Grimmory, Booklore
Grimmory, Booklore
Bildquelle: ChatGPT

Grimmory hat BookLore abgelöst: eine E-Book-Verwaltung ohne Cloud-Zwang

Grimmory ist eine Open-Source-Software zur Verwaltung der eigenen digitalen Bibliothek, die man auf dem NAS oder Server selbst hostet.

Grimmory ist auch bekannt als das „Netflix für Bücher“. Damit kann man recht bequem Comics, E-Books und Hörbücher durchsuchen, verwalten, lesen, mit anderen Geräten synchronisieren. Zudem kann man Notizen einfügen, Werke teilen und vieles mehr. Das geht alles ohne externen Anbieter, ohne Cloud-Zwang und ohne Angst vor geteilten Daten, weil diese auf dem eigenen Server oder NAS liegen.

Aus BookLore wurde Grimmory

Als wir BookLore mit Calibre verglichen haben, ging es um die praktische Frage, welche Lösung im Alltag besser zum Workflow mit E-Books passt. Inzwischen hat sich vieles verändert. Nicht wegen neuer Funktionen, sondern wegen des handfesten Bruchs im Projekt. BookLore heißt jetzt Grimmory. Für Nutzer, die den Dienst bereits genutzt haben, ist der technische Wechsel minimal, wenn man ihn mit dem Skandal darum vergleicht.

Nach dem Eklat war das Repo weg

Mitte März ging es um Vorwürfe zum Umgang des bisherigen Entwicklers mit Mitwirkenden und darum, ob das Ganze aufgrund des unsauberen Codes des Hauptmaintainers lediglich ein Vibe-Coding-Projekt ist. Derartige Quellcodes realisieren die Programmierer ohne ausreichende Planung. Viele entstanden durch reines Ausprobieren und sind somit eher experimentell und fehlerhaft.

Auch Fragen zur passenden Lizenz für BookLore standen im Raum. Kurz darauf verschwand das Repository, ebenso alle Kopien im Dockerhub und GHCR. Erklärung: GHCR ist ein Dienst von GitHub, mit dem man Container-Images (zum Beispiel für Docker) speichern, versionieren und verteilen kann.

Nutzer, die BookLore einfach für die eigene Bibliothek genutzt haben, wollten vor allem wissen, ob das Projekt jetzt überhaupt noch weiterläuft oder ob es von jetzt auf gleich in der Versenkung verschwindet. Beim routinemäßigen Update der Docker-Instanzen fiel auf, dass plötzlich kein neues Image mehr verfügbar war. Das ging weder bei Github, GHCR oder dem Docker Hub.

Grimmory führt BookLore unter neuem Namen weiter

Die Software macht aus ihrer Herkunft kein Geheimnis. Im Repository steht, dass Grimmory der direkte Nachfolger von BookLore ist. Dort beschreibt man auch, wie der Wechsel aus einer bestehenden Installation funktioniert. Unter dem neuen Namen gibt es inzwischen auch eigene, saubere und funktionstüchtige Releases. Das muss man aber erst einmal wissen. Ohne eine langwierige nächtliche Recherche wären wir nie darauf gestoßen.

Auch im Changelog hat man den Namenswechsel direkt und offen vermerkt. Dort tauchen umbenannte Oberflächen, angepasste Übersetzungsschlüssel und der neue Projektname an mehreren Stellen auf. Der Fork verschleiert also nicht seine Verbindung zu BookLore, wie es bei manchen anderen Software-Entwicklungen in der Vergangenheit der Fall war.

Grimmory, Docker
Schlechte Karten für Umbel. Grimmory läuft derzeit nur mit Docker.

Wer die alten Daten noch hat, muss meist nichts neu importieren

Für viele Booklore-Benutzer ist das ein entscheidender Vorteil. Beim Wechsel von einer bestehenden Booklore-Installation sollen Service-Name, der Name des Containers, der Datenbank und Nutzer, Ports und gemountete Volumes unverändert bleiben. Im Kern tauscht man nur das Image von Booklore gegen das von Grimmory aus. Wer die alten Pfade und MariaDB noch hat, muss die Bibliothek daher in 99 % aller Fälle nicht neu importieren. Grimmory knüpft dann wieder an den alten Bestand an. Das gilt aber nur bei einer Docker-Installation.

e-book

Auf Umbrel sieht es in dieser Hinsicht im Moment jedoch recht düster aus. Im App Store steht weiterhin BookLore, dort ist Version 2.2.0 als letzter Stand aufgeführt, mit einem Update von vor drei Tagen. Von Grimmory fehlt dort bisher jede Spur. Im Haupt-Repo von Umbrel kann man ebenfalls nichts finden. Aber auch in den größeren Community-Repos kann man bislang nichts entdecken.

Wie es mit bereits angelegten Bibliotheken auf Umbrel weitergeht, ist damit aktuell leider noch offen. Wir werden natürlich zeitnah berichten, sobald es diesbezüglich irgendwelche Änderungen gibt. Die öffentlich sichtbare Grimmory-Anleitung beschreibt nur den Wechsel von einer bestehenden BookLore-Installation direkt in Docker. Einen eigenen Workaround für Umbrel gibt es noch nicht. Vielleicht wird so etwas ja noch hinzugefügt.

MariaDB

Sind die alten Daten weg, bleibt nur ein Neustart

Anders sieht es aus, wenn man neben dem Container auch den Bücherordner, BookDrop-Ordner und die essenzielle Datenbank gelöscht hat. Dann kann man nichts mehr übernehmen. In diesem Fall bleibt als Option nur eine saubere Neuinstallation von Grimmory übrig. Wenn jedoch noch die Daten aufbewahrt hat, dann kann Grimmory sie problemlos weiterverwenden. Hoffentlich habt ihr euer Bücherverzeichnis und eure MariaDB noch nicht gelöscht?!

Endlich hat man auch an uns deutschsprachige Nutzer gedacht – direkt beim Fork. Was Booklore ewig nicht hinbekommen hat, ist beim Fork direkt Standard. Deutsch ist als Frontend-Oberfläche neben weiteren Sprachen sauber enthalten. Das ewige Betteln und Bitten, das bei Booklore nicht gehört wurde, hat hier von Beginn an ein Ende. Warum man Übersetzungen bei Booklore nicht als festen Teil des Projekts betrachtet hat, erschließt sich mir im Nachhinein immer noch nicht. Schließlich handelt es sich um ein wirklich gutes Projekt . Das ist zweifellos Grimmory auch.

Fazit: Grimmory ist das bessere BookLore

Grimmory muss nichts neu erfinden, sondern lediglich den Import aus Booklore ermöglichen. Nach so einem Konflikt reicht es, wenn der vorhandene Stand weiterläuft und der Wechsel ohne kompletten Neuimport klappt.

Zumindest bei einem normalen Docker-Setup sieht es im Moment so aus. Bei Umbrel bleibt es hingegen spannend. Es wäre auch interessant zu wissen, wie man das Problem lösen will, da dort jeder Container komplett von den anderen isoliert ist. Aufgrund der Struktur von Umbrel dürfte der Import von Booklore nach Grimmory sehr schwer sein.

Fakt ist aber: Grimmory führt BookLore nach dem Bruch weiter – und das besser denn je. Die Software kann man von GitHub von hier herunterladen. Kostenlos, versteht sich.