Pornhub: künstliche Intelligenz soll nackte Tatsachen sortieren

Article by · 12. Oktober 2017 ·

Mehr als 10.000 verschiedene Stars und Sternchen tummeln sich bei der Videoplattform Pornhub in über fünf Millionen Kurzfilmen. Eine künstliche Intelligenz soll die Darsteller nun mittels Gesichtserkennung zuordnen. Später sollen Attribute zugeordnet und die Videos kategorisiert werden. Doch die Sache hat mindestens einen großen Haken.

Das neue KI-Modell, wie man die neue Software in der Pressemitteilung tauft, soll neben offiziellen Fotos von Pornostars auch mit mehreren tausend überprüften Videos gefüttert werden, damit sie weiß, welches Gesicht zu welchem Darsteller passt. Danach soll die künstliche Intelligenz alle fünf Millionen Videos bei Pornhub durchlaufen. Die Besucher erhalten im Anschluss die Möglichkeit, die Zuordnung zu bestätigen oder Fehler zu melden. Auf Basis des Feedbacks der Community soll die Software dann perfektioniert werden.

Machen wir uns nichts vor. Alle pornografischen Videoplattformen haben das gleiche Problem: dort herrscht das pure Chaos. Diverse Videos sind in verschiedenen Auflösungen mindestens doppelt und dreifach vorhanden. Die Beschreibungen vieler Filme sind entweder leer oder fehlerhaft. Weder können die Nutzer gezielt nach ihrem Lieblingsstar, noch nach anderen Attributen wie zum Beispiel dem Ort des Geschehens suchen, um verlässliche Ergebnisse zu erhalten. Bei der Unmenge an Material, welches dort tagtäglich hochgeladen wird, kann das niemand manuell überprüfen. Eine der wenigen Ausnahmen im Web war appleboobs.com, wo bei einer stark eingeschränkten Auswahl an Clips soar die körperlichen Merkmale miteinander verknüpft werden konnten. So konnte beispielsweise das Alter mit der Oberweite der Schauspielerinnen, der Haarfarbe und anderen Merkmalen verknüpft werden, um nur genau solche Videos zu Gesicht zu bekommen. AppleBoobs gibt es aber nicht mehr. Die Betreiber haben ihre werbefreie Seite vor mehreren Wochen wieder eingestellt. Sobald der Algorithmus bei Pornhub zuverlässig alle Merkmale der Darsteller und der Umgebung erkennen kann, wäre eine ähnlich gezielte Suche auch dort möglich. Dann käme das Chaos in der Datenbank endgültig zum Erliegen.

 

Gesichtserkennung perfekt, um Menschen an den Pranger zu stellen

Die Sache mit der ausgeklügelten Gesichtserkennung birgt aber auch einige Gefahren. Damit können nämlich auch Laiendarsteller identifiziert werden. Und auch solche, die ihren Clip zu rein privaten Zwecken aufgenommen haben. Im Frühjahr 2016 machte die Software FindFace Schlagzeilen. Der russische Anbieter der App wirbt bis heute mit dem Slogan „FindFace will find anybody in VK.com“. Die Gesichtserkennung dieses Anbieters gleicht biometrische Daten von Zielpersonen mit denen des sozialen Netzwerks Vkontakte ab. Damit kann man zum Beispiel Laiendarsteller gezielt outen, um ihr Treiben im heimischen Schlafzimmer an den Pranger zu stellen. Das gilt natürlich auch für die Personen, deren Videos oder Nacktfotos ungewollt veröffentlicht wurden. Im Gegensatz zu den großen Portalen interessieren sich unzählige Videoplattformen nicht für Dinge wie Rufschädigungen, dem Recht am eigenen Bild oder Persönlichkeitsverletzungen. Die Sache wird also spätestens dann heikel, sobald Pranger-Apps auf die Profile westlicher Netzwerke zugreifen, was laut Kaspersky Lab jederzeit passieren kann.

Grafik von Gerd “geralt” Altmann, thx! (CC0 1.0)

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