Neue DRM-Technik blockiert DeDRM auf älteren Kindle-Readern.
Neue DRM-Technik blockiert DeDRM auf älteren Kindle-Readern.
Bildquelle: ChatGPT

Amazon verschärft Kindle-DRM: KFX-ZIP blockiert DeDRM auf alten Readern

Neue KFX-ZIP-Dateien blockieren DeDRM auf älteren Readern. Nutzer verlieren zunehmend die Kontrolle über ihre E-Books.

Amazon verschärft erneut sein Kindle-DRM und treibt damit die Abschottung des eigenen E-Book-Ökosystems weiter voran. Berichten zufolge erhalten einige ältere Kindle-Reader derzeit E-Books in einem neuen Dateiformat, das sich mit bisherigen Methoden nicht mehr entschlüsseln lässt. Für viele Nutzer wird der Zugriff auf ihre gekauften E-Books durch die Maßnahme stärker eingeschränkt.

Amazon verschärft Kindle-DRM auf älteren Readern

Laut dem Blog The E-Book Reader häufen sich in letzter Zeit Berichte von Kindle-Nutzern, die Probleme beim Entfernen des DRM-Schutzes ihrer E-Books melden. Hintergrund ist eine Änderung am Kopierschutz, die Amazon erst kürzlich eingeführt hat. Bisher galt der verschärfte DRM-Schutz hauptsächlich für neuere Kindle-Modelle mit Firmware-Version 5.18.5 oder höher. Nun deutet vieles darauf hin, dass Amazon ähnliche Einschränkungen auch auf ältere Geräte ausweitet.

Besonders betroffen ist offenbar die Firmware-Version 5.16.2.1.1. Sie wurde zuletzt im August 2023 auf Kindle-Modellen der 7., 8. und 9. Generation installiert, darunter Kindle, Kindle Paperwhite und Kindle Oasis. Reader mit neuerer Software scheinen davon nicht erfasst zu sein. Bemerkenswert ist, dass diese Änderungen auftreten, obwohl der Update-Support für die jeweiligen Geräte bereits seit Jahren ausgelaufen ist.

Dennoch liefert Amazon neu gekaufte E-Books auf diesen Readern aktuell teilweise in einem anderen Format aus. Statt der sonst üblichen KFX-Dateien werden einige Titel nun im KFX-ZIP-Format bereitgestellt.

Dieser neue DRM-Mechanismus sorgt dafür, dass bekannte Werkzeuge zur Entfernung des Kopierschutzes, etwa das populäre DeDRM-Plugin für Calibre (Apprentice Alf), derzeit nicht mehr funktionieren.

Neuer Kopierschutz blockiert DeDRM-Tools

Der maßgebliche Unterschied liegt in der technischen Umsetzung der Verschlüsselung. Während Kindle-E-Books bisher überwiegend im KFX-Format ausgeliefert wurden, setzt Amazon nun teilweise auf ein verpacktes KFX-ZIP-Format. Dabei werden mehrere Komponenten der Datei in einem Archiv zusammengefasst, was die Verarbeitung für externe Tools erschwert.

Für Programme wie das DeDRM-Plugin für Calibre bedeutet dies zusätzliche Hürden. Die zuvor genutzten Methoden zur Entschlüsselung greifen bei diesen Dateien gerade häufig nicht mehr. Nutzer berichten deshalb vermehrt davon, dass sich neu heruntergeladene Kindle-E-Books nicht mehr erfolgreich entschlüsseln lassen.

Im Issue-Tracker des GitHub-Projekts DeDRM_tools häufen sich entsprechende Fehlermeldungen. Dort schildern Anwender, dass bestimmte Titel trotz der üblichen Vorgehensweise weiterhin DRM-geschützt bleiben.

