Amazon hat ein neues, stärker abgesichertes DRM auf einigen Geräten ihres Kindle Oasis ausgerollt und das Libby-Schlupfloch geschlossen.
In den sozialen Netzwerken ist derzeit viel Kritik zu hören. So manche sind sauer wegen dem Firmware-Update auf ihrem Kindle-Oasis und der Tatsache, dass Amazon die Lücke bei der beliebten Online-Ausleihe Libby geschlossen hat. Libby ist übrigens auch in Deutschland sowie in vielen anderen EU-Ländern verfügbar. Man benötigt bei Libby aber stets einen Bibliotheksausweis einer teilnehmenden Bibliothek.
Libby: Die Leihfrist kann man nicht mehr überziehen
Kindle-Nutzer beschweren sich auch darüber, dass sie ihr ausgeliehenes Libby-Buch offenbar nicht mehr über das Fälligkeitsdatum hinaus lesen können. Dies war bisher möglich, indem man beim Gerät den Flugmodus aktiviert. Dies war ein praktischer Workaround, der einem mehr Zeit mit einem ausgeliehenen Buch verschaffte. Doch nun häufen sich die Berichte im Netz, wonach man aufgefordert wird, das WLAN einzuschalten, um auf die ausgeliehenen E-Books zugreifen zu können. Doch dann hat man natürlich trotzdem keinen Zugriff nach Auslaufen der Leihfrist.
Da es sich um eine rein digitale Ausleihe handelt, hat diese Umgehungslösung eigentlich niemandem geschadet. Die E-Books waren nach Ablauf der Leihfrist ohnehin wieder für andere Nutzer verfügbar. Diese hätten lediglich weiterhin eine Kopie auf ihrem Kindle gehabt. Doch das unterbindet Amazon jetzt. Manche schreiben, sie seien froh, dass sie zwischenzeitlich zu anderen Anbietern gewechselt hätten. Ein Kommentator bezeichnete die Änderung bei Libby als seinen „größten Albtraum„, wie techradar berichtet.
Für das Problem gibt es keine einfache Lösung. Vielleicht sollte man einfach einmal in Ruhe darüber nachdenken, den Anbieter zu wechseln. Was das DRM betrifft, so verwenden Kobo-Bücher derzeit eine Version, die man zwar leichter in ein offenes Format konvertieren kann. Doch selbst bei Kobo, wohin so manche Kommentatoren wechseln wollten, funktioniert die „Flugmodus“-Lücke von Libby nicht.
Kindle Oasis mit neuem DRM
Amazon hat ein Software-Update für ihre Kindle Oasis-Reader veröffentlicht. Nun funktionieren die meisten Tools zum Entfernen der Kopierschutzmaßnahmen nicht mehr. Man kann die E-Books folglich nur noch unter den von Amazon festgeschriebenen Voraussetzungen lesen. Das ist merkwürdig, denn Amazon hat diese Baureihe schon im Jahr 2019 eingestellt. Egal wo, das Kindle Oasis kann man nur noch gebraucht kaufen. Doch wahrscheinlich rollt der Hersteller sein Firmware-Update schon bald für die anderen Kindle-Geräte aus.
Das neue DRM wurde nicht bei allen Geräten durch dasselbe Update eingeführt. Bei den neueren Kindle-Firmwares ab 5.18.5 hat Amazon das Verfahren zur Verschlüsselung der gekauften E-Books verändert. Bisher lieferte Amazon die Werke u.a. als KFX-Dateien aus. Bei dem neuen Verfahren nutzt man offenbar das KFX-ZIP-Format. Dieses enthält die eigentlichen Buchdaten in einer Form, die man mit den bisherigen Methoden zur DRM-Entfernung nicht mehr entschlüsseln kann. Wer das tun will, muss ein kostenpflichtiges Tool wie Bookfab kaufen. Doch das hat auch seinen Preis! Momentan liest man, dass Bookfab noch nicht alle Formate vom DRM befreien kann. Doch das ist wahrscheinlich wieder nur eine Frage der Zeit.
Ergänzend zum Verständnis: Ein Jailbreak hilft bei verschlüsselten E-Books auch nicht weiter, dieser öffnet lediglich das Betriebssystem des E-Book-Readers. Am Kopierschutz der Bücher kann die Software vom AdBreak, WinterBreak oder Sanctuary natürlich nichts ändern.
DRM ohne Firmware-Update modifiziert
Interessanterweise hat Amazon dieses Jahr sogar bei einigen älteren Kindle Oasis-Geräten serverseitig das neue DRM-Verhalten aktiviert, ohne dass man dafür eine neue Firmware installieren musste. Betroffen war insbesondere 5.16.2.1.1. Eine mögliche Erklärung ist, dass die entsprechende Funktion bereits in der bestehenden Firmware vorhanden war. Amazon hat sie später einfach nur noch serverseitig aktiviert.
Ob wirklich viele einen Wechsel anstreben, weil sie ihre bei Libby ausgeliehenen E-Books nicht mehr überziehen können, bleibt abzuwarten. Fakt ist, dass Amazon nichts unversucht lässt, um ihr System komplett abzuschotten.



















