Amazon beendet den Kindle-Support für Altgeräte. Viele Nutzer retten ihre E-Book-Reader jetzt per Jailbreak vor dem Elektroschrott.
Ob der Hersteller mit seiner Strategie für mehr Schrott sorgen will? Auf jeden Fall zwingt man die Kunden zum Kauf von neuen Kindle-Geräten. Amazon hat den offiziellen Support für zahlreiche ältere Kindle-Modelle eingestellt. Betroffen sind unter anderem Geräte der ersten und zweiten Generation, Kindle DX, Kindle Touch sowie diverse Kindle-Fire-Tablets aus dem Jahr 2012 oder älter. In der Modding- und Jailbreak-Szene sorgt die Entscheidung bereits für neue Aktivitäten.
Alte Kindle-Geräte nur noch eingeschränkt nutzbar
Die E-Book-Reader funktionieren zwar weiterhin eingeschränkt, doch neue Bücher lassen sich auf vielen Geräten künftig nicht mehr direkt über Amazon kaufen. Bereits heruntergeladene Inhalte sind von der Sperre nicht betroffen. Zudem können Nutzer weiterhin eigene E-Books per USB aufspielen – etwa DRM-freie Titel von Portalen wie Project Gutenberg oder Standard Ebooks. Oder man nutzt Schwarzkopien von E-Books, was allerdings verboten ist.
In einschlägigen Foren und auf Reddit diskutieren Besitzer der Altgeräte inzwischen verstärkt über alternative Firmware-Lösungen und Jailbreaks. Ziel ist es meist, die künstlichen Einschränkungen des Herstellers zu umgehen und den Reader technisch weiterzuverwenden. Beliebt sind unter anderem eine zusätzliche EPUB-Unterstützung, alternative Reader-Apps, eigene Bildschirmschoner oder komplett modifizierte Benutzeroberflächen.
E-Book-Reader in der Modding-Szene beliebt
Gerade in der Modding-Szene gelten ältere Kindle-Geräte seit Jahren als interessante Bastelplattform. Einige Nutzer verwandeln die stromsparenden E-Ink-Displays sogar in digitale Bilderrahmen, Status-Dashboards oder Smart-Home-Anzeigen.
Technisch basiert vieles auf bekannten Jailbreak-Projekten aus der Szene, die teilweise seit über zehn Jahren gepflegt werden. Besonders häufig fällt dabei der Name „Calibre“, eine Open-Source-Software zur Verwaltung und Konvertierung von E-Books.
Rechtlich bewegt sich das Thema wie so oft in einer Grauzone. Das reine Jailbreaking eigener Hardware ist in vielen Ländern grundsätzlich legal, kann jedoch gegen Amazons Nutzungsbedingungen verstoßen. Juristisch kritisch wird es aber erst, wenn man urheberrechtlich geschützte Inhalte oder eine modifizierte Firmware illegal verbreitet.
Warum Hersteller ihre eigene Hardware ausmustern
Für viele Nutzer ist die aktuelle Entwicklung ein weiteres Beispiel dafür, wie Hersteller funktionierende Hardware künstlich altern lassen. Apple macht es mit seinen Geräten ganz genauso. Irgendwann bekommt man keine neue Betriebssystem-Version mehr, Wochen später streiken die ersten Programme, weil sie unbedingt die neueste Version benutzen wollen. Entsprechend groß ist der Zuspruch innerhalb der Szene für Projekte, die alten Geräten per Community-Hacks ein zweites Leben ermöglichen sollen. Ansonsten könnte man die E-Book-Reader nur noch wegwerfen oder verschenken. In den USA bietet Amazon dafür sogar ein eigenes Recycling-Programm an.


