DRM-Änderung offenbar ohne Software-Update

Ungewöhnlich dabei ist, dass Amazon den Kindle-Kopierschutz verschärft hat, ohne ein Firmware-Update auf die betroffenen Kindle-Reader auszurollen. Normalerweise wäre eine solche Änderung am Dateiformat nur mit einer aktualisierten Software möglich. In diesem Fall scheint Amazon jedoch einen Weg gefunden zu haben, den Kopierschutz serverseitig anzupassen, während die Reader selbst unverändert bleiben. Möglicherweise war die Unterstützung für das neue DRM-Verfahren bereits in der Firmware vorhanden und wurde erst jetzt aktiviert.

Amazon baut sein geschlossenes Kindle-Ökosystem weiter aus

Dass Amazon strengeren E-Book-Kopierschutz implementiert, überrascht Beobachter kaum. Der Konzern versucht seit Jahren, sein Kindle-Ökosystem möglichst geschlossen zu halten.

Digitale Bücher im Käfig: Amazons DRM hält Kindle-E-Books im eigenen Ökosystem fest.
Digitale Bücher im Käfig: Amazons DRM hält Kindle-E-Books im eigenen Ökosystem fest.

Während andere E-Book-Händler zunehmend auf weichere DRM-Systeme oder sogar DRM-freie Downloads setzen, verfolgt Amazon weiterhin eine restriktive Strategie mit dem Ziel, Nutzer möglichst dauerhaft im eigenen Ökosystem aus Kindle-Readern, Apps und Amazon-Konten zu halten. Auch die aktuelle Änderung zeigt, dass der Konzern die Kontrolle über die Nutzung seiner digitalen Inhalte behalten will.

Alternativen zu Kindle-DRM

Trotz der verschärften DRM-Maßnahmen suchen manche Nutzer weiterhin nach Möglichkeiten, ihre gekauften E-Books aus dem geschlossenen Kindle-Ökosystem zu befreien. Neben klassischen Werkzeugen wie Calibre tauchen zudem neue Tools auf, die versuchen, Amazons Kopierschutz zu umgehen.

Eine dieser Lösungen ist BookFab. Die Software arbeitet mit lokal gespeicherten Dateien aus Kindle für PC und ermöglicht es auch aktuell noch, Kindle-E-Books vom DRM zu befreien und anschließend in offene Formate wie EPUB umzuwandeln. Auf diese Weise lassen sich die Bücher auf anderen E-Readern oder Anwendungen nutzen. Wir hatten bereits über eine entsprechende Version berichtet, die nach Angaben der Entwickler in der Lage ist, Amazons Kopierschutz zu umgehen.

Allerdings zeigt die derzeitige Entwicklung, wie schnell sich die Lage in diesem Bereich ändern kann. Amazon verschärft sein DRM regelmäßig und versucht, bekannte Schlupflöcher konsequent zu schließen. Tools, die heute funktionieren, können morgen hingegen schon wieder nutzlos sein.

Kindle-DRM schränkt Nutzer weiter ein

Amazon verschärft Kindle-DRM erneut und zeigt damit, wie stark der Konzern sein E-Book-Ökosystem kontrolliert. Wer E-Books bei Amazon kauft, erwirbt letztlich keine frei nutzbare Datei, sondern eine stark kontrollierte Lizenz innerhalb eines geschlossenen Systems, das mit der Maßnahme erneut enger wird.

Langfristig besteht für Leser jedoch noch die Möglichkeit, auf Anbieter auszuweichen, die ihre E-Books direkt im EPUB-Format anbieten oder ganz auf Kopierschutz verzichten. Diese lassen sich dann problemlos auf unterschiedlichen E-Readern verwenden und dauerhaft archivieren.

Über

Antonia ist bereits seit Januar 2016 Autorin bei der Tarnkappe. Eingestiegen ist sie zunächst mit Buch-Rezensionen. Inzwischen schreibt sie bevorzugt über juristische Themen, wie P2P-Fälle, sie greift aber auch andere Netzthemen, wie Cybercrime, auf. Ihre Interessen beziehen sich hauptsächlich auf Literatur.