GitHub-Säuberungsaktion
GitHub-Säuberungsaktion
Bildquelle: Rubaitul Azad, Lizenz

GitHub-Säuberungsaktion von Nintendo: 400 Repos gelöscht

Die Rechtsabteilung von Nintendo war mal wieder fleißig. In einer koordinierten GitHub-Säuberungsaktion ließ man 400 Quellcodes entfernen.

Für die Nintendo Switch gibt es bei GitHub zahlreiche Repositories. Warum die Programmierer ihre Quellcodes auch dann noch dort parken, obwohl sie damit die Kopierschutzmaßnahmen des Herstellers umgehen und um die Brisanz wissen, ist unerklärlich. Nintendo hat sieben DMCA-Meldungen verschickt, um mehr als 400 Switch-Repos löschen zu lassen.

Nintendo räumt mal wieder auf

Zu den Zielen gehören Quellcodes des Suyu-Emulators, mehrere Forks des Emulators Yuzu und Skyline. Dies ist ein Emulator, deren Programmierer schon seit Jahren nicht mehr daran arbeiten. Zwar waren die Löschaufforderungen erfolgreich, da die meisten Repositorys nun offline sind. Doch es zeigt auch, wie schnell der Code wieder anderswo auftauchen kann.

Auf der Microsoft-Tochter GitHub befinden sich Hunderte Millionen Code-Sammlungen. Dazu gehören auch einige, die die Rechteinhaber lieber nicht online sehen wollen. Für Nintendo sind Switch-Emulatoren zu einer großen Herausforderung geworden, denn der Code taucht wie ein Stehaufmännchen immer wieder auf.

Die meisten der betroffenen Emulatoren hat Nintendo schon vor langer Zeit unter Druck gesetzt oder komplett abgeschaltet. Die Macher von Yuzu einigten sich im Frühjahr 2024 bezüglich der Abwicklung ihres Programmes. Ryujinx stellte im Oktober vor zwei Jahren den Betrieb unfreiwillig ein. Alle Nachfolger wurden immer wieder direkt oder indirekt von der Rechtsabteilung von Nintendo unter Druck gesetzt.

gitflic

GitHub-Säuberungsaktion: Mehr als 400 Repos gesperrt

suyu steht diesmal offenbar im Fokus der Bemühungen. Das ist ein Emulator, der nach dem Zusammenbruch von Yuzu an Popularität gewann. Die Mitarbeiter von GitHub bearbeiteten die Löschaufforderung dieses Emulators, wo 311 Repos vorhanden waren. Die rechtliche Argumentation ist in allen Fällen die gleiche. Nintendo argumentiert, dass die Emulatoren dazu dienen, ihre Verschlüsselung zu umgehen, mit der sie ihre Werke und geistiges Eigentum schützen. Dies verstößt gegen das US-Gesetz DMCA.

Kernpunkt der Argumentation von Nintendo ist die Verwendung ihrer kryptographischen Schlüssel im Code, den die Emulatoren beinhalten. Damit kann man während der Laufzeit ein ROM entschlüsseln oder nicht autorisierte Kopien auf der Switch ausführen. Beides natürlich ohne Erlaubnis des japanischen Konzerns, versteht sich.

Nach Löschung: Hinweis oder 404er Fehler

Die meisten der betroffenen Repos verweisen mittlerweile auf ein Hinweis. Dieser klärt die Besucher darüber auf, warum der Code nicht mehr sichtbar ist. Man verweist dabei auf Gerichtsurteile in vergleichbaren Fällen, in denen die Coder dem klagenden Rechteinhaber unterlegen waren. In einigen Fällen führen die Links zu einem 404-Fehler. In den Fällen haben die Entwickler nach Eingang der Post von Nintendo ihren kompletten Bereich bei GitHub selbst gelöscht. Davon geht zumindest der Blog Torrentfreak aus.

Stellt sich die Frage, was noch passieren muss, damit Programmierer anfangen bei rechtlich problematischen Quellcodes ihre Accounts bei einem Anbieter zu parken, der nicht auf die Löschaufforderungen eingeht. Die Quellcodes des Tools Bypass Paywalls Clean sind schon seit über drei Jahren beim russischen Anbieter GitFlic. Und das obwohl sie mehrere Verlage von GitHub entfernen ließen. Natürlich ist gitflic.ru bei weitem nicht so populär. Doch in Russland setzt niemand die Urheberrechtsansprüche westlicher Unternehmen um. Dort wäre eine Säuberungsaktion wie bei GitHub schlichtweg unmöglich.

(*) Alle mit einem Stern gekennzeichneten Links sind Affiliate-Links. Wenn Du über diese Links Produkte oder Abonnements kaufst, erhält Tarnkappe.info eine kleine Provision. Dir entstehen keine zusätzlichen Kosten. Wenn Du die Redaktion anderweitig finanziell unterstützen möchtest, schau doch mal auf unserer Spendenseite oder in unserem Online-Shop vorbei.

Lars Sobiraj

Über

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Früher brachte Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmerinnen und Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert. In seiner Freizeit geht er am liebsten mit seinem Hund spazieren.