Kindle Lizenzen
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Bildquelle: @felirbe, Lizenz

Amazon sperrt Kindle-Lizenzen auf alten Geräten – Kunden bleiben auf ihren E-Books sitzen

Alte E-Book-Reader verlieren den Support, doch Amazon blockiert weiter die Kindle-Lizenzen für die E-Books. Wie können Kunden damit umgehen?

Hersteller Amazon hat den Support für die ersten fünf Kindle-Generationen eingestellt. Für viele Nutzer zeigt sich nun ein unerwartetes Problem: Die E-Books auf den nicht mehr unterstützten Lesegeräten belegen weiterhin wertvolle Download-Lizenzen. Leider bietet Amazon keine transparente Möglichkeit, die Kindle-Lizenzen wieder freizugeben.

Bei den meisten Kindle-E-Books dürfen Käufer ein Buch gleichzeitig auf bis zu sechs Geräten oder Apps nutzen. Wird dieses Limit erreicht, muss das Werk von einem Gerät entfernt werden, bevor eine weitere Installation möglich ist. Genau hier beginnt das Problem für Besitzer älterer Kindle-Reader.

Obwohl Amazon die betroffenen Geräte offiziell aus dem Support genommen hat, erscheinen die darauf gespeicherten eBooks weiterhin in der Inhaltsverwaltung des Kundenkontos. Man zieht sie nicht ab. Die Option, diese Downloads zu entfernen, ist jedoch deaktiviert. Gleichzeitig hat Amazon die Möglichkeit gestrichen, ältere Kindle-Modelle über die Webseite selbstständig vom Konto zu entfernen.

Kunden werden im Unklaren gelassen

Besonders kritisch ist, dass Amazon seine Kunden vorab offenbar nicht über diese Konsequenzen informiert hat. Weder auf den Hilfeseiten noch in den Benachrichtigungen zur Einstellung des Supports finden sich Hinweise darauf, dass Download-Lizenzen dauerhaft blockiert bleiben könnten.

Wer seine E-Books vor dem Stichtag nicht manuell entfernt hat, riskiert nun, einen Teil seiner erworbenen Nutzungsmöglichkeiten dauerhaft zu verlieren. Für digitale Inhalte, die Kunden gekauft haben, ist das ein fragwürdiger Umgang mit bestehenden Nutzungsrechten.

Der Fall zeigt erneut die Schattenseiten geschlossener Ökosysteme: Nutzer erwerben keine klassischen Eigentumsrechte an ihren digitalen Büchern. Sie besitzen lediglich Nutzungsrechte, deren Umfang letztlich der Plattformbetreiber kontrolliert. Und der kann die Regeln ändern, in welcher Form und wann immer er das tun möchte. Über die stillschweigend geänderte Update-Garantie der älteren Reader von Amazon haben wir kürzlich ausführlich berichtet.

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Kindle-Lizenzen: Drei mögliche Lösungswege

Betroffene Anwender berichten derzeit von unterschiedlichen Workarounds:

  • Manche Nutzer konnten die Lizenz zurückerhalten, indem sie das E-Book direkt auf dem alten Kindle löschten. Anschließend haben sie eine Synchronisierung durchgeführt.
  • Andere berichten, dass das alte Gerät automatisch aus der Lizenzverwaltung verschwindet, wenn das betreffende Buch auf sechs neueren Geräten oder Apps heruntergeladen wird.
  • Als letzte Möglichkeit bleibt der Kontakt zum Amazon-Kundendienst, der die veralteten Geräte teilweise manuell aus dem Kundenkonto entfernt.

Ob diese Methoden zuverlässig funktionieren, ist bislang unklar. Die Berichte der betroffenen Kunden widersprechen sich teilweise.

Digitale Abhängigkeit zeigt sich erneut

Der Vorfall verdeutlicht einmal mehr, wie abhängig Käufer digitaler Medien von den Entscheidungen großer Plattformanbieter sind. Wer ein gedrucktes Buch kauft, muss nicht befürchten, dass ein Hersteller Jahre später den Zugriff darauf indirekt einschränkt. Bei digitalen Inhalten sieht die Realität häufig anders aus.

Amazon wäre gut beraten, die Situation transparent zu erklären und betroffenen Kunden eine offizielle Lösung anzubieten. Solange dies nicht geschieht, bleibt der Eindruck bestehen, dass erworbene Kindle-Lizenzen für E-Books durch die Abschaltung alter Geräte faktisch als Geiseln eines proprietären Systems zurückbleiben. Wer hat schon Lust, für das gleiche Buch mehrfach Geld auszugeben, nur weil der Hersteller eine ältere Gerätegeneration nicht mehr unterstützen möchte?

Raus aus dem Amazon-Ökosystem?

Wer derartige Überraschungen vermeiden will, muss sich für ein Ökosystem ohne DRM entscheiden. Es gibt genügend Geräte, die E-Books anzeigen, die man lediglich mit einem digitalen Wasserzeichen versehen hat. Tolino*, das PocketBook, Kobo oder Onyx Boox sind nur ein paar Beispiele von vielen. Tolino-Geräte unterstützen EPUB-Dateien mit und ohne Kopierschutz und gelten als besonders offen gegenüber verschiedenen Buchhändlern.

Wasserzeichen sind aber streng genommen gar kein DRM, sondern eher eine Abschreckungsmaßnahme. Der Käufer behält die Kontrolle über seine Datei. Wer sein gekauftes Werk illegal verbreitet, muss mit juristischen Konsequenzen rechnen. Das echte Digital Rights Management (DRM) hingegen verlagert die Kontrolle auf den Anbieter. Genau deshalb zeigt der aktuelle Kindle-Fall, welche Risiken mit geschlossenen Plattformen verbunden sind.

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Lars Sobiraj

Über

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Früher brachte Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmerinnen und Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert. In seiner Freizeit geht er am liebsten mit seinem Hund spazieren.