Amazon ersetzt Kindle für PC durch eine Store-App. BookFab soll nach einem Update auch mit der neuen Software funktionieren. Tut es das?
Amazon hat die Software Kindle für Windows zum 1. Juli 2026 umgestellt. Die alte Kindle-for-PC-App wird ab dem 30. Juni 2026 nicht mehr unterstützt, läuft nach aktuellem Stand aber weiterhin. Wer sein E-Book lesen will, muss als Kindle-Kunde auf die neue Kindle-App aus dem Microsoft Store wechseln. Amazon führt die alte Legacy-App in der eigenen Hilfe inzwischen als nicht mehr unterstützt auf. ComputerBase berichtete bereits im April über den Stichtag und den erzwungenen Wechsel zur Store-App.
Der Wechsel betrifft nicht nur die Oberfläche, sondern auch die darunterliegende Architektur. Die alte Kindle-for-PC-App war eine klassische Windows-Anwendung. Man konnte sie herunterladen, installieren und auf einer bestimmten Version behalten, wenn automatische Updates deaktiviert waren. Für lokale Sicherungen und Konverter war genau das über Jahre hinweg wichtig.
Mit der neuen Kindle-App erfolgt die Verteilung über den Microsoft Store. In unserem Test verlangte der Store für den Download eine Anmeldung mit einem Microsoft-Konto. Danach erfolgt innerhalb der Kindle-App die typische Anmeldung mit dem Amazon-Konto.
Damit hängt die Kindle-Bibliothek auf dem PC nun an mehr Stellen, als es mit der alten Version der Fall war. Neben Amazon kommen der Microsoft Store, die Store-App, das Kindle-DRM und die jeweils unterstützte Windows-Version als Problemstellen dazu. Wenn irgendwas nicht passt, geht es einfach nicht. Die Anforderungen sind zwar gering, aber es sind halt mehrere auf einmal, die man zwingend erfüllen muss. Mit der neuen Software sind gleichzeitig viele neue Probleme aufgetaucht. Die bislang verfügbaren Bewertungen der Kunden fallen entsprechend negativ aus, siehe Screenshot unten. Man muss ja nicht alles unnötig verkomplizieren, um seine Kunden noch mehr zu gängeln, oder?
Kindle für PC verschwindet
Die alte Kindle-for-PC-App war für Amazon nur schwer zu kontrollieren, da sich ältere Versionen lange problemlos weiterverwenden ließen, bis Amazon einen harten Cut durchführte. So entstand über Jahre ein Katz-und-Maus-Spiel. Amazon änderte die Downloadpfade, schaffte neue proprietäre (verschlossene) Formate oder änderte über Nacht das DRM. Viele Leser und Drittanbieter blieben deshalb bei älteren App-Versionen, da diese mit lokalen Sicherungen und Konvertern langfristig besser funktionierten.
Mit der Store-App wird das natürlich schwieriger. Microsoft sagt selbst, dass Apps aus dem Store automatisch aktualisiert werden können und dies auch bei einem automatischem Update erfolgt, was bei Windows voreingestellt ist. Herausgeber wie Amazon können so neue Versionen verteilen. Die Käufer müssen dafür keine klassische Setup-Datei manuell herunterladen. Das hört sich zwar gut an, da man sich Arbeit spart, allerdings ist man so wieder mehr den Anbietern ausgeliefert.
Für Amazon bedeutet das mehr Kontrolle über die Windows-App. Änderungen an der Software können sie auf diesem Weg zentraler und einfacher verteilen. Das betrifft nicht nur Fehlerbehebungen. Das kann sich auch auf das Downloadverhalten von E-Books, die Speicherorte, die Formatverarbeitung und natürlich auch auf die klassischen DRM-Abläufe auswirken.
Zentrale Updates werden immer wichtiger
Bei einem typischen Digital Rights Management (DRM) geht es nämlich nicht nur um die Verschlüsselung. Ein Schutzsystem lebt davon, dass alte Workarounds gepatcht und somit entweder abgeschaltet oder angepasst werden können. Genau deshalb ist der Microsoft Store für Amazon leider die einfachste und auch logischste Lösung. Wenn eine alte Methode über lokale Downloads, die Dateiverarbeitung oder DRM-Abläufe bekannt wird, kann Amazon schneller reagieren und dagegen vorgehen.
Für Käufer, die ihre bezahlten Bücher sichern wollen, werden alte App-Versionen jedoch weniger verlässlich. ComputerBase ordnete die Umstellung bereits in diese Richtung ein. Amazon hatte schon vorher die Downloadmöglichkeiten und DRM-Verfahren verändert. Der Wechsel zur neuen App passt in diese Entwicklung.
