Datenschützer schreiben offenen Brief für die Beibehaltung von Bargeld

Angesichts der aktuellen Politik der Bundesregierung fürchten viele Datenschützer die schrittweise Abschaffung des Bargelds. Aktivisten des Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung haben daher nun einen offenen Brief an Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble geschrieben, in dem sie fordern, dass Bargeld auch zukünftig nutzbar bleibt.

Euro-Bargeld (Avij, gemeinfrei via Wikimedia Commons)

Euro-Bargeld (Avij, gemeinfrei via Wikimedia Commons)

Schrittweise Abschaffung des Bargelds?

In Deutschland wird derzeit ein Verbot von Bargeld-Transaktionen über 5000 Euro diskutiert. Die Europäische Zentralbank (EZB) prüft außerdem eine Abschaffung der 500-Euro-Scheine.

Diese Diskussionen sehen viele Datenschützer als erste Schritte auf einem Weg, der letztendlich zur Abschaffung des Bargelds führen soll. Könnte dann nur noch auf anderem, heutzutage meist elektronischem Wege gezahlt werden, ließen sich Finanz-Transaktionen deutlich leichter überwachen, so die Befürchtung der Aktivisten. Die Bundesregierung glaubt, so ließen sich Verbrechen besser verhindern oder aufklären. Für die Datenschützer aber ist es vor allem ein Eingriff in die Privatsphäre völlig unschuldiger Menschen, die aus den verschiedensten Gründen lieber bar zahlen wollen.

Offener Brief an den Finanzminister

Aktivisten des Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung setzen sich daher mittlerweile, neben anderen Datenschutz-Projekten, auch für die Beibehaltung des Bargelds ein. Sie haben nun einen offenen Brief an Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble geschrieben, in dem sie die Beibehaltung des Bargelds fordern.

Datenschützer bei der Übergabe des offenen Briefs

Datenschützer bei der Übergabe des offenen Briefs

„Mit Einschränkungen des Bargeldverkehrs verlieren die Bürgerinnen und Bürger Deutschlands schrittweise wichtige Persönlichkeits- und Freiheitsrechte.
Darum fordern wir Sie auf, von einem Verbot von Bargeldtransaktionen über 5.000 Euro abzusehen“, schreiben die Datenschützer.

So sei Bargeld das einzige Zahlungsmittel, das niemand ablehnen könne, ohne rechtliche Nachteile zu erleiden. Auch für Veranstaltungen wie Flohmärkte und kleinere Kulturveranstaltungen sei es wichtig, dass es weiterhin Bargeld gebe. Zudem sei das Bargeld im „Sparstrumpf“ vor dem wankelmütigen Schicksal des Finanzmarktes geschützt und daher vielen Deutschen lieb und teuer. Zudem gelte: „Elektronische Zahlungsmittel schließen bestimmte Personenkreise aus und sind wegen Transaktionslimits oder technischer Probleme nicht immer einsetzbar.“

Daneben sehen die Datenschützer es als wichtigen Teil der persönlichen Freiheit, selbst entscheiden zu können, ob man bar oder elektronisch bezahlt. Die Barzahlung ermöglicht dabei in ihren Augen ein gewisses Ausmaß an Privatsphäre, das für viele Menschen aus den verschiedensten Gründen wichtig ist.

Zahlreiche Unterzeichner

Neben dem Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung haben auch der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) e.V., die Deutsche Vereinigung für Datenschutz (DVD) e.V., dieDatenschützer Rhein-Main, Digitalcourage e.V., das Forum InformatikerInnen für Frieden und gesellschaftliche Verantwortung (FIfF) e.V. sowie quintessenz – Verein zu Wiederherstellung der Bürgerrechte im Informationszeitalter den offenen Brief unterzeichnet.

