BREIN feiert 81 IPTV-Abschaltungen seit Jahresbeginn. Doch viele Anbieter tauchen wieder auf. Wie nachhaltig ist der Erfolg wirklich?
Die niederländische Anti-Piraterie-Organisation BREIN hat nach eigenen Angaben seit Jahresbeginn insgesamt 81 illegale IPTV-Websites vom Netz nehmen lassen. Bereits Anfang 2026 hatte die Stiftung über die Abschaltung von zunächst 15 und später 24 IPTV-Portalen berichtet. Nun präsentiert man die nächste Zwischenbilanz im fortlaufenden Kampf gegen Anbieter nicht lizenzierter Fernseh- und Streaming-Abonnements.
Wer oder was ist BREIN eigentlich?
BREIN ist die Abkürzung für Bescherming Rechten Entertainment Industrie Nederland. Dies ist formal eine Stiftung („Stichting“) ohne Gewinnerzielungsabsicht und damit keine kommerzielle Firma im klassischen Sinne. Sie ist jedoch auch keine unabhängige gemeinnützige Verbraucher- oder Nichtregierungsorganisation (NGO). Das Konzept ist vergleichbar mit der GVU. Das war bis zur Insolvenz ein Verein, doch auch keiner mit gemeinnützigen Zielen.
Die Stiftung finanzieren die Rechteinhaber und Branchenverbände. Dazu gehören Unternehmen und Organisationen aus den Bereichen Film, Fernsehen, Musik, Verlagswesen, Videospiele und Software. Ihr Auftrag besteht darin, die Urheberrechte ihrer Geldgeber durchzusetzen.
81 IPTV-Abschaltungen, doch einige wechselten den Anbieter
Laut BREIN konnte man erwirken, dass 65 der insgesamt 81 betroffenen Websites dauerhaft offline geblieben sind. Einige Betreiber hätten jedoch versucht, den Maßnahmen durch einen Wechsel zu ausländischen Hosting-Anbietern zu entkommen. Die Stiftung betont, man verfolge diese Anbieter weiterhin und nehme auch deren neue Infrastrukturen ins Visier.
Bekannte Strategie mit begrenzter Wirkung?
Die Erfolgsmeldung wirft jedoch die Frage auf, wie nachhaltig solche Abschaltungen tatsächlich sind. Seit Jahren melden Rechteverwerter und Anti-Piraterie-Organisationen weltweit die Schließung hunderter IPTV-Portale, Streaming-Seiten und Download-Plattformen. Dennoch wächst das Angebot illegaler IPTV-Dienste kontinuierlich weiter. Auf einen geschlossenen Dienst folgen zeitnah mehrere Nachahmer.
Viele Betreiber reagieren auf Sperrungen inzwischen routiniert. Neue Domains werden innerhalb weniger Stunden registriert, Hosting-Dienstleister gewechselt und Kunden über alternative Kommunikationskanäle informiert. Die Tatsache, dass von 81 abgeschalteten Seiten bereits mehrere an anderer Stelle wieder auftauchten, deutet darauf hin, dass das eigentliche Problem mit Domain-Abschaltungen allein kaum zu lösen ist. Wenn überhaupt kann man dem Ganzen nur habhaft werden, indem man die Identität der Betreiber aufklärt.
BREIN warnt die Nutzer illegaler IPTV-Dienste
BREIN-Direktor Bastiaan van Ramshorst nutzt die aktuelle Mitteilung erneut für deutliche Warnungen an Nutzer illegaler IPTV-Angebote. Dabei verweist er auf das sogenannte Filmspeler-Urteil des Europäischen Gerichtshofs. Demnach kann bereits das Streaming urheberrechtsverletzender Inhalte eine Urheberrechtsverletzung darstellen.
Darüber hinaus warnt BREIN vor Sicherheitsrisiken. Nutzer würden ihre Zahlungsdaten und persönlichen Informationen Personen anvertrauen, die außerhalb legaler Geschäftsstrukturen agieren. Untersuchungen hätten gezeigt, dass die Nutzung illegaler IPTV-Dienste mit einem erhöhten Risiko für Malware, Phishing und Betrugsversuche verbunden sei. Aber gut, derartige Argumente hört man von Lobbyorganisationen, Piratenjägern und Rechteinhabern immer wieder.
Besonders drastisch fällt der Vorwurf aus, einige Kunden seien nach dem Ausfall ihrer IPTV-Dienste sogar von Verkäufern bedroht oder erpresst worden, um weitere Verträge abzuschließen. Belege für die Häufigkeit solcher Vorfälle nennt BREIN allerdings nicht.
Zwischen Urheberrechtsschutz und Symbolpolitik
Unstrittig ist, dass viele IPTV-Anbieter urheberrechtlich geschützte Inhalte ohne entsprechende Lizenzen vertreiben. Und leider auch, dass viele Pay-TV und Streaming-Anbieter sehr teuer geworden sind. Zweifellos verlieren die Rechteinhaber durch die illegalen Konkurrenten Einnahmen, während die anonymen Betreiber oftmals hohe Gewinne erzielen. Die Frage bleibt jedoch, ob das permanente Abschalten einzelner Websites langfristig mehr als Symbolpolitik darstellt. Man beackert stets nur die Symptome, nie aber die Ursache der häufigen Nutzung illegaler IPTV- und Streaming-Dienste.
Die Preise müssen runter!
Die Erfahrungen der vergangenen Jahre zeigen, dass Repressionsmaßnahmen allein selten zu einem nachhaltigen Rückgang der Piraterie führen. Entscheidend ist die Attraktivität legaler Angebote. Hohe Abo-Kosten, die zunehmende Fragmentierung des Streaming-Marktes und exklusive Inhalte auf immer mehr Plattformen treiben viele Nutzer überhaupt erst in die Arme der illegalen Anbieter. Wenn das Preis-Leistungs-Verhältnis und das Angebot wieder stimmen, kommen die Kunden zu den legalen Diensten zurück. In dem Punkt sollte die niederländische Stiftung mal etwas unternehmen. Doch das wird sie schlichtweg nicht tun können.
BREIN wird seine Maßnahmen gegen die IPTV-Piraterie weiter fortsetzen und sich weiter dafür feiern. Ob man die Anzahl der IPTV-Abschaltungen tatsächlich als Erfolg werten kann oder dies lediglich das Ausmaß eines weiterhin ungelösten und wachsenden Problems verdeutlicht, dürfte jedoch Ansichtssache bleiben. Wir bleiben auf jeden Fall bei diesem Thema am Ball und werden auch in Zukunft häufig darüber berichten.



















