Rezension: How To Sell Drugs Online (Fast)

Drogen, E-Commerce und zwei Jugendliche, die das schnelle Geld machen wollen. Diese nerdige Netflix-Serie lässt kein Vorurteil aus. Wer nicht zu viel erwartet, wird dennoch gut unterhalten. Wir haben uns die ersten Folgen von How to Sell Drugs Online (Fast) einmal für Euch angesehen.

So Unrecht hat der Hauptdarsteller gar nicht. Wir haben das Wissen der ganzen Welt in unserer Hosentasche und könnten mittels Internet direkt darauf zugreifen. Doch was machen wir mit unseren Smartphones? Sinnfreie Selfies in den sozialen Netzwerken posten und uns von Snapchat das Äußere verunglimpfen lassen. Da alle Leute über Feen-Ohren und Knollnasen lachen, müssen sie lustig sein, oder nicht? Der Protagonist von How To Sell Drugs Online (Fast) kann damit zumindest nichts anfangen. Und das wahrscheinlich, weil er sich mit der Technik recht gut auskennt.


How To Sell Drugs Online (Fast) = Shiny Flakes mit Doppelspitze

How To Sell Drugs Online (Fast)Die Serie spielt irgendwo in Deutschland, tief in der Provinz. Vorbild war der erfolgreiche Drogenshop Shiny Flakes, der von einem Minderjährigen aus einem Leipziger Kinderzimmer gesteuert wurde. Unser Protagonist hat eine Freundin, die eigentlich in den USA war, um sich weiterzubilden. Doch stattdessen fing sie eine Beziehung mit einem Klassenkameraden an. Der wiederum macht auf dicke Hose, weil er sich mit dem Verkauf von Ecstasy Pillen einiges dazu verdient.

Moritz und Lenny sind das genaue Gegenteil. Keine Muskeln, keine schicke Frisur oder Klamotten. Dafür sind sie aber waschechte Vorzeige-Nerds. Der Größere ist extrem schüchtern und der andere Jugendliche ist zeitlebens an seinen Rollstuhl gefesselt. Sie ziehen sich in virtuelle Welten zurück. Das Duo versucht dort sein Glück als Händler. Doch ihr Startup für Gadgets von Online-Games will nicht so recht laufen. Auch die Jury eines ortsansässigen Wettbewerbes für Innovationen findet keinen Gefallen daran. Doch die Jurymitglieder haben von jeglicher Technik bzw. dem Internet sowieso keine Ahnung.

Jailhouse Rock statt Boss tomorrow!

Plötzlich kommen die beiden Jugendlichen auf die Idee, beim ortsansässigen Großdealer, gespielt von Bjarne Mädel, Pillen in großer Zahl zu kaufen, um diese im Internet zu verticken. Zumindest am Know How mangelt es nicht. Und so kommen die Schüler schnell zu Reichtum und zu mehr Ärger, als ihnen lieb ist. Ihr Slogan lautet „Nerd Today, Boss Tomorrow“. Doch der Jailhouse Rock wäre eigentlich eher was für sie. Denn sie ahnen von Anfang an, dass sie mit ihrem Shop „My Drugs“ früher oder später ganz gehörige Probleme bekommen werden. Ein echter Treppenwitz ist übrigens, dass der Bruder beim Zoll arbeitet und ähnlich wie der Bruder eines früheren Mitbetreibers von Chemical Revolution keine Ahnung davon hat, dass man in seinem Haus jede Menge Drogen eingelagert hat.

Lohnt sich die Serie?

How To Sell Drugs Online (Fast)Wer null Tiefgang und keine Authentizität erwartet, wird mit schnellen Dialogen und ganz netten Gags belohnt. Popcorn raus, Unterhaltung pur ist angesagt! Hirn aus, Mund auf quasi. Für weniger technikaffige Personen ist die Serie nichts. Sie würden viele Gags schlichtweg nicht verstehen. So hat man beispielsweise die Straße der Kleinstadt zu einem Leveldesign eines Spieles umfunktioniert. Der Spieler muss nicht nur an sein Ziel kommen. Er muss dabei auch noch diverse Flächen überfahren und Gegnern ausweichen. Das sieht ein wenig aus wie das C64 Game Paperboy aus dem Jahr 1984. Teilweise werden einem keine Dialoge, sondern Facebook-Screenshots, Push-Nachrichten oder andere Chatverläufe gezeigt, die den Handlungsstrang erläutern sollen.

Auch der blond gefärbte Drogendealer, der eigentlich eine Reitschule nebst Bauernhof betreibt, redet nicht viel, sondern prügelt mehr. Und auch sonst darf man bitte nicht erwarten, das Clear- oder Darknet in irgendeiner Weise vorgeführt oder gar erläutert zu bekommen. Ist das Ganze authentisch? Nein. Aber ein Blick auf die Serie lohnt sich trotzdem. Wer die geekigen Gags am laufenden Meter versteht, wird auf seine Kosten kommen. Vielleicht auch wegen der vielen Klischees, die man dort mit wachsender Begeisterung bedient. Wer es nicht so mit Technik hat, bitte lieber die Finger davon lassen.

 

Die ersten sechs Folgen von „How To Sell Drugs Online (Fast) laufen seit Ende Mai bei Netflix. Und natürlich auch auf mehreren einschlägigen Portalen, die sich auf das illegale Streaming von TV-Serien spezialisiert haben. Wir wünschen auch ohne Shiny Flakes oder die ausbleibende Chemical Revolution viel Spaß dabei!

Tarnkappe.info

 

Beitragsbild Joshua Coleman, thx! (unsplash licence)

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Außerdem bringt Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, seit 2014 an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert.

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