noyb legt Datenschutzbeschwerde gegen Adresshändler & Auskunftei ein

Der Verein noyb um Max Schrems legt ein weiteres Mal Beschwerde gegen eine Kreditauskunftei und einen Adresshändler ein.

Der österreichische Verein noyb („none of your business“ – frei übersetzt „geht dich nichts an“) legt Datenschutzbeschwerden gegen eine Auskunftei und einen Adresshändler ein. Die beiden deutschen Unternehmen sollen gezielt die DSGVO ignorieren, teilt noyb mit. Der Verein um Max Schrems, der bereits Facebook vor Gericht zerrte und gewann, setzt damit seine Arbeit gegen rechtswidrige Geschäftspraktiken fort.

noyb bemängelt Vorgehen von CRIF Bürgel und Acxiom

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Ziel der Beschwerden sind zwei deutsche Unternehmen; die Kreditauskunftei CRIF Bürgel und der Adresshändler Acxiom, beide in Deutschland ansässig. Acxiom versorgt CRIF Bürgel mit Adressdaten von Millionen deutscher Bürger. Diese Adressinformationen wurden allerdings ursprünglich zum Zweck des Direktmarketings gesammelt.

Durch die weitere Verarbeitung durch die CRIF Bürgel werde klar gegen das grundlegende Prinzip der DSGVO verstoßen. Dies besagt, dass Daten nur für „festgelegte, eindeutige und legitime Zwecke“ erhoben werden dürfen. Daraus folgend ist die nachträgliche Änderung des Zwecks nicht erlaubt, teilt noyb mit.

Verknüpfung der Daten illegal

Mit der Weiterverarbeitung von Adressdaten, die zum Zweck des Direktmarketing gesammelt werden, rechnet keiner. Der Ankauf der Auskunftei CRIF Bürgel von Adressdaten des Adresshändlers Acxiom ist laut noyb nicht nur zweifelhaft, sondern schlicht illegal. Hier würden Adressdaten von Millionen deutscher Staatsbürger ohne deren Wissen oder Einstimmung zur Kreditbewertung benutzt.
Kreditscores müssen aber auf Zahlungserfahrungsdaten basieren.

Das Bundesdatenschutzgesetz verbietet ausdrücklich, den Kreditscore nur aufgrund von Adressdaten zu berechnen. Für die Verwendung von Daten, die nicht auf vergangenen Zahlungserfahrungen basieren, ist aber die ausdrückliche Zustimmung der betroffenen Person notwendig.Datenschutzjurist Alan Dahl von noyb kommentierte hierzu:

Ein sehr großer Teil der Daten von Kreditauskunfteien stammt von Adressverlagen – und zwar ohne rechtliche Grundlage. All das geschieht heimlich, ohne die betroffenen Personen jemals um Einwilligung zu fragen oder sie zu informieren. Das ist rechtswidrig.

Kein Einzelfall, sondern Regelfall

Dass diese Praktik kein Einzelfall ist, sondern traurige Realität, zeigt ein Einblick über die Anzahl an Datensätzen, die die Auskunftei CRIF Bürgel laut eigenen Angaben in der Datenbank gespeichert hat. Gesamt sollen Datensätze über fast alle am Wirtschaftsleben teilhabenden Personen vorhanden sein in diesem Fall über 62 Millionen Privatpersonen. Die vorliegende Problematik betrifft somit die große Mehrheit der deutschen Bundesbürger.

Mülleimer

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Alan Dahl warnt:

„Die Situation des Betroffenen, den wir vertreten, ist leider kein Einzelfall. noyb liegen mehrere ähnliche Fälle vor. Wenn Sie einen Wohnsitz in Deutschland haben, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Sie ebenfalls betroffen sind und CRIF Bürgel und Acxiom mit Ihren Daten heimlich Geschäfte betreiben.“

Bereits in der Vergangenheit hatte noyb Beschwerde bei der österreichischen Datenschutzbehörde eingereicht. Auch in dem damaligen Fall ging es um Adresshandel. Der Adressverlag AZ Direct hatte damals laut noyb rechtswidrig Adressdaten weiterverkauft an CRIF Bürgel.

Tarnkappe.info