Illegale E-Books im Visier: BREIN entdeckt eine Schattenbibliothek mit über 9.000 Raubkopien. Ein Händler musste daraufhin einlenken.
Illegale E-Books sorgen bereits seit Jahren für Ärger bei Rechteinhabern. Für die Anbieter scheint der Verkauf urheberrechtswidrig kopierter Werke weiterhin lukrativ zu sein. Gegen diese Form der digitalen Buchpiraterie geht BREIN nun erneut vor. Aktuell hat die niederländische Anti-Piraterie-Organisation BREIN einen Händler enttarnt, der über 9.000 raubkopierte Bücher und Hörbücher angeboten hat.
Hinter einzelnen Anzeigen verbergen sich auf Online-Marktplätzen mitunter riesige Sammlungen urheberrechtswidrig kopierter Werke. Einen solchen Fall hat die niederländische Stiftung BREIN gerade aufgedeckt. Die Organisation stieß auf einen Verkäufer, der nach eigenen Angaben Zugriff auf mehr als 9.000 illegale E-Books und Hörbücher hatte.
Illegale E-Books: BREIN stößt auf riesiges Angebot
Wie die niederländische Anti-Piraterie-Organisation am Dienstag mitteilte, wurde der Verkäufer während einer routinemäßigen Überprüfung von Verkaufsplattformen aufgespürt. BREIN-Mitarbeiter nahmen verdeckt Kontakt zu dem Anbieter auf und gaben sich als potenzielle Kunden aus.
Dabei stellte sich heraus, dass der Verkäufer weitaus mehr Titel anbot, als aus den sichtbaren Anzeigen hervorging. Er zeigte sich entsprechend entgegenkommend und erklärte sich bereit, auf Anfrage weitere Titel zu beschaffen:
„Und falls Sie nach bestimmten Büchern suchen, kann ich gerne nachsehen, ob ich sie finden kann.“
Nach Angaben von BREIN verfügte der Händler über eine Sammlung von mindestens 9.000 digitalen Büchern.

Laut der Stiftung sind derartige Fälle keine Seltenheit. Anbieter werben häufig nur mit einzelnen populären Werken, während sich im Hintergrund umfangreiche Archive mit illegal kopierten Büchern verbergen. Wie groß diese Piraterie-Bibliotheken tatsächlich sind, zeigt sich dann erst bei näheren Ermittlungen.
Undercover-Recherche führt zum Anbieter
Nachdem BREIN ausreichend Informationen gesammelt hatte, gelang es der Organisation nach eigenen Angaben, die Identität des Verkäufers festzustellen. Daraufhin erhielt dieser eine offizielle Unterlassungsaufforderung.
Zunächst stellte der Händler den Verkauf der raubkopierten Werke zwar ein. Die Angelegenheit war damit jedoch noch nicht beendet. Der Mann weigerte sich zunächst, die geforderte strafbewehrte Unterlassungserklärung zu unterzeichnen und die verlangte Zahlung zu leisten.
Erst nachdem BREIN einen Gerichtsvollzieher einschaltete, lenkte der Anbieter ein. Inzwischen hat er die Erklärung unterschrieben und die offenen Forderungen beglichen.
BREIN setzt auf Abschreckung statt Nachsicht
BREIN folgt einer umfassenden Strategie gegen illegale E-Books und andere Formen digitaler Urheberrechtsverletzungen. Um Wiederholungstaten zu verhindern, verlangt BREIN konkret strafbewehrte Unterlassungserklärungen. Die darin vereinbarten Vertragsstrafen liegen laut der Organisation häufig bei rund 500 Euro pro erneut festgestelltem Verstoß. Wer nach einer solchen Vereinbarung erneut mit urheberrechtsverletzenden Inhalten auffällt, muss daher mit erheblichen finanziellen Konsequenzen rechnen.
Nach eigener Darstellung ist diese Strategie erfolgreich. Die Zahl der Rückfalltäter sei vergleichsweise gering. Dass BREIN bei wiederholten Urheberrechtsverletzungen auch vor drastischen Maßnahmen nicht zurückschreckt, zeigte bereits ein früherer Fall. Wie Tarnkappe.info 2022 berichtete, ließ die Anti-Piraterie-Organisation nach einem Urteil der Rechtbank Haarlem sogar das Haus und den Pkw einer E-Book-Piratin pfänden. In der aktuellen Mitteilung verweist BREIN erneut auf diesen Fall und führt ihn als Beispiel für die möglichen Konsequenzen bei wiederholten Urheberrechtsverletzungen an.
Zwischen Kleinanzeigen und Messenger-Gruppen blüht die Buchpiraterie
Während Streaming-Piraterie regelmäßig Schlagzeilen produziert, agiert der Handel mit illegalen E-Books wesentlich unauffälliger. Dennoch scheint der Handel mit urheberrechtswidrig vervielfältigten Werken für Anbieter weiterhin attraktiv zu sein.
Verkäufer erzielen Einnahmen, ohne Autoren, Verlage oder Hörbuchproduzenten an den Erlösen zu beteiligen. Zugleich erleichtern soziale Netzwerke, Messenger-Dienste und Online-Marktplätze die Verbreitung entsprechender Angebote.
BREIN argumentiert daher, dass die Bekämpfung solcher Strukturen notwendig sei, um die wirtschaftlichen Interessen der Kreativbranche zu schützen.
BREIN setzt Jagd auf illegale E-Books fort
Die Stiftung betont, dass sie nicht nur auf Hinweise von Rechteinhabern reagiert, sondern selbst aktiv nach Rechtsverletzungen sucht. Verkaufsplattformen werden nach eigenen Angaben täglich überprüft. Darüber hinaus können auch Dritte mutmaßliche Verstöße direkt an BREIN melden.
Der Verweis auf die bereits 2022 bekannt gewordene Pfändung von Haus und Auto einer E-Book-Piratin zeigt, dass BREIN solche Fälle nicht nur zur Abschreckung kommuniziert, sondern bei Wiederholungstätern tatsächlich bereit ist, Ansprüche auch mit Zwangsvollstreckungsmaßnahmen durchzusetzen.

















