E-Book-Piratin gestoppt: BREIN pfändet Haus und Auto. Erst danach gibt die hartnäckige Verkäuferin illegaler E-Books auf.
Eine niederländische E-Book-Piratin ließ sich offenbar weder von Unterlassungsvereinbarungen noch von Vertragsstrafen und gerichtlichen Schritten dauerhaft beeindrucken. Bereits 2018 war sie der niederländischen Anti-Piraterie-Organisation BREIN wegen des Verkaufs illegal kopierter E-Books aufgefallen. Eine erste anstehende Pfändung von Haus und Auto konnte sie nicht vom Weitermachen abhalten. Nun hat BREIN erneut zu diesem Mittel gegriffen. Erst als der Verkauf ihrer Wohnung und der Verlust ihres Mercedes drohten, gab die hartnäckige Verkäuferin auf. Die Stichting hat die E-Book-Piratin damit zumindest vorerst gestoppt.
Illegale E-Books verkauft: Der Fall begann bereits 2018
Bereits im Jahre 2018 nahm die niederländische Urheberrechtsorganisation Stichting BREIN eine Verkäuferin illegaler E-Books ins Visier. In einer aktuellen Pressemitteilung führt BREIN aus, dass Frau K. in größerem Umfang illegal kopierte E-Books über Online-Marktplätze anbot. Verkauft wurde dabei über Marktplaats.nl und Facebook. Die E-Book-Anbieterin nutzte für ihre Aktivitäten zur Verschleierung ihrer Identität verschiedene Pseudonyme.
BREIN konnte die Piratin dennoch identifizieren. Sie unterzeichnete zunächst eine von der Stichting geforderte Unterlassungserklärung mit Vertragsstrafe. Für jeden weiteren Verstoß waren 100 Euro fällig. Allerdings hielt sie die Vereinbarung nicht vom Weitermachen ab. BREIN stellte schon unmittelbar danach erneute Verstöße fest. Dazu nutzte die Piratin Kontonummern von Familienangehörigen, um die eigene Identität zu verschleiern.
Anfang 2019 forderte BREIN nun 4.000 Euro an Vertragsstrafen. Weil die Zahlung zunächst ausblieb, sollte dann auf bewegliches Eigentum zugegriffen werden. Dies scheiterte allerdings, da Frau K. bei einem Ortstermin erklärte, die betreffenden Gegenstände gehörten ihrer Mutter. Daraufhin wurde ihr Haus gepfändet.
Nach mehreren Verhandlungen vereinbarten beide Seiten eine Rückzahlung. Die E-Book-Verkäuferin zahlte zunächst 2.500 Euro in monatlichen Raten von jeweils 100 Euro. Danach jedoch versiegten die Zahlungen wieder und BREIN zog erneut die Konsequenzen. Ende 2021 wurde das Auto der Frau gepfändet, das sie ohnehin verkaufen wollte. Danach kam es zu einer weiteren Einigung. Die Verkäuferin zahlte nochmals 2.500 Euro in einer Rate. Insgesamt kassierte BREIN damit 5.000 Euro.
Tarnkappe.info berichtete darüber bereits Anfang 2022. Schon damals diente der Fall als Beispiel dafür, wie teuer Verstöße gegen eine Unterlassungsvereinbarung werden können. Rückblickend war mit der E-Book-Piraterie das Ende aber noch nicht erreicht.
E-Book-Piratin nicht gestoppt: Neue Alias, neue E-Book-Kopien
Wie BREIN aktuell mitteilt, ging der Piraten-Fall Anfang 2025 in eine neue Runde: „Anfang des Jahres tauchte sie täglich unter einem neuen Pseudonym wieder auf und bot illegale E-Books an„. Aufgrund des anhaltenden illegalen Handels sah sich BREIN zu einer härteren Gangart gezwungen.
Die Organisation forderte über das Amtsgericht die verwirkten Vertragsstrafen und die vereinbarte Vergleichssumme ein. Am 12. November 2025 wurde die Frau in Abwesenheit zur Zahlung von 23.400 Euro zuzüglich 2.149,45 Euro Gerichtskosten verurteilt. Anschließend kam keine akzeptable Zahlungsvereinbarung zustande, die illegalen Verkäufe hingegen gingen munter weiter.
BREIN pfändet erneut Wohnung und Auto
BREIN leitete folglich eine Vermögensermittlung ein und ergriff drastische Maßnahmen. Der Gerichtsvollzieher pfändete sowohl ihr Haus als auch ihr Auto, einen Mercedes.
Schon einige Jahre zuvor waren Haus und Auto wegen desselben langjährigen Konflikts gepfändet worden. Damals führten die Maßnahmen noch zu Zahlungsvereinbarungen. Dieses Mal scheint BREIN allerdings einen nachhaltigeren Effekt erzielt zu haben.
E-Book-Piratin gestoppt – diesmal endgültig?
BREIN teilt mit, dass der Druck seine Wirkung nicht verfehlte. Frau K. soll ihre illegalen Aktivitäten daraufhin sofort eingestellt haben. Zudem begann sie damit, ihre inzwischen beträchtlich angehäuften Schuld gegenüber der Organisation zurückzuzahlen.
Damit ist die E-Book-Piratin gestoppt, zumindest vorerst. Denn BREIN hat die Bedingungen für einen möglichen Neustart wesentlich verschärft. Die neue Vereinbarung wurde notariell festgehalten. Sollte die Frau erneut gegen die Vereinbarung verstoßen, kann BREIN dann unmittelbar die vereinbarten Konsequenzen durchsetzen. Die Stichting teilt mit:
„Die Vertragsstrafe für einen Verstoß gegen die Vereinbarungen wurde erhöht. Sollte K. künftig wieder illegale E-Books verkaufen, muss sie 1.000,00 € pro verkauftem E-Book zahlen, und die ausstehende Schuld von 23.400,00 € zuzüglich einer zusätzlichen Vertragsstrafe von 5.000,00 € wird sofort fällig.“
BREIN bezeichnet den Fall als außergewöhnlich hartnäckig „bei der Begehung der Rechtsverletzungen und der Vereitelung der Strafverfolgungsmaßnahmen„. Die Anti-Piraterie-Organisation verweist darauf, dass die Frau mehrfach Gelegenheit gehabt habe, die Angelegenheit durch Vereinbarungen und die Einstellung ihrer Aktivitäten zu beenden. Stattdessen setzte sie den Verkauf illegal kopierter E-Books unbeirrt fort. Aus Sicht von BREIN-Direktor Bastiaan van Ramshorst ist die Botschaft deshalb eindeutig:
„Wer systematisch die Rechte von Autoren und Verlagen verletzt, muss mit einer langfristigen und konsequenten Durchsetzung rechnen. Ein Vergleich oder ein Urteil ist nicht ohne Folgen – wer nicht nachgibt, wird letztendlich die schweren finanziellen und unter Umständen auch materiellen Konsequenzen tragen. Die Betroffene hatte mehrfach die Möglichkeit, eine Eskalation zu verhindern. Stattdessen entschied sie sich, unter einem neuen Namen weiterzumachen, in der Annahme, BREIN würde sie nicht entlarven.“


















