Vor dem LG Saarbrücken muss sich ein Streaming-Pirat namens Mohamad AI K. verantworten. Die Ermittlungen gegen die Nutzer laufen noch.
Die Anklage nimmt an, der mutmaßliche Streaming-Pirat im Alter von 39 Jahren habe mit seinen illegalen Cardsharing- und IPTV-Zugängen Umsätze in der Gesamthöhe von 300.000 Euro gemacht. Wie die BILD-Zeitung berichtet, begann gestern der Prozess gegen ihn vor dem Landgericht Saarbrücken.
Der Libanese, der mit seiner Frau im saarländischen Homburg lebt, befindet sich momentan in Untersuchungshaft. Er soll über neun Jahre hinweg über eine Website plus über eBay die illegalen Pay-TV-Zugänge zum Kauf angeboten haben. Viele Interessenten waren Fußball-Fans, die sich für einen günstigen Zugang zum Bezahlsender „Sky Deutschland“ interessiert haben.
Staatsanwaltschaft kann 6.076 Fälle nachweisen
Der Angeklagte soll sich Zugriff auf verschlüsselte TV-Signale verschafft haben, um diese über seinen eigenen Dienst an Dritte zu verkaufen. Oftmals bezahlten die Kunden ihre Gebühren auf monatlicher Basis. Diese waren natürlich sehr viel niedriger, als die Preise von DAZN, Sky & Co. Wahrscheinlich hat auch Sky die Strafanzeige gegen den Dienst gestellt und so die offiziellen Ermittlungen in Gang gebracht. Die Staatsanwaltschaft kann dem Angeklagten bislang den Verkauf von 6.076 illegalen Pay-TV-Zugängen nachweisen. Die Anklage lautet auf Beihilfe zum Ausspähen von Daten in Kombination mit mehreren anderen Urheberrechts-Verstößen. Mohamad AI K. soll insgesamt Gewinne in Höhe von 300.000 Euro erwirtschaftet haben, die man einziehen will. Es gehe darum möglichen Nachahmern zu demonstrieren, dass sich Verbrechen schlichtweg nicht lohnt. Dies gab ein Gerichtssprecher auf Anfrage der Kollegen bekannt.
Am gestrigen Mittwoch legte man die Anklage im Umfang von 150 Seiten vor. Zwei Staatsanwälte waren über fünf Stunden damit beschäftigt, vor Gericht alle möglichen Details des illegalen Geschäftsbetriebs vorzustellen. Sie sind damit noch nicht fertig geworden.
Kunden des Streaming-Piraten müssen bangen
Schwarzseher, die sich rechtswidrig Zugang zu Inhalten der legalen Anbieter verschafft haben, geraten immer häufiger in das Visier der Ermittler. Der Druck auf illegale Kunden von Amazon Prime, DAZN, Sky Deutschland, Magenta Sport oder Netflix etc. nimmt im gesamten Bundesgebiet zu. Der Bezahlsender Sky unterhält schon seit einigen Jahren eine eigene Ermittlungsabteilung mit diversen Mitarbeitern, die Indizien gegen illegale Anbieter sammeln. Wir haben 2024 ein ausführliches Interview mit Fabian Seitz, dem Leiter der Ermittlungsabteilung von Sky, durchgeführt.
Im Anschluss an die Recherche stellt Sky Deutschland dann eine Strafanzeige. Nach erfolgter Verurteilung der Betreiber übermitteln die Behörden die Daten der Kunden an die Pay-TV-Anbieter. Was dann passiert, darüber haben wir schon mehrfach berichtet.
Kundendaten an Behörden in NRW und Rheinland-Pfalz verschickt
Angeblich sollen bereits in NRW und Rheinland-Pfalz erste Ermittlungen gegen die Nutzung des namentlich nicht genannten Dienstes laufen. Die Staatsanwaltschaft Saarbrücken leitet auch die Kundendaten von Mohamad Al K. an die jeweils zuständigen Staatsanwaltschaften weiter. Den meisten illegalen Streamern drohen lediglich Geldstrafen. Die per Gesetz rein theoretisch angekündigte Haftstrafe von bis zu drei Jahren gilt nur bei Wiederholungstätern oder besonders schweren Vergehen. Anschließend müssen die ehemaligen Abonnenten des Streaming-Piraten Schadenersatz an Sky & Co. bezahlen, weil sie ihre Dienste ohne entsprechende Bezahlung genutzt haben.
In den Fokus geraten primär unvorsichtige Ex-Kunden, die den Dienst per Kreditkarte, Überweisung oder mit ihrem regulären PayPal-Account bezahlt haben. Ihre Identität kann die Staatsanwaltschaft auch Jahre später noch mühelos feststellen. Zudem sollte man auf solchen Websites niemals ohne das VPN eines vertrauenswürdigen Anbieters* unterwegs sein. Momentan läuft noch eine Aktion von hide.me, in dessen Rahmen man die Zugänge deutlich preiswerter anbietet. Dann kriegt die Polizei für kurze Zeit nach dem Bust lediglich die IP-Adresse des VPN-Servers heraus und nicht die des tatsächlichen Nutzers.
Streaming-Pirat muss mit bis zu fünf Jahren Haft rechnen
Der saarländische Pay-TV-Pirat verbleibt bis zum Ende des Verfahrens in Untersuchungshaft. Das Urteil wird für September erwartet. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft droht ihm eine Gefängnisstrafe von bis zu fünf Jahren. Auf das Strafmaß werden sich seine Aussagen aber mildernd auswirken, weil er die Vorwürfe schon teilweise zugegeben hat. Bisher konnte man aber noch nicht herausfinden, wer für ihn die verschlüsselten Signale der Pay-TV-Anbieter dekodiert hat.
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