Die Irdeto-Tochter Denuvo reichte vor einem US-Bundesgericht Klage gegen den Cracker voices38 ein, der darauf aber sehr entspannt reagierte.
Die Irdeto-Tochter Denuvo ging vor das US-Bundesgericht des nördlichen Distriktes von Kalifornien. Der Beklagte ist niemand anderes als der populäre Cracker „voices38“. Das Unternehmen wirft ihm vor, den selbst entwickelten Kopierschutz bei bisher 26 Windows-Spielen überwunden zu haben. In der Zwischenzeit sind noch weitere Releases dazugekommen.
Auskunftsklagen als mögliches Ziel
Es ist sehr wahrscheinlich, dass Denuvo im weiteren Verlauf des Verfahrens voraussichtlich Auskunftsklagen gegen Reddit, Discord und Valve einreichen wird, um die Identität des Crackers zu enthüllen. Man wird sehen, ob sie damit sonderlich weit kommen werden.
Natürlich hat „voices38“ mit seiner Aktivität die Irdeto-Tochter mächtig herausgefordert. Im Gegensatz zu den Hypervisor-Cracks, die seit Anfang des Jahres im Netz zirkulieren, muss man bei seinen Cracks keine Sicherheitsfunktionen von Windows deaktivieren. Deswegen sind sie mindestens genauso beliebt.
Außerdem zeigt seine Arbeit an seinen Tools offenbar Wirkung. Kürzlich kamen gleich fünf Spiele-Cracks auf einmal heraus. Das wird das Management in Salzburg bestimmt bemerkt haben.
Denuvo zieht gegen „voices38“ vor Gericht
Am Montag leitete die Denuvo GmbH rechtliche Schritte ein. In einer Klageschrift, die den Kollegen von TorrentFreak vorliegt, wirft das österreichische Unternehmen dem unbekannten Cracker vor, ihre Anti-Tamper-Technologie bei 26 Windows-Games umgangen zu haben. Dies verstoße gegen die Anti-Umgehungs-Bestimmungen des US-Urheberrechtsgesetzes (DMCA).
„Der Beklagte ist ein Computer-Hacker, der sich auf Reverse Engineering, Hacking oder das ‚Cracken‘ von Videospielen spezialisiert hat, die Denuvos Anti-Tamper-Produkt nutzen“, schreibt Denuvo in der Klageschrift und erwähnt, dass Reddit einer seiner Veröffentlichungskanäle sei. Ein anderer Ort ist cs.rin.ru, doch an die Forenleitung wird man aufgrund der russischen Domain, FlokiNET als Webhoster und Cloudflare sicher nicht herantreten.
Die 26 in der Klageschrift aufgeführten Spiele sind:
- Need for Speed Heat (Electronic Arts)
- EA Sports FIFA 20 (Electronic Arts)
- Star Wars: Squadrons (Electronic Arts)
- Need for Speed: Hot Pursuit Remastered (Electronic Arts)
- EA Sports FIFA 21 (Electronic Arts)
- Hi-Fi Rush (Bethesda)
- F1 2021 (Electronic Arts)
- Dead Space Remastered (Electronic Arts)
- Doom: The Dark Ages (Bethesda)
- Mafia: The Old Country (2K Games)
- LEGO Batman: Legacy of the Dark Knight (WB Games)
- Hogwarts Legacy (WB Games)
- Total War: Three Kingdoms (SEGA)
- Starlink: Battle for Atlas (Ubisoft)
- Shining Resonance Refrain (SEGA)
- PES 2020 (Konami)
- Shin Megami Tensei III Nocturne HD Remaster (SEGA)
- Scott Pilgrim vs. The World (Ubisoft)
- Anno 1800 (Ubisoft)
- Sonic Frontiers (SEGA)
- Assassin’s Creed Mirage (Ubisoft)
- Pragmata (Capcom)
- Resident Evil Requiem (Capcom)
- Black Myth Wukong (Game Science)
- Stellar Blade (Sony)
- 007 First Light (IO Interactive)
Klage: DRM-Aushebelung statt Urheberrechtsverletzung
Denuvo besitzt selbst natürlich kein Urheberrecht an den 26 illegal verbreiteten Spielen. Somit kann die Irdeto-Tochter auch niemanden wegen klassischer Urheberrechtsverletzungen verklagen. Das wäre der „Job“ des jeweiligen Publishers, sofern es einen gibt.
Stattdessen stützt sich Denuvos Klage auf die Anti-Umgehungs-Bestimmungen des DMCA. Nach diesem Abschnitt des US-Urheberrechts ist es verboten, eine digitale Sperre zu umgehen, die den Zugriff auf ein urheberrechtlich geschütztes Werk kontrolliert. Man darf auch keine Werkzeuge oder Anleitungen verbreiten, die Dritten bei der Umgehung des Urheberrechtsschutzes unterstützen.
Sofern jemand durch die Aushebelung der DRM-Maßnahmen einer Partei Schaden zufügt, darf dieser eine Klage einreichen. Denuvo argumentiert, ihr Geschäft basiere darauf, den Anti-Tamper-Schutz zu verkaufen, weswegen der Cracker ihr Geschäft beeinträchtigt.
Soweit bekannt ist, hat Denuvo das erste Mal überhaupt eine Klage gegen einen Cracker eingereicht. Obwohl in der Klage Spieletitel und deren jeweilige Rechteinhaber genannt werden, ist keiner der Publisher am Rechtsstreit beteiligt. Zur Erinnerung: Bei der Causa Voksi hatte Irdeto lediglich eine Strafanzeige gestellt. Voksi versuchte sich im Sommer 2018 außergerichtlich mit ihnen zu einigen. Man lehnte dies ab mit dem Hinweis, dass die Sache in den Händen der bulgarischen Staatsanwaltschaft liegen würde.
Was bringt es Denuvo, einen Unbekannten anzuklagen?
Denuvo hat jede Menge Vorarbeit geleistet. In der Einreichung führt man eine Discord-User-ID, einen Reddit-Account und sieben Steam-Profile auf, von denen man glaubt, dass der Cracker sie kontrollieren würde. Mit der anhängigen Klage kann die Irdeto-Tochter beim Gericht die Erlaubnis beantragen, Valve, Reddit und Discord vorzuladen. Die Subpoena dient dazu, die zugehörigen Account-Daten einzufordern. Eine entsprechende gerichtliche Anordnung liegt laut Torrentfreak noch nicht vor. Das wird aber nur eine Frage der Zeit sein.
Sollte es zu einem Versäumnisurteil kommen, wird es für den Kläger einfacher sein, Betreiber von Plattformen dazu zu drängen, Konten und Download-Links zu entfernen.
Was fordert man vom Angeklagten?
Die Klage fordert von der unbekannten Person die Zahlung von Schadenersatz nebst einer einstweiligen Verfügung, die es „voices38“ verbieten würde, ihren Schutz in Spielen zu umgehen. Dies würde auch künftige Games mit einschließen.
„voices38“ reagiert tiefenentspannt
Der angeklagte Cracker reagierte bei Reddit zwischenzeitlich auf die Nachrichten. Alles sei prima und werde im normalen Rahmen weitergehen, schrieb er, siehe Screenshot oben. Jetzt spekuliert man natürlich, ob sich der Programmierer womöglich in einem Land aufhält, welches gar keine Klage zustellen und ihn auch nicht an die USA ausliefern würde, sollte man dies beantragen.





















