Millionenstrafe: US-TV-Hersteller Vizio spähte Kunden aus

Article by · 7. Februar 2017 ·

Der Smart-TV-Hersteller Vizio muss eine Millionenstrafe zahlen wegen der Sammlung und dem Verkauf von Nutzerdaten. Eine Klage der US-Behörde Federal Trade Commission (FTC) wurde gestern (06.02.2017) beigelegt, berichtet Ars Technica.

Das kalifornische Unternehmen Vizio hat auf rund elf Millionen Smart-TV-Geräten eine ACR-Spionage-Software installiert, die es dem Unternehmen ermöglichte, die Sehgewohnheiten der Nutzer lückenlos aufzuzeichnen. Sie erfassten so sekundengenau, welches Programm oder welcher Inhalt gerade auf dem Gerät angezeigt wird. Das betraf sowohl Kabelprogramme, Internet-Inhalte, Set-Top-Boxen, DVD-Player als auch Streaming-Programme. Darüber hinaus wurden auch die IP- Adresse und der Haushalt mitsamt Bewohnern mit den Daten verknüpft, auf Server übertragen und dort gespeichert. Vizio beschränkte sich folglich beim Datensammeln nicht nur auf das Sehverhalten, sondern speicherte zusätzlich Angaben über Geschlecht, Alter, Einkommen, Familienstand, Haushaltsgröße, Bildungsniveau usw. gleich noch mit.

Diese Datensätze wurden dann vom Unternehmen anonymisiert und in klingende Münze verwandelt. Gerade Werbeanbieter nehmen solche Angebote gerne an, können sie so doch viel gezielter ihre Produkte anbieten und zugleich erfolgsversprechender verkaufen, wenn sie die Gewohneheiten der Leute kennen.

Gestern hat die US-amerikanische Handelsbehörde Federal Trade Commission (FTC) eine Einigung mit Vizio veröffentlicht, die Vizio zur Zahlung einer Strafe von 2,2 Millionen Dollar verpflichtet. Damit einher geht gleichzeitig eine Unterlassungserklärung. Zudem muss der Hersteller offenlegen, welche Daten er erfasst hat. Datensätze, die Vizio ohne das Wissen seiner Kunden erfasst hat, müssen gelöscht werden.

Während andere Unternehmen, wie die mittlerweile nach China verkaufte TV-Sparte von Philips, zumindest vorab angekündigt haben, Daten für personalisierte Werbung zu sammeln, hat Vizio die Leute nicht darüber aufgeklärt, Kundendaten für Reklamezwecke zu verkaufen.

Der Smart-TV-Hersteller war bereits in der Vergangenheit durch Mängel beim Datenschutz aufgefallen. Fehler bei der Überprüfung von https-Zertifikaten ermöglichten es 2015 Angreifern die von den Geräten übermittelten Daten abzufangen.

Bildquelle: ADMC, thx! (CC0 Public Domain)

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3 Comments

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    michel

    ACHTUNG: einzelfall*, bitte weiter gehen!

    *versprochen

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    das Teufelchen

    Ich würde das Datum des Urteils ausbessern – sonst kommt vielleicht noch jemand auf die Idee, dass hier ein 1 Jahr altes Urteil als aktuelle Meldung präsentiert werden soll.
    :-)

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    flahblah

    Dazu passt diese Pressemitteilung von heute: http://www.piratenfraktion-sh.de/wp-content/uploads/2017/02/drucksache-18-1566.pdf

    Recht auf anonymes Fernsehen
    – Massenüberwachung von Zuschauern verhindern


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