Mit der Veröffentlichung von Tico Alpha 0.7.0 laufen GameCube- und Wii-Spiele jetzt direkt auf der Nintendo Switch ohne Android oder Linux.
Mann muss dabei bedenken, dass sich Tico noch in der Entwicklung befindet, das war vorab nur eine frühzeitige Version des Emulators. Doch damit begeht man einen ganz neuen Weg. Es ist das erste Mal, dass man auf der Spielkonsole einen Dolphin-Emulator-Kern benutzt und dabei den Emulator nativ in die Horizon OS-Umgebung der Switch integriert hat.
Alpha-Version von Tico kam gestern heraus
Die Version veröffentlichte der Entwickler gestern auf Ticos GitHub-Repository. Obwohl es für einen produktiven Einsatz noch früh ist, hat Tico bereits für Aufmerksamkeit gesorgt, weil sie die Switch weiter bringt, als viele Beobachter erwartet haben. Wie gesagt: Es handelt sich nicht um eine Streaming-Umgehung oder ein Dual-Boot-Setup. Der Emulator läuft tatsächlich direkt auf der Spielkonsole.
Als Frontend konzipiert
Tico selbst ist nicht einfach nur ein weiterer Emulator. Er ist als Frontend konzipiert, das die übliche Komplexität hinter einer konsolenähnlichen Oberfläche verbirgt. Die Spiele werden automatisch organisiert, die Kerne werden innerhalb des Systems verwaltet. Die Nutzer müssen sich nicht mit traditionellen Dateibrowsern oder verstreuten Tools herumschlagen. Das Ziel ist einfach: Die Emulation soll sich so anfühlen, als würde man eine echte Wii oder einen GameCube benutzen.
Diese Vision wird mit Dolphin auf eine harte Probe gestellt. Der GameCube- und Wii-Kern ist die bisher anspruchsvollste Erweiterung von Tico. Das will der Entwickler auch gar nicht herunterspielen. in der Folge muss man mit Stabilitätsproblemen rechnen. Bei einigen Spielen auch mit Abstürzen. Manchmal kann es vorkommen, dass Spiele nicht beim ersten Versuch starten.
Boost-Modus von Tico soll die Switch nicht überhitzen
Damit es überhaupt funktioniert, aktiviert Tico standardmäßig einen „Boost-Modus“, der die Switch auf 1785 MHz CPU und 768 MHz GPU treibt. Diese Werte liegen laut dem Entwickler Dan im sicheren Bereich, aber die Nutzer/innen werden gewarnt, die Temperaturen im Auge zu behalten. Mit sys-clk ist es möglich, die Takte zu senken, allerdings sinkt die Leistung ebenso schnell.
Die ersten Kompatibilitätsergebnisse sind gemischt, aber durchaus vielversprechend. Einige GameCube-Titel laufen bereits gut, darunter Luigi’s Mansion, Super Smash Bros. Melee und Mario Kart: Double Dash. Open-World-Games wie The Legend of Zelda: The Wind Waker haben in offenen Bereichen Probleme, während Eternal Darkness in bestimmten Szenen stark verlangsamt ist.
Auf der Wii sind die leichteren Titel in besserer Verfassung. Rhythm Heaven Fever und Rayman Origins sind den Berichten zufolge voll spielbar, während umfangreiche Spiele wie Call of Duty: Modern Warfare 3 beim Laden abstürzen.
Alles noch nicht perfekt: Abstürze, stottern etc.
Neben der Leistung gibt es auch Macken. Die Shader-Kompilierung führt beim ersten Starten von Spielen zu Stottern, vor allem bei frühen Szenen oder Menüübergängen. Das legt sich mit der Zeit, wenn die Shader zwischengespeichert werden, aber in der Alpha-Phase ist es noch spürbar.
Die Installation ist noch nicht ganz Plug-and-Play. Die Nutzer müssen manuell Ordner für GameCube- und Wii-Dumps auf ihrer SD-Karte erstellen. der Dolphin-Kern muss über eine neue Registerkarte „Experimentell“ in den Einstellungen von Tico aktiviert werden, bevor er überhaupt in der Benutzeroberfläche erscheint.
Dennoch ist das Gesamtbild kaum zu übersehen. Eine native Emulation auf Dolphin-Niveau auf der Switch zu ermöglichen, ohne auf Android oder Linux angewiesen zu sein, ist ein langjähriges Ziel in der Homebrew-Szene. Diese Version ist zwar noch nicht ganz stabil. Doch sie zeigt, dass es möglich ist.
Neue Versionen über integrierten Updater
Der Tico-Macher kündigt an, dass er im Laufe der Woche Fehlerbehebungen und Updates veröffentlichen wird. Er will die Verbesserungen direkt über den integrierten Updater verteilen. Außerdem erstellt der Entwickler eine Kompatibilitätsliste. Damit kann man den Fortschritt bei weiteren Titeln gut verfolgen. Wer mag, kann den Programmierer Dan mit einer Spende bei ko-fi unterstützen.
Zugegeben, im Moment ist das Ganze noch ein Experiment. Aber es ist ein deutlicher Schritt nach vorne, der die Art und Weise, wie Emulation auf der Switch gehandhabt wird, verändern könnte, wenn die Entwicklung in diesem Tempo weitergeht. Man wird sehen. Wer nach weiteren kostenlosen Emulatoren für diverse Homecomputer und Spielekonsolen sucht, wird hier bei unserer Liste fündig.


















