Millionenstrafe: US-TV-Hersteller Vizio spähte Kunden aus

Der kalifornische Smart-TV-Hersteller Vizio muss 2,2 Millionen Dollar zahlen wegen der Sammlung und dem Verkauf von Nutzerdaten.

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Der Smart-TV-Hersteller Vizio muss eine Millionenstrafe zahlen wegen der Sammlung und dem Verkauf von Nutzerdaten. Eine Klage der US-Behörde Federal Trade Commission (FTC) wurde gestern (06.02.2017) beigelegt, berichtet Ars Technica.

Vizio machte Geld aus Kundendaten

Das kalifornische Unternehmen Vizio hat auf rund elf Millionen Smart-TV-Geräten eine ACR-Spionage-Software installiert, die es dem Unternehmen ermöglichte, die Sehgewohnheiten der Nutzer lückenlos aufzuzeichnen. Sie erfassten so sekundengenau, welches Programm oder welcher Inhalt gerade auf dem Gerät angezeigt wird. Das betraf sowohl Kabelprogramme, Internet-Inhalte, Set-Top-Boxen, DVD-Player als auch Streaming-Programme.

Darüber hinaus wurden auch die IP- Adresse und der Haushalt mitsamt Bewohnern mit den Daten verknüpft, auf Server übertragen und dort gespeichert. Vizio beschränkte sich folglich beim Datensammeln nicht nur auf das Sehverhalten. Man speicherte zusätzlich Angaben über Geschlecht, Alter, Einkommen, Familienstand, Haushaltsgröße, Bildungsniveau usw. gleich noch mit.


Federal Trade Commission einigte sich mit dem Anbieter

Diese Datensätze hat das Unternehmen anonymisiert und in klingende Münze verwandelt. Gerade Werbeanbieter nehmen solche Angebote gerne an. Sie können damit viel gezielter ihre Produkte anbieten und zugleich erfolgsversprechender verkaufen, wenn sie die Gewohneheiten der Leute kennen.

Gestern hat die US-amerikanische Handelsbehörde Federal Trade Commission (FTC) eine Einigung mit Vizio veröffentlicht, die Vizio zur Zahlung einer Strafe von 2,2 Millionen Dollar verpflichtet. Damit einher geht gleichzeitig eine Unterlassungserklärung. Zudem muss der Hersteller offenlegen, welche Daten er erfasst hat. Datensätze, die Vizio ohne das Wissen seiner Kunden erfasst hat, müssen sie löschen.

Während andere Unternehmen, wie die mittlerweile nach China verkaufte TV-Sparte von Philips, zumindest vorab angekündigt haben, Daten für personalisierte Werbung zu sammeln. Vizio hat im Gegensatz die Kunden nicht darüber aufgeklärt, Kundendaten für Reklamezwecke zu verkaufen.

Nicht der erste Vorfall

Der Smart-TV-Hersteller war bereits in der Vergangenheit durch Mängel beim Datenschutz aufgefallen. Fehler bei der Überprüfung von https-Zertifikaten ermöglichten es 2015 Angreifern die von den Geräten übermittelten Daten abzufangen.

Tarnkappe.info

Über den Autor

Antonia ist bereits seit Januar 2016 Autorin bei der Tarnkappe. Eingestiegen ist sie zunächst mit Buch-Rezensionen. Inzwischen schreibt sie bevorzugt über juristische Themen, wie P2P-Fälle, sie greift aber auch andere Netzthemen, wie Cybercrime, auf. Ihre Interessen beziehen sich hauptsächlich auf Literatur.