Illustration in dunklen Blau- und Rottönen: Eine Kette leuchtender Kryptowährungstransaktionen zieht sich durch ein digitales Netzwerk, während eine forensische Lupe den Spuren zu einer anonymen Silhouette hinter Verschlüsselungsschichten folgt. Im Hintergrund sind Bruchstücke eines Gerichtsdokuments, Vorladungspapiere und ein Gaming-Monitor zu sehen.
Zwischen Code und Gericht: Der Kampf um Denuvos Kopierschutz.
Bildquelle: Google Gemini

Voices38: Trotz Denuvo-Klage crackt er schon die nächsten Spiele

Voices38 crackt trotz Denuvo-Klage weiter: Neue Releases, Krypto-Spuren und Vorladungen gegen Discord, Valve und Reddit heizen den Streit an.

Irdeto-Tochter Denuvo will die Identität von Voices38 vor Gericht aufdecken und nimmt dafür Discord, Valve und Reddit ins Visier. Das österreichische Unternehmen hat eine vorgezogene Beweiserhebung beantragt, um über die drei Plattformen an Informationen zum unbekannten Spiele-Cracker zu gelangen. Doch während die juristische Schlinge eigentlich enger werden soll, sind mit Atomfall, einem neuen Dead Space-Crackfix und The Adventures of Elliot: The Millennium Tales gleich mehrere neue Veröffentlichungen von Voices38 aufgetaucht.

Denuvo will Voices38 enttarnen

Der Rechtsstreit zwischen Denuvo und Voices38 geht in die nächste Runde. Die Irdeto-Tochter hatte am 14. September 2026 vor einem US-Bundesgericht in Kalifornien Klage gegen den bisher nicht identifizierten Spiele-Cracker eingereicht. Denuvo wirft Voices38 vor, den Anti-Tamper-Schutz bei insgesamt 26 Spielen umgangen zu haben. Auf der Liste stehen unter anderem Hogwarts Legacy und Black Myth: Wukong.

Denuvo entwickelt und vertreibt den Anti-Tamper-Kopierschutz. Auf diesen setzen zahlreiche Spielehersteller, um ihre Titel vor Raubkopien zu schützen. Unter Spielern ist die Technik allerdings umstritten. Diesbezügliche Kritik deutet darauf hin, dass der DRM-Schutz die Performance beeinträchtigen oder den Spielfluss ausbremsen könne. Denuvo selbst widerspricht einer pauschalen Darstellung und verweist darauf, dass vor allem die konkrete Integration und Ausführung des Schutzes für die tatsächliche Leistung entscheidend sei.

Denuvo sieht sich vor dem Problem, die Identität seines Gegners nicht zu kennen. In der Klageschrift stehen lediglich ein Discord-Nutzerkonto, ein Reddit-Account sowie sieben Steam-Profile als mögliche Anknüpfungspunkte. Deshalb versucht das Unternehmen nun, über diese Plattformen an die Personalien von Voices38 zu gelangen.

Entsprechend beantragte Denuvo am 2. Oktober 2026 beim zuständigen US-Gericht eine „expedited discovery“. Die vorgezogene Beweiserhebung soll Denuvo ermöglichen, noch vor der regulären Beweisaufnahme Vorladungen an Discord, Valve und Reddit zu richten, um die Identität und Anschrift des bisher unbekannten Beklagten zu ermitteln.

Denuvo jagt Voices38 über Discord, Valve und Reddit

Von Valve verlangt Denuvo Registrierungsdaten, Namen und Rechnungsadressen zu den sieben identifizierten Steam-Konten. Hinzukommen sollen Zahlungsarten, Transaktionshistorien, IP-Adressen samt Zeitstempeln, Gerätekennungen und Informationen über verknüpfte Accounts. Konkret hat Denuvo sieben Steam-Profile ins Visier genommen, die das Unternehmen mit Voices38 in Verbindung bringt. Eines dieser Profile ist unter „Enzo Favara“ registriert, dem Namen des Hauptcharakters aus Mafia: The Old Country. Gerade diesen Titel führt Denuvo ebenfalls unter jenen Games auf, deren Anti-Tamper-Schutz Voices38 geknackt haben soll. TorrentFreak weist darauf hin, dass die Profile selbst nur wenig Aktivität aufweisen. Die von Valve angeforderten Zahlungs- und Verbindungsdaten könnten Denuvo deshalb weitere Anhaltspunkte liefern, um die verschiedenen digitalen Spuren miteinander zu verknüpfen.

