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Bildquelle: Carol Magalhães, Lizenz

SpiderCat: Neue Methode erleichtert den Kindle-Jailbreak

SpiderCat erlaubt den Jailbreak vieler Kindle-Reader auf den verschiedensten Geräten. Dafür lädt man nur ein präpariertes E-Book herunter.

Viel Zeit ist nicht vergangen seit Sanctuary, einem Kindle-Jailbreak, der im Sommer erschien. Der Programmierer sparklerfish veröffentlichte am 1. September mit SpiderCat eine neue Methode, um die meisten Firmware-Versionen und Geräte der Kindle-Serie von ihrem Kopierschutz zu befreien. Dies gilt derzeit als einer der einfachsten Wege, Kindles zu jailbreaken, weil man dafür keinen PC benötigt.

Jailbreak per USB oder über den Webbrowser möglich

Für das Aushebeln der DRM-Schutzmaßnahmen von Amazon muss man nur die SpiderCat-Datei per USB oder Webbrowser auf den E-Reader transferieren. Die Datei öffnet man anschließend wie ein ganz normales E-Book, damit startet automatisch der Jailbreak-Vorgang. Dafür muss der Akku natürlich ausreichend geladen sein, damit der E-Book-Reader nicht währenddessen ausgeht. Das wäre schlecht.

Nach dem erfolgreichem Durchlauf startet das Gerät die grafische Oberfläche neu, anschließend ist der Kindle entsperrt. Wie gesagt, die Methode beansprucht keinen PC, wenn man die Datei direkt mit dem Kindle-Browser herunterlädt. Das eigens dafür präparierte E-Book ist dort bei kindlemodding.org verfügbar.

Welche Kindles werden unterstützt?

SpiderCat funktioniert laut aktueller Dokumentation mit Firmware 5.16.3 bis einschließlich 5.19.5 und unter anderem mit dem:

  • Kindle Oasis 3 (2019)
  • Kindle 10. Generation
  • Kindle Paperwhite 10. Generation
  • Kindle Basic 11. Generation (2022)
  • Kindle Paperwhite 11. Generation
  • Kindle Basic 11. Generation (2024)
  • Kindle Paperwhite 12. Generation
  • Kindle Colorsoft
  • Kindle Scribe (2022)
  • Kindle Scribe (2024)

Wichtig: Die Firmware 5.19.6 wird von SpiderCat derzeit nicht unterstützt. Das ist ein wesentlicher Unterschied zur anderen neuen Jailbreak-Methode wie Véra. Véra ist ein Jailbreak, den am 26. August die Programmierer Ava und sparklerfish gemeinsam herausgebracht haben.

SpiderCat

Wie funktioniert das Ganze?

Die genaue technische Ausnutzung der Schwachstelle beschreibt sparklerfish leider nicht in seiner Anleitung. Andere Beschreibungen vermuten, SpiderCat nutzt wahrscheinlich eine WebKit-Sicherheitslücke beim Verarbeiten eines manipulierten KF8-E-Books mit JavaScript aus. Anschließend erfolgt wohl eine Privilegienausweitung, sodass Code mit den notwendigen Systemrechten ausgeführt werden kann. Der Vorgang ist echt ungewöhnlich, denn hierbei ist das E-Book der Träger des Exploits. Das Buch runterladen und starten, fertig. Einfacher geht es nicht mehr!

Was bringt der Jailbreak?

SpiderCat selbst ist natürlich kein alternatives Betriebssystem. Doch nach der Ausführung des präparierten E-Books kann man eine alternative Firmware auf dem Kindle installieren. Danach kann man beispielsweise installieren:

  • den KOReader (Open-Source-E-Reader-Software)
  • KPM (Kindle Package Manager) – Paketmanager zur Verwaltung der Inhalte
  • Scriptlets – kurze Shell-Skripte
  • alternative Benutzeroberflächen wie SimpleUI, das ist ein Plugin vom KOReader
  • die Benutzeroberfläche ZenOS, diese arbeitet auch mit dem KOReader zusammen
  • weitere Homebrew-Software und Plugins.

Interessant ist außerdem, dass SpiderCat nach Angaben des Entwicklers OTA-Updates (OTA = over the air) automatisch blockiert. Damit will man verhindern, dass Amazon den Kindle über das WLAN automatisch auf eine nicht mehr knackbare Firmware aktualisiert.

SpiderCat vs. Véra

Beide Methoden verfolgen letztlich dasselbe Ziel, angeblich soll die Durchführung mit SpiderCat noch etwas einfacher sein.

Übrigens: Wer den Programmierer bei seiner Arbeit unterstützen möchte, kann ihm bei der Spendenplattform ko-fi einen Kaffee ausgeben. Wer den Jailbreak nutzt, sollte das bitte tun. Das gleiche gilt bei ko-fi für Ava, der am Code von Véra beteiligt ist.

Ergänzung

Für das bequeme Lesen muss man auf jeden Fall per USB eine andere Reader-Software wie KPM installieren. Nur so hat man eine saubere Oberfläche ohne Amazon. Die E-Books mit dem Amazon-DRM kann man weiterhin nur mit deren Reader-App öffnen. Nur die „freien“ Bücher sind für den KOReader zugänglich. Schön ist immerhin, dass es bei diesem Paketmanager eine Anbindung zu Calibre gibt. Hier ist eine Anleitung, was man nach dem Jailbreak alles installieren muss, um das Gerät halbwegs komfortabel benutzen zu können. Fazit: Mit der reinen Ausführung von SpiderCat ist es nicht getan.

Lars Sobiraj

Über

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Früher brachte Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmerinnen und Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert. In seiner Freizeit geht er am liebsten mit seinem Hund spazieren.