Mutmaßlicher Bootleg-Händler verpackt Vinyl-Schallplatte für einen BREIN-Testkauf in einem modernen Versandraum.
Ein mutmaßlicher Bootleg-Händler verpackt Vinyl-Schallplatten für den Versand. Offenbar ist er ahnungslos, dass einer der Käufer BREIN war.
Bildquelle: ChatGPT

BREIN jagt Vinyl-Piraten: Händler bot trotz BREIN-Sanktionen weiter Bootlegs an

BREIN verschärft den Kampf gegen Vinyl-Piraten. Trotz früherer Maßnahmen soll ein Händler weiterhin Bootlegs verkauft haben.

BREIN jagt Vinyl-Piraten und geht damit erneut gegen einen mutmaßlichen Bootleg-Händler vor. Diesmal traf es offenbar einen Wiederholungstäter. Trotz früherer Sanktionen soll ein Händler weiter illegale Bootlegs verkauft haben. Der Fall zeigt, wie beharrlich die niederländische Anti-Piraterie-Organisation die wachsende Vinyl-Piraterie im Blick behält.

BREIN jagt Vinyl-Piraten: Bootleg-Händler ins Visier

Die niederländische Anti-Piraterie-Organisation BREIN hat nach eigenen Angaben einen Händler mit illegalen Vinyl-Bootlegs erwischt. Ausgelöst wurden die Ermittlungen durch einen Hinweis aus dem Kreis der BREIN-Unterstützer. Laut der Stiftung handelt es sich um einen Wiederholungstäter („recidiverende bootlegverkoper“), gegen den bereits zuvor Maßnahmen eingeleitet worden waren.

Der Verkäufer soll erneut gefälschte und nicht autorisierte Schallplatten angeboten haben. BREIN spricht dabei von „counterfeits“ und „bootlegs“, darunter angeblich auch Veröffentlichungen einer bekannten niederländischen Band. Welche Band konkret betroffen ist, erwähnt die Organisation allerdings nicht.

BREIN setzt auf Testkäufe und Plattform-Überwachung

Laut BREIN war der Händler kein Unbekannter. Bereits vor einigen Jahren war der Mann bei einer Kontrolle auf einer Schallplattenbörse in Utrecht aufgefallen. Damals beschlagnahmten die Ermittler 59 mutmaßlich illegale Kopien. Anschließend musste der Verkäufer eine Unterlassungserklärung mit Strafklausel unterzeichnen, eine sogenannte Anti-Piraterie-Erklärung. Darin verpflichtete er sich, künftig keine urheberrechtswidrigen Tonträger mehr zu vertreiben. Für jeden weiteren Verstoß drohte laut BREIN eine Vertragsstrafe von 500 Euro pro Medium.

Offenbar hielt sich der Händler jedoch nicht dauerhaft an die Vereinbarung. Nach Angaben der Anti-Piraterie-Organisation verlagerte er seine Aktivitäten später zunehmend ins Internet. Zwar bot seine Website keine direkte Bestellfunktion an, dennoch soll er die angebotenen Bootlegs und Fälschungen weiterhin über soziale Netzwerke vertrieben haben.

Um belastbare Beweise zu sichern, führte BREIN anschließend einen Testkauf durch. Dabei bestellte die Organisation nach eigenen Angaben zwei aktuelle Bootleg-Veröffentlichungen sowie ein offiziell erschienenes Live-Album. Da es sich bei den angebotenen Mitschnitten um nicht autorisierte Live-Aufnahmen handelte, agierte BREIN laut eigener Darstellung mit einer Vollmacht des Bandmanagements, um die Leistungsschutzrechte der Künstler durchzusetzen.

Nach dem Testkauf erhielt der Verkäufer eine formelle Abmahnung. In der Folge unterzeichnete der Händler offenbar eine neue und deutlich umfangreichere Unterlassungserklärung. Zudem soll er einen Geldbetrag an BREIN gezahlt haben. Die Website, über die die mutmaßlich illegalen Live-Alben beworben wurden, wurde inzwischen abgeschaltet.