Bei Discord geht es um Kontodaten sowie die Server, denen der betreffende Account angehört, und dessen dortige Rollen. Reddit soll Informationen über das Konto von Voices38 liefern, darunter sämtliche Beiträge und Kommentare sowie die Subreddits, denen der Nutzer angehört.

Denuvo hatte Discord, Valve und Reddit bereits zuvor kontaktiert. Wie TorrentFreak berichtet, verwiesen Valve und Reddit dabei auf ihre Datenschutzrichtlinien. Sie wollten Nutzerdaten ohne entsprechende rechtliche Grundlage nicht herausgeben. Discord habe überhaupt nicht reagiert. Daraufhin beantragte Denuvo beim Gericht die Erlaubnis, die drei Plattformen per Vorladung zur Herausgabe der gewünschten Daten zu zwingen. Nun soll das Gericht entscheiden, ob Denuvo die beantragten Vorladungen verschicken darf.

Voices38 im Visier von Denuvo: anonymer Cracker zwischen DRM-Schutz und juristischer Verfolgung
Denuvo folgt den digitalen Spuren von Voices38.

Denuvos Weg zu den Nutzerdaten

Der US-amerikanische Rechtsanwalt Ihor Makushinsky ordnet den Schritt auf Lawyerd als üblichen Weg ein, um bei einem unbekannten Beklagten dessen Identität über Doe-Verfahren zu ermitteln. Er verweist dabei auch auf eine hier zutreffende rechtliche Besonderheit. Weil sich Denuvos Klage auf die Umgehung technischer Schutzmaßnahmen nach § 1201 DMCA bezieht, greift nicht das spezielle DMCA-Verfahren nach § 512(h), mit dem sich bei mutmaßlichen Urheberrechtsverletzungen unter bestimmten Voraussetzungen die Herausgabe von Nutzerdaten verlangen lässt. Stattdessen versucht Denuvo, die Identität von Voices38 über eine gerichtliche vorgezogene Beweiserhebung im bereits laufenden Doe-Verfahren zu ermitteln.

Denuvo will mehr als nur Voices38s Namen

Neben der Identifizierung von Voices38 geht es Denuvo auch um finanzielle und gerichtliche Konsequenzen. Die Klage zielt auf Schadenersatz sowie eine einstweilige Verfügung ab, die Voices38 daran hindern soll, Denuvos Anti-Tamper-Schutz bei Spielen zu umgehen. Die beantragte Verfügung soll dabei nicht nur bereits veröffentlichte Titel betreffen, sondern auch künftige Spiele mit dem DRM-Schutz einschließen.

Denuvo folgt Voices38 auf die Blockchain

Denuvo nutzt offenbar auch eigene Ermittlungen zur Identitätsaufdeckung des Spiele-Crackers. In einer dem Antrag beigefügten Erklärung des Denuvo-Anwalts Ryan Morris ist von Kryptowährungstransaktionen die Rede, die das Unternehmen mit Voices38 in Verbindung bringt. Konkret werden Bitcoin, Ethereum und Solana genannt. Die Transaktionen sollen über die Krypto-Börse FixedFloat gelaufen sein.

Wie Denuvo diese Transaktionen konkret Voices38 zuordnen konnte, geht aus den Unterlagen allerdings nicht hervor. Auch ob sich daraus Hinweise auf seine Identität ergeben, bleibt offen. Möglicherweise liefert Voices38 Denuvo die entscheidende Spur sogar selbst. In seinem NFO u.a. zum Atomfall-Release bittet der Cracker um finanzielle Unterstützung per Kryptowährung. Er veröffentlicht dafür Wallet-Adressen für mehrere Kryptowährungen, darunter Bitcoin, Ethereum, Solana, XRP, Litecoin, Dogecoin und BNB.