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11 Kommentare

  1. EZB olle sagt:

    Es ist interessant das immer gesagt wird, das bargeldlos bezahlen einfacher ist als mit Bargeld zu bezahlen.
    Stellen wir mal gegenüber, Bargeld wir brauchen Bargeld und will man alles ordentlich machen noch einen Quittungsblock und Stift. Stempel ist schon optimal.
    Bargeldlos, wir brauchen Strom, bei Überweisungen einen Computer, plus Webserver und eventuell Bankingsoftware, Datenanbindung, Server der Bank welcher die eigentliche Transaktion durchführt, plus die ganzen Rechner und Geräte welche die Netzinfrastruktur stellen und eventuell ein Autentifikakationsmedium.
    Bargeldlos mit Karte oder Smartphone, wir brauchen Strom, Karte oder Smartphone, ein Lesegerät an der Kasse, eine Datenanbindung, Server des Dienstleisters, Server der Bank, Netzinfrastruktur. Quittungsdrucker ist teilweise optional.
    Eine Sonderform des bargeldlosen Bezahlens scheint niemand mehr zu kennen. Der gute alte Scheck. Die Euroschecks waren sehr gut, da man ich glaube bis 100 DM pro Scheck immer sein Geld bekamm und das ohne Gebühren, welche bei dem ganzen elektronischen Bezahlen anfallen.
    So gegenübergestellt, ist Bargeld sogar ökologisch, da der Energieaufwand bei einer Transaktion erheblich geringer ist und auch die Erstellungskosten der ganzen Geräte von ihrem ökologischen Fussabdruck her gegen die Kosten von papierbedrucken und Münzen prägen gesetzt werden müssen.
    Fakt ist leider aber auch, das viele Jüngere nicht mehr in der Lage sind, vernünftig mit Geld und anderen Zahlungsmitteln egal in welcher Form, umzugehen. Ich bin immer wieder peinlich berührt, wenn jemand sich vor Aufregung fast in die Hose macht nur weil er mal 1000 EUR dabei hat. Schön ist ebenfalls wenn sie nicht einsehen, das ihre Karte nicht gedeckt ist.
    Risiken bei Bargeld sind überschaubar. Es kann maximal geklaut werden. Bei Kartenverlust durch Diebstahl drohen bei Nichtkulanz der Bank hohe Folgekosten. Es ist in Deutschland bisher zu sowas meines Wissens nicht gekommen, in anderen Ländern werden Kartenbesitzer gekidnappt und solange bearbeitet bis sie die Geheimnummer rausrücken und danach festgehalten bis die Karte nichts mehr bringt.

  2. Eberhard sagt:

    Wie peinlich ist das denn? Ich hätte jetzt eine 80-jährige Oma mit Sparstrumpf erwartet, aber auf dem Bild sieht man ihre Enkelin.

    Wir müssen in Deutschland sein, dem Land, in dem alle, selbst junge Leute, erzkonservativ sind, nicht aufgeschlossen für moderne Zahlungsmethoden und außerdem sehr gerne Schwarzgeld verstecken.

    Ich würde mich schämen, einen solchen Brief zu schreiben.

    • 500 Euro Schein sagt:

      Kumpel, ich hoffe du weißt, was eine Abschaffung von Bargeld für weitreichende Konsequenzen hätte? Nicht jeder möchte oder KANN bargeldlos bzw. elektronisch bezahlen und es wird immer Menschen geben, bei denen mindestens eines von beiden zutrifft, egal ob nun im Jahr 2016 oder 2104. Ich sehe diese Aktion positiv, besser jetzt zumindest ETWAS tun und sich melden anstatt später es zu bereuen.

      Ich frage mich allen ernstes, wie du die Zukunft siehst, wie sollen ältere oder anderweitig benachteiligte Menschen bezahlen? Das würde alles enormst verkomplizieren. Ich wage allerdings zu behaupten, dass Bargeld niemals abgeschafft wird, das wäre ein viel zu drastischer Schritt, egal ob dies nun langsam oder schnell versucht wird.

  3. Plumsi der Schlumpf sagt:

    Lach, selbst die Sparkassen denken inzwischen über eine Flucht ins Bargeld nach.

  4. Stefan Dreher sagt:

    Ich liebe Bargeld, anonym und sicher, dazu das wahres Geld, die man anfassen kann..

    Man sollte auch Silbermünzen kaufen (z.B https://proaurum.de/ ), denn der Silberpreis steigt in nächsten Tagen und Monaten schnell hoch. 1 Unze Silbermünze kostet derzeit 17€, sinnvolle Anlage in die Zukunft, wenn kein Bargeld oder Geld mehr gibt

  5. das Teufelchen sagt:

    Es liegt doch am Volk, seine eigene Stimme zu wählen. Nur rumjammern ist in meinen Augen die falsche Strategie …

  6. Christina sagt:

    Nächstenliebe………….soll man dann einem Obdachlosen etwa einen Check spenden, anstelle von Kleingeld?
    Oder werden wir Deutschen dann über solche Menschen hinwegsehen?
    Taschengeld der kleinen Kinder in Form von Süßigkeiten, damit Körper und Seele ihren Schaden nehmen, oder Kleinkinderkonten?
    Das Sammeln von Kleingeld für besondere Dinge…zum Beispiel Brautschuhe?
    Oder ist auch das somit alles bedeutungslos?
    Centstücke, welche Glück bringen? (Man beachte die Wasserdenkmale, Brunnen)
    Wo bleiben Tradition und Menschlichkeit?
    Es gibt unzählige Dinge, welche mit Kleingeld oder Geld ihren Ausdruck finden…

  7. michel sagt:

    lol, das ist ja man wieder süss
    mal abgesehen, dass golum den brief eh nie lesen wird und es ihn alles null interessiert, da er an einer gänzlich anderen agenda arbeitet, die das gegenteil von dem ist, hab ich noch weitee untestütende ideen:

    zum einen natürlich die sofa protest aktion, ne petition
    und allseits beliebt bei den wachkoma micheln, ne lichterketter

  8. HeyGuys sagt:

    Ist ja schön und gut, nur leider ohne Auswirkung. Die Stimmen des Volkes setzen sich einfach über die Stimmen aus dem Volk hinweg.

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