BookFab hat bereits reagiert
Der Anbieter bewirbt seinen Kindle-Converter damit, Kindle-E-Books in die Formate EPUB oder PDF umzuwandeln und sie so auf anderen Geräten oder in anderen Leseprogrammen nutzbar zu machen.
In der öffentlichen Update-Historie war zuletzt die Version 1.2.3.7 vom 26. Juni 2026 sichtbar. In der Software selbst liegt inzwischen Version 1.2.3.8 mit heutigem Datum vor. Nach dem Update funktioniert BookFab bei unserem Test auch mit der neuen Kindle-App aus dem Microsoft Store.
Das ist vor allem für Käufer wichtig, die ihre bezahlten Kindle-Bücher lokal sichern oder auf einem anderen Lesegerät verwenden wollen. Gerade Tolino-Besitzer landen sonst in einer Sackgasse. Das Buch ist bezahlt, bleibt aber technisch an Amazons System gebunden.
Besonders deutlich wird das Problem bei Tolino-Besitzern. Kindle-Bücher kann man nicht direkt auf einem Tolino E-Reader lesen. In der eigenen Hilfe erklärt Hugendubel, dass bei Amazon gekaufte E-Books wegen des eigenen Kopierschutzes von Amazon nicht auf einem Tolino abgespielt werden können. Tolino selbst arbeitet bei geschützten E-Books mit Adobe Digital Editions und Adobe DRM, also mit ganz anderen Kopierschutzmaßnahmen.
Neue Kindle-App zwingt Nutzer zu einem Microsoft-Konto
Es geht also nicht nur um eine Sicherungskopie für die Schublade. Es geht vor allem um die freie Wahl des Gerätes. Wer ein E-Book bezahlt, möchte es auf dem Reader seiner Wahl lesen. Amazon verhindert genau das mit seinem eigenen Format und Kopierschutz. Der Käufer soll im Kindle-System bleiben, selbst wenn er lieber einen Tolino-Reader nutzt.
Bei den Tolinos tritt dieses Problem besonders häufig auf. Wer einen Tolino besitzt, möchte sein gekauftes Buch nicht im Internet speichern. Er möchte es schlichtweg auf dem eigenen Reader lesen. Amazon blockiert diesen Weg durch das eigene Format und den hauseigenen Kopierschutz. Bezahlen muss man das Buch natürlich trotzdem. Frei nutzen kann man es deswegen aber noch lange nicht.
Damit wird DRM mehr als nur ein Kopierschutz. Es wird zur zwangsweisen Plattformbindung. Aus einem gekauften Buch wird so ein Inhalt, der nur dort funktioniert, wo Amazon es zulässt. Formatwechsel und private Sicherungen sind deshalb nicht automatisch mit Piraterie gleichzusetzen. Oft geht es schlicht und einfach darum, ein gekauftes Buch auf einem eigenen Gerät lesen zu können. Dazu kommt zusätzlich noch die Plattformbindung an den Online-Store von Microsoft.
DRM bindet Käufer an die Plattform
Amazons DRM-System schützt nicht nur vor unerlaubter Verbreitung. Es bindet die Käufer auch an das Ökosystem von Amazon. Kindle-Gerät, Kindle-App, Amazon-Konto und Kindle-Format gehören zusammen. Und wie gesagt, jetzt ist auch noch ein eigenes Microsoft-Konto notwendig, um die Software zu installieren.
Ein gedrucktes Buch bleibt hingegen im Regal, auch wenn ein Händler seine App einstellt oder Konkurs anmelden sollte. Man kann es verleihen, verschenken und lesen, wann immer man möchte. Ein Kindle-Buch hingegen hängt von Konten, Software, Servern und unterstützten Geräten ab. Ändert Amazon die App oder den Zugriff, kann das Folgen für alle gekaufte Inhalte haben.
Der Wechsel zur Store-App verlängert diese Kette. Zwischen Käufer und Buch stehen nun noch mehr technische Stellen. Jede Änderung an einer dieser Stellen kann den Zugriff negativ beeinflussen.
Der Orwell-Fall bleibt weiterhin essentiell
Dass digitale Käufe nicht automatisch sicher sind, hat Amazon bereits 2009 gezeigt, als Kopien von George Orwells „1984” und „Animal Farm” aus seinen Kindle-Bibliotheken entfernt hat, da es Probleme mit den Rechten des Anbieters gab. Später einigte sich Amazon auf einem Vergleich und versprach, E-Books nur noch unter ganz bestimmten Bedingungen von den Geräten zu löschen.
