weil die fest verbauten Akkus untersagt sind. Doch die ganze Problematik war vorhersehbar, das neue Gesetz kommt ja nicht überraschend.
Die chinesischen Hersteller Onyx Boox, Meebook, iFlytek, Viwoods und Bigme sollen sich nach Angaben des Fachblogs GoodReader in der schwierigsten Lage befinden. Es sei fraglich, ob die internen Gespräche über das neue Design schon angefangen haben, vermutet man. Und wie gesagt, die Entwicklung und Produktion neuer Produkte kostet viel Zeit.
Anbieter PocketBook hat seinen Hauptsitz in der Schweiz. Doch auch die aktuellen E-Reader des Herstellers setzen auf fest verbaute Akkus, die die Nutzer nicht ohne Werkzeug austauschen können. Die Firma Remarkable hat seinen Sitz in Norwegen. Lediglich der neue E-Reader Paper Pure verfügt über einen austauschbaren Akku, während dies beim Paper Pro und beim Paper Pro Move (noch) nicht der Fall ist.
Das EU-Batteriegesetz und seine Auswirkungen – unser Fazit
Die größeren E-Reader-Hersteller wie Amazon und Kobo haben entweder schon alles vorbereitet oder sie sind zumindest dabei, die vorgeschriebenen Anpassungen vorzunehmen. Die Konkurrenten reMarkable und Supernote verfügen lediglich über ein oder zwei bestehende Produkte, die der mittelfristig bevorstehenden EU-Richtlinie entsprechen.
Alle anderen Anbieter haben die Entwicklung mehr oder weniger verschlafen. Im Grund genommen bleiben den Unternehmen drei Optionen:
a) Den EU-Markt aufgeben, um sich auf andere internationale Märkte zu konzentrieren.
b) Die Investitionen für die Konstruktion und Produktion neuer Geräte zu tätigen, um sich an das künftige EU-Recht zu halten.
c) Oder last, but not least geben sie ihr Geschäft ganz auf.
Sie haben jetzt die Wahl.
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