BREIN verschiebt den Fokus

Bezeichnend ist dabei der Strategiewechsel von BREIN. Vormals konzentrierte sich die niederländische Anti-Piraterie-Organisation hauptsächlich auf digitale Piraterie, darunter Torrent-Portale, IPTV-Anbieter, Streaming-Webseiten, Warez-Communities und Release-Gruppen. Seit 2025 häufen sich jedoch Meldungen über Maßnahmen gegen physische Medien und illegale Bootleg-Vinyls. Naheliegend ist, dass dahinter auch wachsender Druck der Musikindustrie steht, nachdem der Vinyl-Markt weltweit erneut Milliardenumsätze erzielt.

Dabei scheint BREIN überwiegend datengetrieben vorzugehen. Die Organisation überwacht offenbar gezielt Angebote auf Plattformen wie Marktplaats und dokumentiert gelöschte Anzeigen. Zudem analysieren die Ermittler wiederkehrende Verkäuferprofile und setzen verstärkt auf Testkäufe, um Beweise zu sichern. Hinzu kommen Unterlassungserklärungen mit empfindlichen Vertragsstrafen für Wiederholungstäter. Diese Kombination dürfte für kleinere Bootleg-Händler schlicht existenzbedrohend werden.

Vinyl-Boom bringt Bootleg-Markt zurück

Klassische Vinyl-Bootlegs hatten über Jahrzehnte beinahe Kultstatus. Fans betrachteten rare Live-Aufnahmen oder nie offiziell veröffentlichte Mitschnitte als Teil der Musikgeschichte.

Seit dem weltweiten Vinyl-Revival erlebt auch der Markt für Bootlegs und Counterfeit-Pressungen einen neuen Boom. Inzwischen scheint sich der Markt professionalisiert zu haben. Viele der heute angebotenen Schallplatten werden als „unofficial release“, „live broadcast“, „rare import“ oder „collector edition“ getarnt. Teilweise fehlen Label- oder Katalogangaben vollständig. Entsprechende Angebote finden sich zahlreich auf Marktplaats und anderen Plattformen.

Nahaufnahme von Vinyl-Schallplatten mit der Aufschrift „Bootlegs“ in einem modernen Plattenladen.
Bootleg-Vinyls gelten in Teilen der Szene weiterhin als begehrte Sammlerstücke.

In der Vinyl-Szene sorgt dies für Kontroversen. Manche Sammler betrachten Bootlegs weiterhin als Teil einer jahrzehntealten Underground-Kultur. Andere kritisieren hingegen, dass moderne Bootlegs häufig nichts anderes als massenhaft produzierte Fälschungen seien.

BREIN argumentiert, dass sich einerseits „die Qualität illegaler Aufnahmen im Vergleich zu früher verbessert hat„. Andererseits bekämen Käufer am Ende mitunter minderwertige Pressungen, während damit der Markt für hochwertige Originalveröffentlichungen unter Druck gerät. Zudem gingen die Kunden vermutlich davon aus, mit dem Kauf die jeweiligen Künstler zu unterstützen, obwohl die Einnahmen letztlich bei den Verkäufern der nicht autorisierten Veröffentlichungen landen.

Mit dem Boom des Vinyl-Markts wächst offenbar auch der Druck auf die Bootleg-Szene. Für Händler, die bisher auf die vergleichsweise geringe Aufmerksamkeit der Rechteindustrie gesetzt haben, dürfte die Luft mit ‚BREIN jagt Vinyl-Piraten‘ dünner werden.

Über

Antonia ist bereits seit Januar 2016 Autorin bei der Tarnkappe. Eingestiegen ist sie zunächst mit Buch-Rezensionen. Inzwischen schreibt sie bevorzugt über juristische Themen, wie P2P-Fälle, sie greift aber auch andere Netzthemen, wie Cybercrime, auf. Ihre Interessen beziehen sich hauptsächlich auf Literatur.