Unklar bleibt zudem, warum Denuvo in seinem aktuellen Antrag nicht auch eine Vorladung von FixedFloat beantragt hat. FixedFloat ist ein vollautomatisierter Dienst zum Austausch von Kryptowährungen. Seinen Service bewirbt er als unkompliziert. Der Dienst kommt dabei ohne Registrierung und unnötige Angaben aus.

Und Voices38? Der Cracker liefert unbeirrt weiter

Eigentlich hätte die juristische Offensive für Denuvo ein Erfolgssignal sein können. Nach der Klage herrschte bei Voices38 zunächst immerhin Funkstille. Am 7. Oktober tauchte im Subreddit r/CrackWatch zunächst ein Atomfall-Release des Reddit-Kontos u/voices38 auf. Die Veröffentlichung ist 53,8 GB groß. Rebellions Action-Survival-Spiel erschien bereits im März 2025 und verwendet Denuvo Anti-Tamper.

Voices38 hatte nach Bekanntwerden der Klage zumindest noch erklärt: „All is fine. Everything will continue as normal.“ Nun sieht es tatsächlich wieder nach Normalbetrieb aus. Damit war es aber noch nicht getan.

Nur wenige Stunden später folgte ein überarbeiteter Crack für Dead Space Remake, der den Titel „REAL CRACKFIX“ trägt. Das Release wurde ebenso über das Reddit-Konto u/voices38 bei CrackWatch veröffentlicht. In der Beschreibung heißt es, der Crack sei mit den neuesten Werkzeugen komplett neu erstellt worden. Probleme der ursprünglichen Version und des ersten Crackfixes seien damit behoben.

Voices38 veröffentlicht einen „REAL CRACKFIX“ für Dead Space Remake
Voices38 legt beim Dead Space Remake mit einem „REAL CRACKFIX“ nach.

Kurz darauf folgte ebenfalls über das Konto u/voices38 ein Release von The Adventures of Elliot: The Millennium Tales. Der entsprechende Beitrag nennt eine Release-Größe von 15,8 GB. Das Spiel von Square Enix erschien am 18. Juni 2026 ebenfalls mit Denuvo. Damit stehen innerhalb kürzester Zeit gleich drei Voices38-Releases auf der Liste – auch wenn es sich bei Dead Space technisch um einen neuen Crackfix und nicht um den erstmaligen Crack des Spiels handelt.

Voices38 veröffentlicht trotz der Denuvo-Klage weiterhin neue Cracks
Trotz Klage im Nacken: Voices38 liefert weiter neue Cracks.

DenuvOwO zieht die Reißleine

Auch die Gruppe DenuvOwO hatte sich auf die Umgehung des Denuvo-Kopierschutzes spezialisiert. Bei ihren Veröffentlichungen setzte sie auf Hypervisor-Bypasses. Dabei wird die Hardware-Umgebung so beeinflusst, dass das Spiel eine regulär erscheinende Umgebung vorzufinden glaubt. Denuvos Schutz lässt sich auf diese Weise umgehen, ohne ihn direkt im Spiel abschalten zu müssen. Voices38 verfolgt hingegen einen anderen Ansatz und greift direkt in den Denuvo-Schutz des jeweiligen Spiels ein.

DenuvOwO zieht nun offenbar die Reißleine. Wie der Reddit-User Itchy-Chest8536 vor elf Tagen mitteilte, hat sich DenuvOwO offiziell aufgelöst. Als Grund wird in dem Reddit-Beitrag die laufende Klage gegen Voices38 genannt. In den Kommentaren heißt es zudem, ein Mitglied der Gruppe habe auf Nachfrage die Auflösung bestätigt.

Was für DenuvOwO Grund zum Aufhören ist, erweist sich für Voices38 keineswegs als Bremsklotz für den Crack-Support. Einerseits erhöht Denuvo den juristischen Druck, andererseits antwortet Voices38 derweil auf seine eigene Art, nämlich mit neuen Cracks.

Über

Antonia ist bereits seit Januar 2016 Autorin bei der Tarnkappe. Eingestiegen ist sie zunächst mit Buch-Rezensionen. Inzwischen schreibt sie bevorzugt über juristische Themen, wie P2P-Fälle, sie greift aber auch andere Netzthemen, wie Cybercrime, auf. Ihre Interessen beziehen sich hauptsächlich auf Literatur.