Ein Gericht in Rotterdam ordnet Games-Seitenblockade an. Folgen sind dynamisches Blocking, ISP-Kooperationen und Google-Deindexierung
In den Niederlanden greift eine Nintendo Piraterie Sperre bei einer Webseite mit direktem Bezug zur illegalen Games-Piraterie. NXBrew wird blockiert, inklusive künftiger Domains, Proxys und Mirrors. Nintendo lässt über die niederländische Anti-Piraterie-Organisation BREIN sperren, ISPs und Google ziehen mit.
Gericht in Rotterdam ordnet Nintendo Piraterie Sperre an
Ein Gericht in Rotterdam hat im Rahmen einer durch BREIN geforderten Nintendo Piraterie Sperre die Blockade der populären Nintendo-Switch-Plattform NXBrew angeordnet. In einem Eilverfahren gab der zuständige Richter am Rechtbank Rotterdam den Anträgen von BREIN vollumfänglich statt. Konkret verpflichtete er den Access Provider Delta Fiber Networks, den Zugang zur Domain nxbrew.net binnen fünf Tagen zu blockieren.
Die Anordnung geht jedoch noch darüber hinaus, denn die Sperrverfügung ist dynamisch ausgestaltet. Rechteinhabern ist es somit erlaubt, neue Ausweichadressen nachzumelden. Das bedeutet, dass auch zukünftige Domains, Subdomains, Proxy-Seiten und Mirrors automatisch gesperrt werden müssen, ohne erneute Gerichtsverfahren.
NXBrew: Homebrew-Fassade, Piraterie-Kern
Laut Git-HubMagazine war NXBrew ursprünglich als Nintendo-Switch-Download-Hub ausgelegt, der Homebrew-Anwendungen, System-Utilities und andere Tools für die Switch-Modding-Szene bereitstellte. Neben diesen legitimen Elementen fanden sich dort aber auch Emulatoren und weitere nicht autorisierte Inhalte. Der eigentliche Traffic-Magnet waren jedoch Links zu tausenden raubkopierten Nintendo-Spielen im NSP- und XCI-Format.
Besagte Mischung machte die Seite groß und juristisch angreifbar. Laut TorrentFreak verlinkte NXBrew zeitweise auf mehr als 12.000 illegale Nintendo-Switch-Titel. Die erste NXBrew-Domain tauchte bereits 2019 auf, was zeigt, wie früh die Plattform in der Szene präsent war und wie sich ihr Angebot über die Jahre ausgeweitet hat.
Die Nintendo Piraterie Sperre trifft damit einen der bekanntesten Namen der Switch-Piraterie. Nintendo selbst trat nicht als Kläger auf, ließ seine Rechte jedoch von BREIN durchsetzen.
Nintendo Piraterie: BREIN greift zur Sperrkeule
BREIN betont, dass die Sperrverfügung erst als letztes Mittel eingesetzt worden sei. Nach eigenen Angaben habe man vor dem Gang zum Gericht zunächst die Betreiber von NXBrew kontaktiert, den zuständigen Registrar sowie die Registry informiert und die Hosting-Provider zur Entfernung der beanstandeten Inhalte aufgefordert. Keiner dieser Schritte habe jedoch zu einer Reaktion, zu Löschungen oder zu einem Entgegenkommen geführt.
Erst in der Folge beantragte BREIN die Nintendo Piraterie Sperre vor Gericht. Rechtliche Grundlage des Vorgehens ist das niederländische Website-Blocking-Covenant aus dem Jahr 2021, das vorsieht, dass gerichtliche Sperrverfügungen gegen große Access Provider freiwillig von allen übrigen niederländischen Internetanbietern übernommen werden.
ISP-Blacklist: Ein Urteil, viele Sperren
Formal richtet sich das Urteil nur gegen Delta Fiber. Praktisch landet NXBrew damit jedoch auf einer landesweiten ISP-Blacklist. BREIN hat nach dem Beschluss alle großen niederländischen Internetanbieter informiert und auch diese sollen die Sperre durchsetzen.
Hinzu kommt ein weiterer Hebel. Google erhielt ebenfalls eine Kopie des Urteils. Der Konzern wurde aufgefordert, sämtliche Suchtreffer zu NXBrew zu entfernen. Zwar ist Google rechtlich nicht gebunden, folgt solchen Anfragen jedoch häufig freiwillig.
