Gegenwehr zu Redtube-Abmahnungen: zehn Morddrohungen täglich

Thomas Urmann erhält täglich etwa zehn Morddrohungen. Die Abmahnungen können ab dem 1.2. nicht mehr aus Hamburg verschickt werden. Weitere sollen folgen.

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Rechtsanwalt Thomas Urmann erhält zirka zehn Morddrohungen pro Tag. Im Dezember sind schätzungsweise 20.000 Abmahnungen an Nutzer des Porno-Portals RedTube verschickt worden, weitere wurden schon angekündigt. Der Zeit sagte der Geschäftsführer von U+C, er habe sowieso mit erheblicher Gegenwehr gerechnet. Beim Betreten dieses juristischen Neulands habe man natürlich vielen Leuten auf die Füße getreten.


In Richtung Landgericht Köln sagte er, einige Kammern scheinen sich den „populistisch formulierten Berichten“ der Medien zu „beugen„, weil diese ankündigten, die Beschlüsse zur Preisgabe der Identitäten der Anschlussinhaber zu widerrufen. Urmann glaubt, die Richter würden sich damit einfach der „vermeintlichen Mehrheitsmeinung“ anschließen. In diesem Falle würde alleine (die enorme) Lautstärke (des Protests) zum alleinigen Argument. Den Kollegen, die ihn bei der Staatsanwaltschaft angezeigt haben bescheinigt er, diese hätten einen „schwierigen Charakter“. Er habe die Grenze zu unzulässigen Handlungen nie überschritten.

redtubeUm die neuen Regelungen gegen unseriöse Geschäftspraktiken zu umgehen, würde er gerne mal neue Wege ausprobieren und prüfen, ob man dabei auf dem Boden des Rechtsstaats bleibt. Sein Ziel sei es, für die Mandanten (Rechteinhaber der Pornofilm-Branche etc.) stets das Optimum herauszuholen.

AbmahnungDer Zeit teilte die Hamburger Kanzlei Reinberg, Meyer und von Beust zudem mit, der Mietvertrag sei beendet worden. Ab Ende Januar kann Thomas Urmann von dort keine Briefe mehr verschicken. Vorher kündigte Urmann an, es könne diese Woche wieder „stressig werden„. Rechtsanwalt Jan Gerth, der Abgemahnte vertritt, entnimmt der Aussage, dass die Urmann + Collegen U + C Rechtsanwaltsgesellschaft mbH schon bald weitere Abmahnungen an Streaming-Nutzer verschicken wird.

Gingen 3.4 Millionen Euro an U+C ?

Bei 170 Euro Honorar und 20.000 verschickten Abmahnungen hätte The Archive AG eigentlich vorher 3.4 Millionen Euro an U+C überweisen müssen. Das deutsche Recht sieht vor, dass der Abmahner das volle Risiko für seine Handlungen trägt. Vertragliche Regelungen zwischen Rechteinhaber und Kanzlei dürfen diese Regelung nicht aufheben. Anwälte sollen primär die Rechtspflege für ihre Mandanten durchführen und nicht in erster Linie gewinnstrebende Unternehmer sein, so sieht es zumindest der Gesetzgeber vor. Auf Nachfrage gibt Urmann zu, man habe das finanzielle Risiko des Mandanten legal begrenzen können. Weitere Details will er aufgrund seiner Schweigepflicht nicht preisgeben.

turn-piracy-into-profitEs wäre auch interessant zu wissen, wie The Archive AG die 3.4 Millionen Euro im Vorfeld erwirtschaftet haben will. Woher soll das ganze Geld kommen, weil laut Registerauszug keine versteuerbaren Einnahmen generiert wurden. Das zu prüfen wäre auch steuerlich gesehen interessant. Offen bleibt auch die Frage nach der Ermittlung der IP-Adressen und ob man die Rechte an den Werken tatsächlich besaß. Nach Medienangaben soll der Besitz der Rechte an “Amanda’s Secret” oder “Miriam’s Adventures” zweifelhaft sein. In dem Fall hätte U+C gar keine Abmahnungen verschicken dürfen. Hatte Herr Urmann zur fraglichen Zeit eine Zulassung als Anwalt in Hamburg? Auch dies wird noch von der einen oder anderen Rechtsanwaltskammer zu prüfen sein.

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Außerdem bringt Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, seit 2014 an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert.