Hamburg: Polizei plant dauerhaften Softwareeinsatz zur Gesichtserkennung

Die Hamburger Polizei will die Überwachungstechnik zur Gesichtserkennung in Bild- und Videoaufnahmen, die sie im Zuge des G20-Gipfels im Nachgang verwendet hat, nun dauerhaft einsetzen. Gesichter von Verdächtigen sollen so erkannt und verfolgt werden, bestätigt Polizeisprecher Timo Zill der taz. Johannes Caspar, der hamburgische Datenschutzbeauftragte, weist darauf hin, dass er den Einsatz der Technologie für verfassungsrechtlich bedenklich hält. Er prüft es, dagegen vorzugehen.

Bereits im März teilte Kriminaldirektor Jan Hieber auf der Sitzung des Sonderausschusses Gewalttätige Ausschreitungen rund um den G20-Gipfel in Hamburg mit, dass zur Verfolgung von Straftaten beim G20-Gipfel die Hamburger Polizei mittlerweile Gesichtserkennung einsetzen würde. Mit der Technik wäre es zudem möglich, auffällige Merkmale zu markieren und in Videodateien zu suchen. Damals hatte der Senat nach den Ausschreitungen die Sonderkommission “Schwarzer Block” ins Leben gerufen. Bis zu 170 Beamte ermittelten in der Sache und sie verfügten laut Hieber über Bilder und Videos in einer Größenordnung von über 100 Terabyte.

Nun soll diese Technologie auch weiterhin zum Einsatz kommen, die Anwendung sogar ausgeweitet werden, obwohl der Ausnahmezustand des G20-Gipfels, der diese Verwendung rechtfertigte, längst vorbei ist. Gemäß taz ermöglicht diese Art der Überwachungstechnologie sowohl eine Inverssuche, den Abgleich bereits vorhandener Daten, die in Gefährderdateien oder Melderegistern namentlich erfasst sind, mit aktuellen Videoaufnahmen, als auch Standortdaten, Verhaltensprofile sowie soziale Kontakte Verdächtiger miteinander zu verknüpfen und unbekannte Straftäter, von denen lediglich Gesichtsaufnahmen vorliegen, aufzuspüren. Keine Angaben liegen über die tatsächlich geplante Nutzung der Überwachungstechnik vor. Es ist unbekannt, ob auch eine Inverssuche tatsächlich zur Anwendung kommt. Weder der Hersteller der Software, noch deren Namen wurden preisgegeben.

Johannes Caspar kritisiert den Einsatz dieser Überwachungstechnik. Zwar würden bisher noch keine Anhaltspunkte dafür vorliegen: “dass Gefährder tatsächlich durchgeprüft werden. Es besteht jedoch ein hohes abstraktes Gefährdungspotenzial mit Blick auf das informationelle Selbstbestimmungsrecht.” Zudem würde die automatisierte Gesichtserkennung ein hohes Maß auch an personenbezogenen Daten mit einbeziehen: “Wenn das Verfahren dazu führt, dass von allen auf dem Bildmaterial abgebildeten Personen individuelle Gesichts-IDs erstellt werden, über die eine biometrische Analyse läuft, werden massenhaft Daten Unbeteiligter über längere Zeiträume in Datenbanken gespeichert.“ Die Betroffenen würden nicht darüber informiert werden und könnten somit nicht dagegen gerichtlich vorgehen, beanstandet Caspar gegenüber taz.

Auch am Bahnhof Südkreuz läuft seit dem 01.08.2017 ein gleichartiger Versuch, nur in Echtzeit. In einer ersten Versuchsreihe wurde anhand von 275 freiwilligen Testpersonen die Möglichkeit erprobt, aus Menschenmassen heraus, Personen per Kamera automatisch zu erkennen, deren Gesichter zuvor gespeichert wurden. Gleich nach dem Abschluss der ersten Testphase zur Gesichtserkennung schließt sich voraussichtlich Ende September ein weiterer Testlauf an. Darin soll festgestellt werden, wie gut Computerprogramme festgehaltene Situationen und Gegenstände analysieren können. Datenschützer und Digitalverbände kritisieren ebenso dieses Projekt.

Bildquelle: jogi031, thx! (CC0 Public Domain)

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7 Kommentare

  1. uguranocool sagt:

    bald haben wir chips im Körper warte nur ab

  2. Anonymous sagt:

    die ARD-Doku “Die schwarze Gewalt” vom 30.5., zeigt die Hamburger SOKO mit der Videmo-Analysesoftware ab Min. 38, noch bis 2019 abrufbar.
    videmo.de/produkte/videmo360/
    Videmo Intelligente Videoanalyse GmbH & Co. KG

  3. Hans Peter sagt:

    In Köln wurden zur Überführung der Täter der Silvesternacht vor 2 Jahren Menschen (sog. Super-Recognizer) genutzt weil Maschinen gegenüber extrem anfällig gegenüber bestimmter Merkmale sind. Ich würde lieber mehr Geld in die Schulung von Polizei und Co in Bezug auf Gesichtserkennung investieren, anstatt fehleranfällige teure Software zu kaufen. Die Engländer sind auch schon viel weiter und betreiben auch echte Forschung.

  4. Exploit sagt:

    Der Plan der neuen Weltortnung geht immer schneller voran, einfach nur krank!

  5. Anonymous sagt:

    Am Bahnhof Südkreuz werden die sicherlich einfach über weitere Jahre hinweg Tests verlängern lassen, um alles mögliche zu testen, und später geht’s einfach direkt in den “normal” Betrieb über.

    Wie war das noch? Anfangs 6 Monate, jetzt schon viel länger, später für immer. :/ ,,|,,

  6. Watchtower sagt:

    Der Zusammenhang zwischen dem Einsatz der Erkennungssoftware in Hamburg wegen den Ausschreitungen während des G20 Gipfels und dem Bahnhof Südkreuz in Berlin erschließt sich mir nicht.

  1. 31. August 2018

    […] Wissen des Benutzers ermöglichen – stark angestiegen. In Hamburg soll außerdem verstärkt Gesichtserkennungs-Software zum Einsatz kommen. Um es mit einem alten englischen Ritterorden zu sagen: Ein Schelm, der Böses dabei […]

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