Dieser Fall gibt den Nutzern nicht ihre Freiheit zurück. Er erklärt aber, warum sich viele Käufer ihre eigenen Sicherungen wünschen. Ein bezahlter Plattformzugriff, den der Hersteller jederzeit widerrufen kann, ist kein Bücherregal. Wer bezahlte Inhalte nur über das Konto in Kombination mit einer App und DRM nutzen kann, bleibt von Dritten abhängig, die natürlich am längeren Hebel sitzen. Auch in Deutschland gab es dazu eine klare verbraucherrechtliche Linie. Der Verbraucherzentrale Bundesverband fasste ein Urteil des OLG Köln wie folgt zusammen: „Amazon darf digitale Inhalte wie Kindle-Bücher nicht einfach löschen, wenn Kunden dafür bezahlt haben.“ Doch genau das war passiert.
Privatkopie, Gerätefreiheit versus Kopierschutz
Rechtlich bleibt dies ein sehr eng gezogener Bereich. § 53 UrhG erlaubt unter bestimmten Voraussetzungen Vervielfältigungen zum rein privaten Gebrauch. Gleichzeitig schützt § 95a UrhG die wirksamen technischen Maßnahmen der Anbieter. Manche Laien könnten auf die Idee kommen, die grundsätzliche Aussage der beiden Gesetze widerspricht sich.
Bei DRM-geschützten E-Books prallen diese Dinge direkt aufeinander. Man hat ein verständliches und berechtigtes Interesse an einer privaten Sicherung. Im Rahmen der Privatkopie darf man das auch. Noch verständlicher wird die Problematik, wenn der Kopierschutz nicht nur eine Kopie verhindert, sondern auch die Nutzung auf einem eigenen Lesegerät blockiert.
Genau das ist bei Amazon und Tolino der Fall. Das Buch ist bezahlt. Man kann es aber nicht auf dem Reader der eigenen Wahl lesen. Amazons technische Sperre schützt somit nicht nur vor der Weitergabe. Sie begrenzt auch die naheliegende, bezahlte private Nutzung des bezahlten Werkes.
BookFab ist genau dafür gemacht, auch wenn sich die beiden Firmen ein ständiges Katz-und-Mausspiel liefern. Der Anbieter stellt mit dem Kindle Converter ein Werkzeug bereit, um gekaufte Kindle-Bücher in frei nutzbare Formate wie EPUB oder PDF zu konvertieren. Das ist für Tolino-Besitzer leider nötig, da Amazons Kindle-Format dort nicht funktioniert und mit dem Kopierschutz erst recht nicht.
Neue App, alter Konflikt
Die neue Kindle-App aus dem Microsoft Store löst den bestehenden Konflikt selbstverständlich nicht auf. Sie verändert lediglich die technische Grundlage, auf der alles beruht. Amazon erhält einen zentraleren Update-Kanal, während die alten Kindle-for-PC-Versionen an Bedeutung verlieren. Zudem müssen Drittanbieter wie BookFab ihre Werkzeuge an die neue App anpassen.
Für Käufer bleibt die Grundsatzfrage jedoch dieselbe. Was bedeutet ein gekauftes E-Book, wenn der Zugriff von Konto, App, Store, DRM und vom Anbieter unterstütztem Gerät abhängt? Amazon behandelt Kindle-Bücher technisch weiterhin als ihre persönliche Plattformware. Wer seine Bücher sichern oder auf einem anderen Gerät lesen möchte, muss sich deshalb zwangsläufig mit Formatgrenzen, DRM und App-Zwang auseinandersetzen. Der Wechsel in den Microsoft Store schafft diese Abhängigkeit nicht ab, sondern legt noch eine Schippe drauf. Wer keinen Account bei Microsoft hat, kann die App nicht mal installieren.
Die Freiheit von BookFab gibt es nicht umsonst!
Die Software vom Hersteller DVDFab zeigt mit dem aktuellen Update, dass die neue Windows-App von Amazon sie nicht daran hindern kann, die Bücher vom Kopierschutz zu befreien. Die App ändert sich, doch die Situation bleibt die gleiche. Wer bezahlt hat, erwartet, dass er jederzeit Zugriff hat. Wer ein anderes Lesegerät als einen Kindle nutzt, erwartet schlichtweg, man das Werk auch darauf lesen kann. Genau dort kollidieren Amazons DRM-Modell, die Tolino-Kompatibilität und private Sicherungsinteressen weiterhin massiv – und das wird sich auch in Zukunft nicht ändern.
Natürlich ist auch Bookfab nicht umsonst. Alleine der Kindle-Konverter schlägt bei der lebenslangen Lizenz mit fast 130 Euro zu Buche. Wer Werke von Kobo oder Hörbücher von Audible vom DRM befreien will, den bittet man extra zur Kasse. Man bezahlt also gleich mehrfach: für die Werke und für die Entfernung vom Kopierschutz. Wie man sieht: Freiheit hat leider ihren Preis!