Damit entfaltet die Sperranordnung ihre Wirkung auf zwei Ebenen, nämlich durch die Netzwerksperre plus Deindexierung.
Europa zieht nach: Deutschland als Blaupause
Nur wenige Tage vor dem niederländischen Fall hatte ein deutsches Gericht eine vergleichbare Sperrverfügung gegen NSWPedia, eine weitere Nintendo-Piraterie-Seite, erlassen. Der deutsche Fall weist in seiner Zielrichtung Parallelen auf, folgt jedoch einem anderen rechtlichen Ablauf.
In Deutschland erfolgt die Umsetzung solcher Sperren regelmäßig über die CUII, die Clearingstelle Urheberrecht im Internet. Dabei handelt es sich um eine 2021 gegründete private Selbstregulierungsinitiative, in der große Internetprovider wie Telekom, Vodafone, Telefónica (o2) und 1&1 mit Rechteinhabern aus den Bereichen Film, Musik, Sport und Verlage zusammenarbeiten. Ziel ist es, urheberrechtsverletzende Webseiten ohne langwierige Einzelklagen unzugänglich zu machen.
Die Sperren werden in der Regel per DNS-Blocking umgesetzt, also durch die Blockade der Namensauflösung einer Domain durch den jeweiligen Provider. Anträge stellen die Rechteinhaber, geprüft werden sie von einem internen Gremium, während die Bundesnetzagentur das Verfahren lediglich beaufsichtigt. Kritiker bemängeln an dem Modell vor allem die fehlende vorherige gerichtliche Anordnung sowie die begrenzte Wirksamkeit, da DNS-Sperren technisch leicht umgangen werden können. Für Rechteinhaber ist dieses Vorgehen effizient.
NXBrew: Piraterie-Seite mit sicherheitsrelevanten Nebenwirkungen
Die Vermengung aus legitimen Homebrew-Inhalten und nicht autorisierten Downloads bringt Plattformen wie NXBrew nicht nur urheberrechtliche Probleme, sondern birgt auch konkrete sicherheitsrelevante und technische Risiken, etwa durch aggressive Skriptmechanismen, unsichere Weiterleitungen und intransparente Downloadquellen. Mehrere Domains der Seite wurden von Sicherheits-Tools zeitweise als unsicher oder mit geringem Vertrauensscore eingestuft. Nutzer berichteten zudem von aggressiver Werbung, aufdringlichen Pop-ups und potenziell gefährlichen Weiterleitungen, die den Seitenbesuch mit erhöhten Risiken einhergehen lassen.
In Nutzer-Communities schilderten Anwender, dass NXBrew selbst bei aktivierten Werbeblockern mit aggressiver Werbung und aufdringlichen Skripten arbeitet. In Forenbeiträgen wird zudem beschrieben, dass bestimmte Adblock-Erweiterungen gezielt erkannt oder blockiert werden, sobald versucht wird, Werbung oder Weiterleitungen zu unterdrücken. Solche Mechanismen gelten in der IT-Sicherheitsbranche als Warnsignal für problematische Werbenetzwerke und intransparente Monetarisierungsmodelle.
Auch technische Hinweise untermauern diese Einschätzung. In Filterlisten-Issues und Sicherheitsanalysen wird dokumentiert, dass NXBrew-Domains mit aggressiven Skripten und unerwünschten Weiterleitungen arbeiten, die selbst von Adblock-Erweiterungen adressiert werden.
Hinzu kommen Berichte über dubiose Filehosting-Dienste und ein erhöhtes Malware-Risiko. Plattformen wie NXBrew gelten aus technischer Sicht als besonders anfällig für Schadsoftware und missbräuchliche Verbreitungskanäle.
Beschluss mit weitreichenden Folgen
Dynamische Sperren, ISP-Kooperationen und Suchmaschinen-Deindexierung treffen in diesem Fall auf die Nintendo-Szene. NXBrew dürfte versuchen, der Sperre auszuweichen. Allerdings reagieren die Rechteinhaber auf Domainwechsel mit erneuter Blockade. Damit ist die gerichtliche Sperrverfügung gegen Nintendo-Piraterie ein Instrument mit Langzeitwirkung.
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