Major Labels geht es prächtig, Abmahnungen ade?

Article by · 20. Januar 2017 ·

Bei solchen Zahlen könnte man von jeglichen Abmahnungen eigentlich Abstand nehmen, denn der deutsche Musikmarkt ist 2016 zum vierten Mal in Folge gewachsen. Besonders stark gewachsen ist hierzulande das Streaming-Geschäft mit einem Plus von 73,1 Prozent. Die Downloads waren hingegen rückläufig. Größter Umsatzgenerator ist und bleibt aber die Audio-CD, mit einem Umsatz-Anteil von mehr als 50 Prozent.

Laut der Hochrechnung der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK Entertainment) geht es der Musikwirtschaft in Deutschland weiterhin recht gut. Laut einer gemeinsamen Pressemitteilung von Bundesverband Musikindustrie (BVMI) und GfK wuchs der Gesamtumsatz letztes Jahr um 2,4 Prozent. Dies spülte in 2016 1,58 Milliarden Euro in die Kassen der Major Labels, die kleineren Independent-Labels werden vom BVMI hingegen nicht vertreten.

Die höchste Wachstumsrate verzeichnet erneut das Audiostreaming, das im Vorjahr mit einem Plus von 73,1 Prozent auf einen Marktanteil von 24,3 Prozent kommt. Ebenfalls weiter gewachsen ist mit einem Plus von 41 Prozent der Vertrieb von Schallplatten. Vinyl-Schallplatten nehmen somit einen Marktanteil von 4,5 Prozent ein. Größter Umsatzgenerator bleibt aber weiterhin die Audio-CD. Sie ist gegenüber dem Vorjahr zwar um 9,6 Prozent zurückgegangen, vereint aber mit einem Marktanteil von 53,7 Prozent noch immer mehr als die Hälfte des Umsatzes auf sich. Die Downloads rangieren durch ein Minus von 19,4 Prozent bei 12,3 Prozent Marktanteil. Insgesamt wurden in Deutschland im Jahr 2016 rund 62 Prozent der Umsätze mit physischen Tonträgern (CD, Vinyl, DVD/Bluray) erwirtschaftet und, entsprechend, 38 Prozent durch digitale Musiknutzung (Streaming und Downloads). Laut Dr. Florian Drücke, Geschäftsführer des BVMI, konnte das explodierende Streaming-Geschäft 2016 die Rückgänge im Vertrieb haptischer Medien mehr als ausgleichen. Drücke kommentiert: „Es war also auch 2016 der Mix aus digital und analog, der den deutschen Musikmarkt bestimmt und beflügelt und der unter dem Strich für ein überzeugendes Geschäftsjahr gesorgt hat.“Auch GfK Entertainment ist zur Überzeugung gelangt, dass das Thema Streaming endgültig bei den Konsumenten „angekommen“ sei.

Leider bedeutet das besser laufende Geschäft nicht automatisch, dass man davon Abstand nimmt, die eigenen Kunden kostenpflichtig abzumahnen. Trotzdem gibt es Hoffnung, denn laut der Initiative Abmahnwahn Dreipage war im ersten Halbjahr 2016 der Empfang der Abmahnungen stark rückläufig. Auch die Anzahl der Filesharing-Klagen ist in den ersten sechs Monaten des Vorjahres stark zurückgegangen. Einzig die Debcon GmbH war in diesem Sektor auffällig aktiv. Ansonsten lautet das Fazit: Abmahnungen lohnen sich für die meisten Kanzleien nicht mehr, weswegen man davon Abstand genommen hat.

 

Die Schallplatte ist immer noch ein Verkaufsschlager. Foto: Edu Grande, thx! (CC0 1.0)

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2 Comments

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    Ewald


    Lars, das sind schöne Zahlen.
    Aber vergleiche sie einfach mal mit denen aus der Vergangenheit und dann überlege das Wort „prächtig“.
    Es gibt halt irgendwann mal einen Boden. Das sollte man nicht vergessen, wenn man über Zuwächse „jubelt“.
    Vielleicht hat die Zahl der Abmahnungen auch deshalb abgenommen, weil man heute über Youtube oder Spotify quasi kostenlos Musik konsumieren kann, wenn man Werbung mag.
    Und möglicherweise hat es sich auch herumgesprochen, dass das Saugen teuer sein kann.
    Die Zahlen lassen eher den Schluss zu, dass P2P bei deutschen Nutzern auf dem absteigenden Ast ist.

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    TeeB


    Was genau meinst Du denn mit dem Satz „Leider bedeutet das besser laufende Geschäft nicht automatisch, dass man davon Abstand nimmt, die eigenen Kunden kostenpflichtig abzumahnen. „?


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